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Warum Bayern für einen Fairplaypreis nicht infrage kommt

Foto: Gebert/dpa

Was Nico Kovac, Timo Boll und den deutschen Fußball-Rekordmeister unterscheidet.

Nico Kovac ist unlängst mit dem Fair-Play-Preis des Deutschen Sports ausgezeichnet worden. Gewürdigt wurde sein Verhalten nach dem Relegationsspiel gegen Nürnberg im vergangenen Frühsommer. Der Frankfurter Trainer hatte den Verlierern über das übliche Maß hinaus Trost gespendet.

Sicher, seine Anteilnahme berührte viele Zuschauer. Nicht jeder Sieger denkt im Moment des Triumphes an die Gemütsverfassung der unterlegenen Konkurrenten. Und doch hinterlässt die Auszeichnung zwiespältige Gefühle. Bedeutet sie doch, dass es um den Fair-Play-Gedanken im deutschen Sport nicht sonderlich gut bestellt sein kann, sollte es sich tatsächlich um die stärkste Geste eines ganzen Jahres handeln, wie der Preis ja suggeriert.

Wahres Fair Play setzt schließlich mehr voraus. Es hat seinen Preis. Kovac dagegen hat sein demonstratives Mitgefühl nichts gekostet. Größere Achtung hat ein Athlet verdient, der Fairness demonstriert, obwohl sie ihn um den Erfolg bringen könnte.

Zum Glück kennt der Sport auch Beispiele für uneigennütziges Verhalten. Der schon zweimal für vorbildlichen Sportsgeist ausgezeichnete Tischtennis-Star Timo Boll etwa korrigierte im Achtelfinale der WM 2005 in Shanghai bei eigenem Matchball eine Schiedsrichter-Entscheidung zugunsten seines chinesischen Gegners.

1977 hatte mit Wilfried Lieck ein anderer deutscher Tischtennisspieler in Birmingham auf vergleichbare Weise durch seine Ehrlichkeit sein WM-Aus gegen den Schweden Stellan Bengtsson besiegelt.

Timo Boll hat seine Reaktion von Shanghai so kommentiert: „Darüber muss man nicht nachdenken.“ Boll und Lieck mögen die Chance ihres Lebens verpasst haben – aber dafür werden sie bis zum Ende ihrer Tage mit sich im Reinen sein. Ein Gefühl, das sich mit Gold und Geld nicht aufwiegen lässt.

Wer dagegen alles dem Erfolg unterordnet, wird zum Gefangenen seines Ehrgeizes. Gut zu beobachten am Beispiel des FC Bayern. Adi Preißlers legendärer Spruch „Entscheidend ist auf’m Platz“ ist eben nur bedingt richtig. In Madrid haben die Münchener nicht auf, dafür aber neben dem Platz versagt. Was manchmal schwerer wiegt.

Dabei hätte der deutsche Rekordmeister, der bekanntlich zu den größten Profiteuren falscher Pfiffe gehört, seine Kritiker beschämen können, indem die Verantwortlichen die Schiedsrichter-Fehlleistungen mit echtem Sportsgeist hingenommen hätten. Doch diese Chance haben sie einmal mehr vertan.

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