Computer-Kriminalität

Telekom fordert 5000 Euro von Hacker-Opfern

Foto: Gisela Weißkopf

Geldern. Petra Wißen aus Geldern am Niederrhein hat seit fast zwei Jahren Stress mit der Telekom. Die fordert mittlerweile über 5000 Euro Telefonkosten - obwohl Wißen und ihr Lebensgefährte nachweislich Opfer von Computerhackern sind.

Zuerst hat Petra Wißen die ganze Sache mit Humor genommen und geglaubt, dass „der Irrtum” sich in ein paar Tagen aufklären werde. Auch die Bank hat so reagiert und sich per Telefon bei den Wißens in Geldern rückgemeldet: „Frau Wißen, wir haben das mal wieder zurückgebucht. Das kann ja so nicht stimmen.” Da glaubte die Geldernerin auch noch an einen Tippfehler, dass das Komma auf dieser unglaublichen Telefonrechnung irgendwie um ein paar Stellen verrutscht war. Doch als die erste Mahnung der Telekom kam, war klar: Das ist kein Spaß. Petra Wißen hatte eine Telefonrechnung in Höhe von 3895 Euro, wenig später trudelte der nächste Bescheid ein, da war das Sümmchen auf 5010,61 Euro angeklettert.

Während einer Reise Opfer von Datenklau geworden

Petra Wißen, Hausfrau und Mutter, war fassungslos. Just in der Zeit, in der sie mit der Familie in den Türkeiferien war, sollte sie über den heimischen Computer Spiele heruntergeladen, übers Internet großzügig eingekauft haben. Das alles geschah im September 2007. Seitdem haben die Wißens Stress mit der Telekom.

Was zwischenzeitlich dazu führte, dass die Telekom der Familie phasenweise die Telefonleitung kappte – das Internetleitung funktioniert seit Monaten nicht, obwohl die Wißens weiterhin brav ihren monatlichen Flatrate-Tarif an die Telekom überweisen.

Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt

Ende Oktober 2007 stellte Petra Wißen Strafanzeige gegen unbekannt. Die Staatsanwaltschaft Kleve ermittelte wegen Computer-Kriminalität, Spuren führten bis nach Süd- und Norddeutschland und ins Ausland, in den Büros zweier Tatverdächtiger wurden Rechner und Server sichergestellt – da hatte Petra Wißen Hoffnung, dass sich die ganze Geschichte schnell aufklären ließe.

Im März 2008 hieß das beim Amtsgericht Kleve noch: „Nach alledem besteht der dringende Tatverdacht, dass sich die Beschuldigten aufgrund eines gemeinsamen Tatplanes unter Verwendung unrichtiger Daten oder unter unbefugter Verwendung von Daten Zugang zum Account der Geschädigten verschafft zu haben, um sich dort durch Downloads, Transaktionen und andere Tätigkeiten ungerechtfertigt zu bereichern.”

Im Dezember 2008 wurde das Ermittlungsverfahren eingestellt, „weil ein Täter nicht ermittelt werden konnte. Weitere Nachforschungen versprechen zur Zeit keinen Erfolg”. Das einzige, auf das sich Petra Wißen verlassen konnte, waren die Mahnungen der Telekom. Die kamen weiterhin regelmäßig.

„Inzwischen blickt keiner mehr durch”, schimpft Petra Wißen. Mahn- und Sperrbescheide wurden verschickt, mal ist das Telefon freigeschaltet, mal nicht. Mal wurde eine moderate Ratenzahlung des ausstehenden Betrages angeboten, dann gab's unvermittelt eine Gutschrift über 100 Euro.

Telekom sperrt Telefonanschluss

Die Kardinalfrage bleibt: „Wieso soll ich für etwas bezahlen, das ich nicht in Anspruch genommen habe? Ich kann beweisen, dass wir zu dieser Zeit unseren Rechner nicht benutzt haben. Wir können davon ausgehen, dass Computerhacker am Werk waren – und dennoch soll ich über 5000 Euro nachzahlen?”

Wenn es nach der Telekom geht, ist die Antwort eindeutig: „Ja.” Weil, so Sprecher Andre Hofmann, die Telekom eine Leistung erbracht habe. Es seien Daten aus dem Internet heruntergeladen worden – über den Wißen-Rechner. Mehr sei zurzeit öffentlich nicht zu sagen, da es sich um ein laufendes Verfahren handele.

Petra Wißen und Lebensgefährte Jürgen Kauertz haben im Januar dieses Jahres einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Der Internet-Zugang ist nach wie vor gesperrt. Die säumige Summe auf knapp 5500 Euro angewachsen.

„Es ist nicht zu fassen”, so Jürgen Kauertz. „Wir bleiben auf einer Sache sitzen, die wir nicht verschuldet haben und kein Mensch bei der Telekom kümmert sich. Wir haben eine teure Handy-Rechnung, weil der Telefonanschluss gekappt war. Wir müssen den Anwalt bezahlen. Und die 5500 Euro stehen nach wie vor im Raum.” Was Petra Wißen und Jürgen Kauertz so richtig auf die Palme bringt, ist, „dass die Telekom einfach nicht reagiert auf Anschreiben und Nachfragen. „Statt den FC Bayern München mit Millionen zu sponsern, sollten die mal lieber in den Kunden-Service investieren”.

Telekom-Sprecher Andre Hofmann erklärte jetzt, dass man Petra Wißen ein zweites Buchungskonto eingerichtet habe, so dass Telefon und Internet wieder möglich seien. Und verwies auf den Online-Service.

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