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Nahverkehr wegen Betuwe auf dem Abstellgleis?

Am Niederrhein. Eine neue Verordnung der EU räumt dem Güterverkehr Priorität auf der Betuwe-Linie zwischen Emmerich und Oberhausen ein. Zum Nachteil für den Regional- und Fernverkehr. Schon heute befindet sich die Strecke zwischen Emmerich und Oberhausen am Limit.

Schon heute herrscht auf der Bahnstrecke zwischen Emmerich und Oberhausen mächtig Betrieb. Bald sogar noch mehr. Mit dem erwarteten Anstieg der Kapazitäten auf der Güterfernstrecke Betuwe-Linie wird es in Zukunft aber auch eng für den Personenverkehr. Wie am Montagabend auf dem Betuwe-Gipfel in Dinslaken bekannt wurde, muss dem internationalen Güterverkehr ab 2013 auf der Bahnstrecke zwischen Emmerich und Oberhausen Priorität eingeräumt werden.

Kapazitätsgrenze ist erreicht

„Das könnte erhebliche Nachteile für den Regionalverkehr, aber auch für den ICE nach Amsterdam bedeuten, erklärt Werner Kühlkamp, Verkehrsexperte der niederrheinischen Industrie- und Handelskammer. Hintergrund ist eine Verordnung der EU-Kommission, die festlegt, dass auf bestimmten Strecken in Europa der internationale Güterverkehr bevorzugt zu bedienen ist. Dazu gehört auch die Verbindung zwischen Rotterdam und Genua. Die Betuwe ist Teil dieser Transversale.

Schon heute befindet sich die Strecke zwischen Emmerich und Oberhausen am Limit. 215 Züge pro Tag sind auf der Strecke derzeit möglich. Die werden im Moment auch gefahren. Nach Einführung der Blockverdichtung 2015 nimmt die DB Netz AG eine Maximalkapazität von 293 Zügen pro Tag an, gerechnet wird aber mit 317 Zügen. Das heißt: 24 Züge pro Tag müssten wegfallen.

Da der internationale Güterverkehr laut EU-Verordnung ab 2013 vorrangig zu behandeln ist, wird wohl der Nahverkehr auf der Strecke weichen. Lothar Ebbers, Sprecher des Fahrgastverbandes „Pro Bahn“ in NRW, teilt diese Einschätzung: „Schon heute packt die Bahn zwischen zwei Regionalbahnen drei Güterzüge. Wenn die Personenzüge künftig warten müssen, wird es vermehrt zu Verspätungen kommen“, fürchtet Ebbers.

Mehr Stau auf der A3

Die Folgen: Anschlusszüge werden nicht mehr erreicht, die Attraktivität lässt nach. Weniger Pendler nutzen die Bahn, Strecken werden eingestellt. „Dabei hatte sich der Regionalexpress 5 zwischen Emmerich und Oberhausen sehr gut entwickelt. Zwischen 2002 und 2006 wurde eine Steigerung von 14 Prozent erzielt“, so Ebbers. „Rund 15 000 Fahrgäste pro Tag sind dort täglich unterwegs. „

„Wenn jetzt viele Pendler aufs Auto ausweichen, kommen wir auf der A 3 nicht mehr auf dem Stau heraus“, prophezeit auch IHK-Verkehrsexperte Werner Kühlkamp.

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