Reaktionen

Exil-Iraner: Sehnsucht nach Freiheit

Essen. Exil-Iraner an Rhein und Ruhr reagieren unterschiedlich auf die Situation in ihrem Heimatland: Manche reden offen, andere fürchten sich vor dem Geheimdienst.

Hossein Khorramis Stimme klingt kämpferisch. „Ich sehe Millionen Menschen auf der Straße friedlich demonstrieren. Wir hoffen, dass es bald mehr Demokratie im Iran gibt.” Protest gegen den Wahlbetrug, Neuwahlen, ein Recht auf seine eigene Stimme – so offen wie Khorrami, Mitglied im Essener Integrationsbeirat und Mitglied der Partei „Die Linke”, spricht kaum jemand. Die Angst vor dem iranischen Geheimdienst, der im Ausland und in Deutschland Regimegegner verfolgen soll, ist groß. Khorrami stört das nicht.

Rund 40 Millionen Menschen haben im Iran am Sonntag gewählt. Khorrami plädiert für Neuwahlen, die Stimme jedes einzelnen Iraners soll zählen. „Wir machen uns große Sorgen und wollen unseren Leuten helfen”, erklärt der 50-Jährige seine Offenheit. Er weiß, worüber er spricht. Vor 13 Jahren ist er geflohen, saß zweieinhalb Jahre im Gefängnis, weil er gegen den Iran-Irak-Krieg demonstrierte. Eine Rückkehr in seine Heimat ist für ihn und seine in Kanada und in Frankreich lebenden Geschwister unmöglich – höchstens, wenn sich die politischen Verhältnisse ändern sollten. So bleibt ihm, die Nachrichten zu verbreiten, die aus dem Iran ankommen.

Kein Handhabe gegen Twitter und Youtube

Aber das ist schwierig: Sicher, es gibt Filme, die im Videoportal Youtube zu sehen sind, Mikroblogs wie Twitter lassen sich genauso wenig verbieten. Trotzdem funktionieren Mobiltelefone nicht immer, SMS kommen nicht an, die Nutzung des Internets ist mühsam, weil Mails und Veröffentlichungen in Netzwerken wie Facebook gefiltert werden. Das bestätigt ein Mitglied vom iranischen Kulturverein Negah aus Essen. Der Mann, der seit mehr als 20 Jahren in Deutschland lebt, will seinen Namen nicht nennen. Er fürchtet den iranischen Geheimdienst, wünscht sich ein Ende der Ära Ahmadinedschad. Aber auch seine Sorge um Bekannte, Freunde und Familie, die in Teheran und anderen Städten auf die Straße gehen, ist groß. „Ich fürchte, dass das brutal ausgeht. Die jungen Leute sehnen sich nach Freiheit, nach Recht. Sie fragen sich, wo ihre Stimme geblieben ist.”

Diplomatischer gibt sich ein Mitglied des Deutsch-Iranischen Kulturzentrums Kaweh in Düsseldorf. „Wir sind an sich neutral”, heißt es dort. „Aber das, was dort passiert, gefällt uns nicht.” Zwischen Stille, Protest und Angst: Eine Frau, die seit 20 Jahren in Essen lebt und ebenfalls ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, erklärt: „ Alle sind vorsichtig, etwas gegen das Regime zu sagen. Es könnte Einreiseprobleme geben.” (NRZ)

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