Tag 16

Reibereien im Mini-Zuhause

Foto: Uwe Fischer

Dufourspitze. Vom Nordkap nach Kapstadt - Joachim Franz befindet sich auf einer Expedition der besonderen Art. Er und seine Mitstreiter wollen das Thema Aids ins Bewusstsein der Menschen rücken. DerWesten verfolgt, wie die Gruppe bei ihrer Tour durch 20 Länder vorankommt. Heute: die Dufourspitze.

Gegen Mittag bekommen wir Nachricht von Wilhelm Haupt und Thomas Assmann: Die beiden stellen das mobile Bergteam für die Schweiz. Ihre Aufgabe: Die extrem schwer zu besteigende, 4634 Meter hohe Dufourspitze für uns zu bezwingen. Das Warten am Berg aber nutzte nichts: Sie haben sich heute bis auf 3600 Meter durch Neuschnee vorgekämpft, dann ging nichts mehr.

Mit dem frühen zwischenzeitlichen Wintereinbruch haben die Alpen uns die Aufgabe also auch in der Schweiz nicht leicht gemacht. Trotzdem haben Wilhelm und Thomas es geschafft, dort oben im Tiefschnee bei akuter Lawinengefahr das Banner mit der Dunkelziffer an HIV-Infizierten und aidskranken Eidgenossen (27.000) zu entrollen.Wir dagegen sind „on the road again“. Verlassen die Alpen gen Süden: Italia und Sonne und Wärme.

Schmerzhafter Verlust

Da bis zu unserem Termin im Vatikan keine Zeitnot besteht, verlassen wir hinter Genua die teure Autobahn, suchen unseren Weg durch die ligurischen Apenninen. Stoßen bei Livorno wieder an die Küste, um südlich davon am Meer das Nachtlager zu beziehen.

Einen möglicherweise schmerzhaften Verlust hat Didi heute zu verzeichnen: Als unser Streckenchef genussvoll einen Kaugummi zwischen die Zähne schiebt und herzhaft zubeißt, trifft er unvermittelt auf einen harten Gegenstand. Eine genauere Untersuchung des unbekannten Kauobjekts ergibt: Backenzahnplombe, und zwar aus dem eigenen Mund. Und wir haben keinen Zahnarzt dabei!

Karawane zieht weiter

Bislang scheinen Didi keine großen Schmerzen zu plagen – oder tut er nur so? Hoffentlich beißt er die Zähne jetzt nicht zu fest zusammen! An Tagen wie diesem bleibt Zeit, über unser Vagabundenleben zu philosophieren. Ein, zwei Tage Standzeit an den Bergen, dann zieht die Karawane weiter.

Bis zu 18 Menschen in fünf Autos, wobei die rollende Zentrale mit Arbeitstisch, Schnittstelle, Drucker, Material und Presseunterlagen nur Platz für zwei Personen bietet – das macht in allen anderen Fahrzeugen vier Leute. Rund um die Uhr zusammengepfercht auf neun Quadratmetern, inmitten von Gepäck und Ausrüstung, müffelnden Schuhen und zum Trocknen aufgehängter Wäsche, Riegeln und Wasserflaschen. Da bleiben Kräche kaum aus – die kommen schließlich in den besten Familien vor, also auch und erst recht im rollenden Mini-Zuhause.

Langer Rede kurzer Sinn: Es hat Reiberein gegeben, es hat seine Zeit gebraucht – doch mittlerweile haben wir uns zusammengerüttelt. Oder, wie Markus das ausdrückt: „Gefunden.“

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