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Tränenreiches und Klischees im Film „Ein Dorf sieht schwarz“

Szene aus „Ein Dorf sieht schwarz“.

Foto: Prokino

Szene aus „Ein Dorf sieht schwarz“. Foto: Prokino

Tränenteiler und ein Wunder am Heiligen Abend. Die Geschichte eines farbigen Arztes in der französischen Provinz trägt allzu dick auf.

Nicht viel los in Marly-Gomont: Das kleine Dorf nördlich von Paris ist 1975 die Sorte von Provinz, wo sich Füchse eine gute Nacht wünschen und wo der Dorfbevölkerung noch kein menschliches Wesen unterkam, das nicht von weißer Hautfarbe ist. Das ändert sich mit der Ankunft von Familie Zantoko, die aus dem Kongo stammt. Das Ganze basiert auf einer wahren Geschichte, wurde letztes Jahr in Frankreich verfilmt und der deutsche Titel trägt dem angemessen Rechnung: „Ein Dorf sieht schwarz“.

Seyolo Zantoko hat gerade sein Medizinstudium in Frankreich absolviert und lehnt mit aller gebotenen moralischen Empörung das Angebot ab, in der Heimat Zaire der Leibarzt des korrupten Regierungschefs Mobutu zu werden. Lieber nimmt er die Offerte eines Bürgermeisters an und wird Landarzt in Marly-Gomont. Seine Frau und die zwei Kinder hat er auch schon herbeigeholt und so steht man eines regnerischen Morgens mitten in der nordfranzösischen Provinz, wo die Leute stur und misstrauisch sind und das Geld schnell knapp wird, wenn niemand in die Praxis kommt.

Der Film trägt in seinen Konflikten sehr dick auf

Es müssen schon einige Tränentäler durchwatet werden, bis ausgerechnet an Heiligabend das Wunder des ersten Einsatzes kommt und der Knoten platzt. Regieneuling Julien Rambaldi lässt kein Dorfklischee aus, es wird sogar der Sch’ti-Dialekt gesprochen. Was alles vertretbar wäre, wenn der Film nicht so kriecherisch daher käme. Zu offenbar waren die Macher beflissen, im Zeichen von Zuwanderungskonflikten und Flüchtlingscamps mit erbaulicher Unterhaltung gegenzusteuern.

So wurde daraus ein Film, dem man in jeder Szene und Gefühlsregung ansieht, wie sehr er liebenswürdig sein will und wie sehr er bereit ist, sich der guten Laune des Zuschauers anzudienen. Man erkannte nicht, dass Spaß keinen Spaß macht, wenn er sich allzu leicht in die Karten schauen lässt.

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