Südeuropäer sind reicher als Deutsche

Hag  Mitten in den dramatischen Poker um die Rettung Zyperns platzt eine brisante Studie der Bundesbank, nach der die Menschen in Südeuropa weit vermögender sind als die Deutschen. Die hierzulande ohnehin geringe Bereitschaft der Bürger, mit ihren Steuern europäische Rettungspakete für klamme Staaten im Süden zu finanzieren, könnte weiteren Schaden nehmen.

Die SPD leitete daraus sofort Konsequenzen für die Euro-Rettung ab. Die vorhandenen Vermögen müssten abgeschöpft werden, „bevor europäische Steuerzahler in die Verantwortung genommen werden“, sagte der SPD-Fraktionsvize und Finanzexperte Joachim Poß dieser Zeitung.

Laut Bundesbank liegt das durchschnittliche Nettovermögen eines deutschen Haushalts bei 195 200 Euro, in Spanien dagegen bei 285 000 Euro. Weil in Deutschland der Reichtum viel ungleicher verteilt ist als in Südeuropa, fällt der Vergleich des Durchschnittshaushalts noch drastischer aus. Dieser „Medianwert“ bedeutet, dass exakt eine Hälfte der Haushalte mehr und die andere weniger Vermögen hat. Er liegt in Westdeutschland bei 78 900 Euro, in Spanien bei 178 000 und in Italien bei 163 900 Euro.

Die Bundesbank hat zum ersten Mal einen solchen Vergleich veröffentlicht — zu einem Zeitpunkt, an dem es einmal mehr um die Rettung eines überschuldeten südeuropäischen Landes geht, diesmal Zypern. Die Autoren mühten sich, das Ergebnis zu relativieren. Hauptgrund sei der in Südeuropa viel häufigere Hausbesitz. Als Vermögen mitgerechnet werden also auch die Häuser der vielen Millionen Arbeitslosen etwa in Spanien, deren Wert derzeit verfällt. Die Zahlen der Studie stammen für Spanien aus 2008, also vor dem Platzen der Immobilienblase. Zudem sind Anwartschaften aus Sozialversicherungen nicht eingerechnet, die in Deutschland weit höher sind als in Südeuropa.

Ob Zypern europäische Hilfe erhält, blieb gestern weiter unklar. Zur Vermeidung eines Staatsbankrotts war nun wieder eine Zwangsabgabe von 15 Prozent auf Guthaben über 100 000 Euro im Gespräch. Das Parlament in Nikosia beschloss am Abend die Einrichtung eines Nationalen Solidaritätsfonds. Die Abgeordneten befürworteten auch die Begrenzung des Kapitalverkehrs, um einen massiven Abzug von Kapital von der Insel zu verhindern. Sollte die zyprische Regierung ih­ren Eigenanteil nicht aufbringen, will die Europäische Zentralbank am Montag den Geldhahn zudrehen. Dann droht dem EU-Land die Staatsinsolvenz.

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