Fleischproduktion

Tieren beim Schlachten nicht unnötig Leid zufügen

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Wachtendonk. In der Biohofschlachterei Thönes macht man sich viele Gedanken über tierfreundliches Töten. Bevor es zum Schlachter geht, dürfen die Tiere noch einmal schlafen. Die oberste Maxime bei Thönes lautet: So wenig Stress wie möglich bei den Tieren erzeugen.

Schmeckt man einen Unterschied, ob ein Schwein mit Achtung getötet wurde? Bruno Jöbkes sagt ja. Für den Geschäftsführer der Wachtendonker Biohofschlachterei Thönes macht es schon einen Unterschied, ob ein Schwein in Panik zu seinem Henker geführt wird - oder ob man es auf die sanfte Tour versucht: „Stress setzt Angsthormone frei und bedeutet, dass sich sämtliche Zellen des Tieres öffnen – dementsprechend hat man später mehr Wasser in der Pfanne.”

Es klingt paradox, aber der Tierschutz wird beim Schlachthof Thönes in Wachtendonk groß geschrieben. In dem Betrieb werden die Tiere nicht wie Schlachtvieh behandelt, sondern als lebende Tiere wahrgenommen: „Tiere haben keine Vorstellung vom Tod, aber sie haben eine Vorstellung von Schmerzen. Man darf ihnen nicht unnötig Leid zufügen.” Die oberste Maxime bei Thönes lautet: „So wenig Stress wie möglich zu erzeugen”, sagt Bruno Jöbkes. Der Tod gehört zu seinem Geschäft, aber der Übergang von der Kreatur zum Frischfleisch soll so sanft wie möglich erfolgen. Das fängt bei der Tierproduktion an und hört beim finalen Bolzenschuss auf.

Die Schlachterei Thönes unterhält seit 1987 einen Naturverbund, dem 250 Landwirte in Nordrhein-Westfalen angeschlossen sind, die sich der biologischen Produktionsweise verschrieben haben. Thönes möchte Fleisch auf den Markt bringen, das wieder schmeckt und das im Einklang mit unserer Natur erzeugt wurde: „Bio ist ja mehr als nur Landwirtschaft, sondern bedeutet auch den Erhalt regionaler Kulturlandschaft”, so Jöbkes. Und das heißt für ihn: „Eine kleinteilige Landwirtschaft mit Wiesenbeweidung.”

Schlafen vor dem Tod

Das Nachdenken über den richtigen Tod beginnt bei Thönes schon bei der Anlieferung: Die Tiere werden am Abend vor der Schlachtung auf den Hof gebracht. „Jeder Transport bedeutet für die Tiere Angst und Stress. Das Verladen, der Transport, ein neuer Stall. Wir bitten daher die Landwirte ihre Schweine und Rinder selbst anzuliefern”, erzählt Jöbkes. Bis 19 Uhr können die Tiere zum Schlachthof gebracht werden. Hier werden die Tiere in ihren gewohnten Gruppen gelassen und nicht im Stall zusammen gepfercht. „Über Nacht kehrt dann die Ruhephase ein, die Luft wird leicht angefeuchtet und die Tiere schlafen. Ein besseres Zeichen für Entspannung gibt es eigentlich nicht”, sagt Jöbkes. Üblich ist das für die Schlachtereibranche gewiss nicht: „Mir hat mal eine Tierärztin gesagt, dass dies hier die einzige Schlachterei sei, in der man sich auch im Stall noch unterhalten könne.”

Bio und Tierschutz sind bei Thönes kein Marketing-Gag, sondern seit Jahren aufwändige Praxis. Wer tierfreundlich töten möchte, der betreibt dafür deutlich mehr Aufwand. Die Tiere werden einzeln betäubt und zwar mit einem Stromstoß, der mittels einer Zange hinter den Ohren gesetzt wird. Elektrotreiber sind in der Schlachterei streng verboten. „Es geht auch ohne Tierquälerei, mit einem normalen Brett kann man die Tiere auch antreiben.”

Keine Arbeit im Akkord

Der Stromstoß sei die schnellste und sicherste Art der Betäubung. In Großschlachtereien werden die Tiere in Gruppen mit Kohlendioxid getötet, was wiederum zu einem längeren Tod mit Sauerstoffarmut führt. „Das ist ein extremer Kampf für die Tiere”, sagt Jöbkes. Der Vorteil: Eine Großschlachterei schafft 500 Schweine in einer Stunde, Thönes schlachtet 500 Tiere in einer Woche.

Nach der Betäubung erhalten die Tiere den Todesstoß mit einem Messer, anschließend bluten sie aus. „Uns ist auch wichtig, dass unsere Arbeiter nicht nach Akkord bezahlt werden, sondern einen festen Stundenlohn erhalten. Bei uns kommt es nicht dar-auf an, ob ein Arbeiter 100 oder 130 Tiere schlachtet.” Ein Thönes-Schlachter erhält zwischen 14,50 und 15 Euro die Stunde. Dumpinglöhne von 3,50 bis 4 Euro sind in der Branche nicht unüblich.

Das Zerlegen der Tiere erfolgt wie in jedem anderen Betrieb auch, mit der Ausnahme, dass man bei Thönes durch eine Glasvitrine auch hinter die Kulissen schauen kann. „Jeder Kunde kann jederzeit einen Blick in den Schlachthof werfen”, sagt Bruno Jöbkes, der ganz auf größtmögliche Transparenz und Offenheit setzt. „Wir wollen Vertrauen rüberbringen und zeigen, wie wir Fleisch erzeugen”, sagt der studierte Geograph, der in Wachtendonk für die Grünen im Gemeinderat sitzt.

Die Tiere, die angeliefert werden, stammen meist von kleinen Bio-Bauernhöfen aus NRW. Auch im Mecklenburgischen Bollewick unterhält Thönes eine Schlachterei, um den Markt in Berlin und Hamburg bedienen zu können. Die Zentrale ist am Niederrhein, die von Jöbkes und seinem Schwager und Inhaber Thomas Thönes geleitet wird. Gegründet wurde der Betrieb von Egidius Thönes, der sich bereits aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen hat.

Natürlich ist das Biofleisch von Thönes deutlich teurer. Zwar ist der Preisdruck enorm, aber man könne den Leuten vermitteln, warum das Fleisch teurer ist, meint Jöbkes: „Und dann muss der Kunde entscheiden, ob es ihm das wert ist.”

Auch in die Wurstproduktion eingestiegen

Seit einigen Jahren ist Thönes auch in die Wurstproduktion eingestiegen. Die Würste werden ohne Emulgatoren oder Glucomat hergestellt. Es werden ausschließlich Kräuter als Geschmacksverstärker benutzt. Die Wurstwaren werden vor allem in den Großstädten Köln, Düsseldorf, Essen und Dortmund gekauft.

Informationen: www.thoenes-natur-verbund.de

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