Rededuell

Steinbrück greift im Rededuell an - Merkel bleibt kühl

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versuchte Peer Steinbrück (SPD) so gut es ging zu ignorieren.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versuchte Peer Steinbrück (SPD) so gut es ging zu ignorieren. Foto: rtr

Berlin.   Die europäische Krise stand im Mittelpunkt des ersten Rededuells zwischen dem SPD-Herausforderer und der Bundeskanzlerin im Bundestag. Die Auseinandersetzung gibt den Ton des anstehenden Wahlkampfs vor. Die Stärken und Schwächen der Kontrahenten im Überblick.

Es war das erste Rededuell der Kanzlerin mit ihrem frisch gekürten SPD-Herausforderer Peer Steinbrück: Im Bundestag versuchte Angela Merkel am Donnerstag, mit einem Zukunftsszenario für Europa Punkte zu machen – Kanzlerkandidat Steinbrück schaltete auf Angriff, warf Merkel ein Doppelspiel in ihrer Europapolitik vor.

Die Analyse des Duells:

Auftritt: Merkel gab sich staatsmännisch-präsidial als nüchterne Krisenmanagerin und versuchte, dem Duell auszuweichen. Adressaten waren teils nicht die Abgeordneten, sondern ihre EU-Kollegen vor dem Gipfeltreffen.

Steinbrück verkörperte eine Mischung aus Staatsmann und Wahlkämpfer. Er hatte eine klare Botschaft vor allem an die eigenen Anhänger: Jetzt wird angegriffen und mit Merkels Krisenmanagement abgerechnet.

Kernaussagen: Merkel forderte, die EU müsse bis Jahresende zu einer neuen Qualität der Zusammenarbeit kommen – in der Finanz-, Geld- und Wirtschaftspolitik. Deutschland wolle einen Währungskommissar, der bei Verstößen echte Durchgriffsrechte gegenüber nationalen Haushalten habe.

Steinbrück kritisierte vor allem das Krisenmanagement Merkels. Sie hinke als „Getriebene“ der Entwicklung stets hinterher, wechsle ihre Positionen, lasse die Bürger über die Folgen der Euro-Krise im Unklaren. Merkel müsse jetzt endlich sagen, dass die Hilfe für Griechenland mehr kosten werde.

Merkel mied direkte Konfrontation mit Steinbrück

Angriffe: Die Kanzlerin mied die direkte Auseinandersetzung, ignorierte Steinbrück. Versuchte sogar, mit einem Dank für die breiten Bundestags-Mehrheiten zu Euro-Beschlüssen SPD und Grünen Wind aus den Segeln zu nehmen.

Steinbrück suchte die direkte Konfrontation. Erste Attacke auf „Frau Bundeskanzlerin“ nach vier Minuten: Ihre Rede komme zwei Jahre zu spät. Danach sprach er Merkel 18mal an, 12mal mit direkten Vorwürfen: Sie missbrauche die Krise für innenpolitische Händel und lasse Koalitionspolitiker monatelang „Mobbing gegen Griechenland“ betreiben: „Selten war Deutschland in Europa so isoliert wie heute.“

Rhetorik: Merkels Regierungserklärung, teilweise frei gehalten, dauerte 40 Minuten: Klar strukturiert, nüchtern, teilweise auch visionär. Als erste Rednerin im Nachteil, sie war offenbar nervös, vor allem am Anfang: 19mal versprach sich die Kanzlerin. Kaum Blickkontakt mit der Opposition.

Steinbrück hielt eine kürzere Rede (28 Minuten), war aber rhetorisch deutlich überlegen. Sofort auf Temperatur, in teils freier Rede souverän, pointierte Formulierungen, nutzte viele rhetorische Mittel, nahm schnell Kontakt mit dem Gegner auf, ging schlagfertig auf Zwischenrufer ein, vermied Polemik. 6 Versprecher, eher zum Ende.

Größte Schwäche: Steinbrück setzte auf Merkel-Kritik, brachte aber zu wenig zum Thema EU-Reformdiskussion.

Merkel benutzte viele Wiederholungen aus früheren Reden und den bekannten EU-Reformplänen. Vorschläge blieben vage, finanzielle Konsequenzen für Deutschland offen.

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