Kreuzfahrten

Kreuzfahrtschiffe - die schwimmenden Gourmet-Restaurants

Nach dem Schwimmen ins Restaurant: Auf Kreuzfahrtschiffen kein Problem.

Nach dem Schwimmen ins Restaurant: Auf Kreuzfahrtschiffen kein Problem.

Essen.  Schlemmen im Überfluss: 200 Tonnen Lebensmittel gehen mit an Bord bei Kreuzfahrtschiffen wie der AIDAluna. Auf einer 14-tägigen Kreuzfahrt erwarten die Passagiere viel von den Köchen. Vom organisatorischen Aufwand bekommen sie meist nichts mit. Ein Blick hinter die Kulissen.

Auf einmal ist man von weißen, kalten Schwaden umgeben. Eis vernebelt die Luft, die sich beißend auf die Haut legt. Und die liegt ziemlich frei. In der Karibik rechnet man noch nicht einmal mit 18 Grad, geschweige denn mit 18 Grad unter null. Entsprechend sommerlich ist die Kleidung. Die Sonne knallt wahrscheinlich in St. George’s auf Grenada, doch sie ist weit weg. Irgendwo ein paar Decks über den Proviantträumen der AIDAluna.

200 Tonnen Lebensmittel nimmt die Besatzung für die 14-tägige Kreuzfahrt mit an Bord, die teils in einer Art künstlicher Arktis frisch gehalten werden. Denn „frisch“ ist hier alles, betont Chefkoch Günther Kroack. Nix mit Fertiggerichten oder Pülverchen. Ab und an wird auf der Reise aufgefüllt, denn der Hunger ist groß: Eine Tonne Fleisch, 800 Kilo Fisch oder 600 Kilo Obst landen pro Tag auf den Tellern der Passagiere. Nach 14 Tagen ist dann erst einmal fasten angesagt – aber noch ist es ja nicht soweit.

Grenada – der Duft der Ursprünglichkeit

Der Speiseplan wird zentral in Rostock erstellt – von Günther Kroack. „Das hat allein praktische Gründe“, erklärt er. „Wenn jeder Koch eines Restaurants auf dem Schiff kochen dürfte, was er will, dann wäre die Logistik nicht mehr zu stemmen.“ Und der Speiseplan wird gerne mit landestypischer Küche garniert. „Aber die Gäste essen auch in der Karibik gerne ihr Schnitzel oder ihre Schwarzwälder Torte.“

Apropos landestypische Küche: Es gilt nach dem Besuch im Eisfach einen Temperaturunterschied von knapp 50 Grad zu meistern – die Sonne scheint tatsächlich auf Grenada. Hier blüht eine ganze Insel, es riecht nach Grün. Nach allerlei Pflanzen – der Duft der Ursprünglichkeit. Es geht zu einer Muskatnuss-Fabrik: Die Karibik-Insel gehört – nach den Hurrikanen Ivan und Emily 2004 und 2005 – weltweit wieder zu den größten Exporteuren von Muskatnüssen. Die Frucht hat es sogar auf die Flagge Grenadas geschafft. Es wundert fast ein wenig, scheint die Produktionsstätte doch aus dem vor-vorherigen Jahrhundert. Die Verwendung der Muskatnuss ist vielfältig, gerade auf Grenada: Eis oder Cocktails, eine Prise in den Rumpunsch am Strand – es gibt nichts, was es nicht gibt, was man hier nicht mit diesem Gewürz veredeln könnte. Doch Vorsicht: In zu rauen Mengen wirkt es berauschend – tagelang.

Für einen Rausch hat man in den Großküchen freilich keine Zeit: Rund 120 verschiedene Gerichte stehen in den Buffet- und Spezialitätenrestaurants insgesamt täglich auf der Karte. Hinzu kommen wohl 200 Kuchen. Da fängt der Tag früh an und hört spät auf. „In den Küchen wird eigentlich immer gearbeitet“, stellt Kroack fest.

Dafür wird ab acht Uhr der Proviant rangeholt, es wird gewaschen, gebacken, geschnippelt. Nach einer kleinen Mittagspause wird es am Nachmittag ernst: Ein Team von sechs Köchen – drei Europäer und drei Asiaten, jede Geschmacksrichtung will schließlich professionell bedient werden – zaubern. Und natürlich der Chef. Damit der Gaumen auch immer was zu schmausen hat.

Ungeschöntes Venezuela abseits der Touristenpfade 

Deutlich einfacher – aber auch sehr lecker – wird auf der Isla Margarita gekocht. Ein Besuch bei Esther und ihrer Familie: Die Fahrt dorthin, abseits der Touristenpfade, zeigt das ungeschönte Venezuela: vergitterte Türen, Tore und Fenster, die das bisschen Hab und Gut schützen sollen. Nett: Die Tankstellen haben kein Preisschild, ein jeder darf den Tank selbst größter „Amischlitten“ für einen symbolischen Dollar vollmachen. Hugo Chávez sei Dank, der hier an jeder Ecke von Plakaten grüßt. Aber wie es dem schwer kranken Staatspräsidenten geht, weiß selbst in Südamerika niemand.

Esther hat es sich auf die gelb-blau-rote Fahne geschrieben, die heimische Küche nicht aussterben zu lassen. Gut, das mag etwas übertrieben dargestellt sein, „aber auch in Venezuela essen die Leute immer mehr italienisch, asiatisch oder mexikanisch“, echauffiert sie sich. Es schmecke, na klar. „Aber die venezolanische Küche schmeckt auch sehr gut.“ Der guten alten Tradition nach kocht die ganze Familie. Auch die Kleinsten helfen mit, da finden sich schon Aufgaben. „So ist man mindestens einmal am Tag zusammen“, hält die temperamentvolle Südamerikanerin fest, die mit ihrem Restaurant nicht nur auf der Isla Margarita sondern auch auf dem Festland bekannt ist. Sogar die Zeitungen waren bei ihr. Man beachte den Plural.

Empanadas (gefüllte Teigtaschen), BollosPelones (mit Rind oder Huhn gefüllte Mais-Muffins in einer Tomatensoße), Arepas (Maisfladen) und vieles mehr bis hin zum Rinderbraten werden zubereitet. Jeder kann mitmachen, aber man wird feststellen, dass nicht einfach ist, was bei Esther einfach aussieht. Und zu viele Köche verderben ja eh den Brei – beim Aufessen der ganzen Köstlichkeiten kann man sich ja wieder einschalten.

Michelin-Sterne bei den ABC-Inseln

Aufgegessen wird auch im Rossinni. Das Küchenteam hat Unterstützung bekommen: Koch Martin Herrmann. Seine zwei Michelin-Sterne strahlen eigentlich über dem Schwarzwald, genauer über dem Hotel Dollenberg. Es gilt sechs Gänge zu bewältigen, eigentlich sind es sieben: Alles beginnt mit einem „Gruß aus der Küche“. Es folgen Hummer und Co., Rind, Käse und eine Champagner Creme. Und auf die rieselt am Ende dann eine Spur Muskatnuss.

Zu lecker: Am Ende der 14-tägigen Reise haben die Menschen in den Restaurants auf dem Schiff umgerechnet sechs Kilogramm Fleisch verspeist. Und – nicht oder! – 3,9 Kilogramm Fisch, 8,9 Kilogramm Gemüse und Kartoffeln und 7,3 Kilogramm Früchte. Jeder einzelne. Knapp 100.000 Kugeln Eis sind ausgegeben worden. Jetzt ist es soweit – jetzt ist erst einmal fasten angesagt.

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