Organspende

Nur die zweitbeste

Die Reform bei der Organspende ist immerhin besser als der Status Quo. Es ist sinnvoll, dass der Bürger regelmäßig dazu ermuntert wird, seine Position zur Spendenbereitschaft festzulegen. Das wird die Zahl potenzieller Geber erhöhen. Es bleibt aber das Problem, dass man sich nicht zwangsläufig für oder gegen die Organspende entscheiden muss, sondern diese Frage offen lassen kann. So besteht die Gefahr, dass die Infobroschüren samt Spendenausweis im Papierkorb landen. Das wäre fatal. Zum einen fehlen so mögliche Organgeber. Zum anderen lasten die Unschlüssigen ihren Hinterbliebenen im Todesfall eine extreme Bürde auf. Dann müssen sie die Frage allein beantworten, ob die Ärzte dem Angehörigen Organe entnehmen dürfen.

Ohnehin haben sich die Parlamentarier mit der Entscheidungslösung nur für die zweitbeste Variante entschieden. Sinnvoller ist die Widerspruchslösung. Hier ist jeder Bürger nach seinem Hirntod ein potenzieller Spender, sofern er nicht zu Lebzeiten widersprochen hat. Einmal klar „nein“ zu sagen, das wäre den Organspendegegnern zumutbar gewesen. Für diese Lösung fehlte offenbar der politische Mut. Doch ohne eine effiziente Organisation in den Krankenhäusern bringt auch eine breit dokumentierte Spendenbereitschaft wenig. Die nun beschlossene Vorgabe, wonach jede Klinik mit Intensivstation einen Transplantationsbeauftragten braucht, war überfällig. Denn es darf nicht mehr vorkommen, dass Organspender nicht gemeldet werden, nur weil sich niemand dafür zuständig fühlt.

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