Esel

Besuch bei Pferden und Eseln auf dem Hof Knecht in Ense

Friedlich grasen Björn und Joey auf den Wiesen in Ense. Vor zwei Monaten hat Sybille Knecht den Reiterhof Volbringen wiedereröffnet - mit zwei Eseln und 15 Pferden, darunter auch einige Shetland-Ponys. Fotos: Klaus Pollkläsener / Iris-Medien

Foto: Iris-MEDIEN

Friedlich grasen Björn und Joey auf den Wiesen in Ense. Vor zwei Monaten hat Sybille Knecht den Reiterhof Volbringen wiedereröffnet - mit zwei Eseln und 15 Pferden, darunter auch einige Shetland-Ponys. Fotos: Klaus Pollkläsener / Iris-Medien Foto: Iris-MEDIEN

Ense.   Wer etwas über Esel lernen will, der sollte nach Ense in den Kreis Soest kommen. Dort findet einmal im Jahr ein lustiges „Rennen“ der Grautiere statt. Doch ein Besuch lohnt auch an jedem anderen Tag - zum Beispiel auf dem Hof von Sybille Knecht.

Ein doppeltes langes Elektroband, wie es sonst auf Viehwiesen zu finden ist, sperrt den Hof ab. Ob man da einfach hinübersteigen kann, ohne einen Schlag zu bekommen? Klar, versichert das Pärchen, das nebenan auf einer Mauer sitzt. „Kein Strom drauf.“ Aber die Absperrung hat trotzdem ihren Sinn. Das sieht man, wenn man um die Ecke kommt. Denn in der Mitte des Hofes steht Joey und schaut herüber. Und gleich daneben: der etwas kleinere Björn. Keine Ahnung, ob Esel wirklich stur sind. Neugierig sind sie auf jeden Fall. Und hier in Ense, so frei und gleichzeitig so liebevoll umsorgt, scheint es ihnen sichtlich gut zu gehen. Eine Geschichte aus Ense – das kann nur eine Geschichte sein, die auch von Eseln erzählt...

Zunächst einmal jedoch beginnt sie bei Pferden - und dem Leben von Reitlehrerin Sybille Knecht (35). Dass sie schon als Neunjährige Pferde liebte, ist sicher nichts ungewöhnliches. Doch bei ihr war diese Leidenschaft besonders ausgeprägt. Nicht nur, weil sie täglich mit dem Zug von Neheim nach Wickede fuhr, bei ihrer Oma aß und schnell zum Stall radelte, sondern auch, weil diese Pferdeliebe nicht aufhörte: Nicht, als sie Abitur machte, nicht, als sie eine Banklehre absolvierte, und auch nicht, als sie ein Lehramtsstudium begann.

„Tolle Schüler, tolle Lehrer - aber nicht meine Welt“

Und so übernahm sie im Februar 2009 mit ihrem damaligen Mann den Reiterhof Volbringen. Doch die Freude über einen eigenen Betrieb mit 20 Pferden und einem Esel währte nicht lang: Nur wenige Monate später war sie mit ihrem zweieinhalbjährigen Sohn allein und entschloss sich zwangsläufig, eine Stelle am Gymnasium in Werl anzunehmen. „Tolle Schüler, tolle Lehrer, tolle Eltern gab es“, sagt sie. „Aber es war nicht meine Welt. Gar nicht.“ Theoretisch hätte dieser Traum vom Leben mit Pferden - und Eseln - ausgerechnet an ihrem 34. Geburtstag im April 2011 beendet sein können: Da las sie in der Zeitung, dass der Hof neu vermietet sei. „Ich habe nur geheult“, gibt sie zu. „Nicht, weil ich das den neuen Pächtern nicht gegönnt habe. Aber irgendwie war es immer noch mein Hof. Gedanklich war ich hier.“

Dem Zufall oder Schicksal hat sie jedenfalls zu verdanken, dass „ihr“ Hof nur ein Jahr später erneut zu mieten war. Und da gab ihr Freund ihr den nötigen Schubser, das einzig Richtige zu tun: Den Schuldienst zu verlassen, alle Huftiere einzusammeln, die bei Freunden untergekommen waren, und den Hof Volbringen mit neuem Leben zu füllen - mit Reitunterricht und Ausritten, heilpädagogischem Reiten und Wanderritten, Kindergeburtstagen und speziellen Angeboten mit den „Hotteminis“ für Kleinkinder.

Zwei Monate sind seitdem vergangen - und „keine Minute habe ich diese Entscheidung bereut“, gibt sie zu. Trotz der vielen Arbeit, trotz aller Unsicherheit, die solch ein Betrieb mit sich bringt. Sybille Knecht ist da angekommen, wo sie immer sein wollte - mit all den Vierbeinern, die sie immer an ihrer Seite haben wollte: Die 15 Pferde und Shetland-Ponys, über die sie 15 eigene Geschichten erzählen kann. Und natürlich von Joey, der schwarzen, zehnjährigen Eseldame, und ihrem neuen Begleiter, dem zweijährigen Björn, der seit zwei Monaten nun immer hinter ihr hertrippelt - und fürchterlich anfängt, heiser zu schreien, wenn sie nicht in seiner Nähe ist.

„Iahen“ heißt das tatsächlich, erfahren Nicht-Eselexperten. Aber sind Esel nun wirklich stur, wie man mithin meint? „Nur auf den ersten Blick“, meint Sybille Knecht. Denn die Wahrheit ist: „Wenn man genau hinschaut, erkennt man, was dahintersteckt. Ein Pferd macht eher blind, was ein Reiter verlangt. Ein Esel zeigt mehr Eigeninitiative, denkt sozusagen nach, was er tun soll. Und wenn er keinen Sinn darin sieht, dann tut er es eben nicht.“

Dickköpfig, aber nicht stur

Ergo: Esel sind nicht stur und schon gar nicht dumm, sondern haben einfach nur ihren eigenen Kopf. Und wer auch nur eine Stunde mit ihnen verbracht hat, lernt noch viel mehr: Dass sie irgendwie lustig sind und automatisch für gute Stimmung sorgen. Unbeschreiblich, wie Joey auf eigene Faust - oder besser mit den eigenen Nüstern - das Stalltor aufschiebt, unternehmungslustig auf den Hof trabt, als ob sie überlegt, was sie nun anstellen könnte. Und wie sie dann in einem unbemerkten Moment im Nachbarstall verschwindet und den Futtersack plündert.

Liebenswerte Tiere, keine Frage. Und mit ihren großen Ohren, die sie wie Antennen in alle Richtungen bewegen, besonders goldig anzuschauen. Deshalb wundert sich Sybille Knecht vielleicht auch, wie man fragen kann, was denn an diesen Tieren das Besondere sei. „Gucken Sie sie an!“, sagt sie leichtem Kopfschütteln und vorwurfsvollem Unterton. „Sie sind toll!“

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