Texas

Pferde, Line Dance und Lagerfeuer

Pferde, Line Dance und Lagerfeuer sind in Bandera an der Tagesordnung

Foto: Eric Gay

Pferde, Line Dance und Lagerfeuer sind in Bandera an der Tagesordnung Foto: Eric Gay

Austin.  Tiefstapeleien liegen Texanern nicht im Blut. Bandera etwa hat nur 957 Einwohner. Doch das Dorf nennt sich stolz "Cowboy Capital of the World".

Tiefstapeleien liegen Texanern nicht im Blut. Bandera etwa hat nur 957 Einwohner. Doch das Dorf nennt sich stolz "Cowboy Capital of the World". Die örtlichen Promis bieten zumindest Indizien für die Richtigkeit dieser Behauptung: Hoot Gibson zum Beispiel ritt alleine mit seinem Pferd 2.500 Meilen bis ins kanadische Calgary. Kevin Fitzpatrick kann in 56 Sekunden 79 Mal über sein Lasso springen. Und der Sattler Michael Hancock hat 13 Auftragsarbeiten für den Country-Sänger Kris Kristofferson erledigt.

Cowboys gelten gemeinhin als wortkarg. Doch wenn der Besucher bei "Bunkhouse Leather" die kunstvoll verzierten Western-Sättel bewundert, taut Hancock auf. Mit acht hat er angefangen, sich das Handwerk selbst anzueignen. "Jetzt mag das Ergebnis glamourös aussehen", sagt er, "aber man steigt nicht auf höchstem Niveau ein".

Michael Hancock genießt den beschaulichen Alltag in Bandera. "Jeder kennt hier jeden", sagt er, "und wenn man Hilfe benötigt, genügt meist ein Wort". Auch Touristen wissen den Lebensstil zu schätzen - sie suchen die sanft geschwungenen Hügellandschaften südwestlich von Austin auf, um auf den Ranches Cowboy-Luft zu schnuppern. Am kühlen Vormittag reiten sie durch die überraschend grüne Landschaft, in der üppig blühende Kräuselmyrten für Farbtupfer sorgen. Und wenn sich die Sonne senkt, ist Folklore angesagt: Es geht zum Line Dance, zum Lagerfeuer oder in ein Honky Tonk, wo Männer mit sonnengegerbter Haut Southern Rock spielen.

Hauptberuflich Texaner 

Etwa 30 Meilen nordöstlich von Bandera verzichten die Bewohner auf Superlative. Schließlich hatte Luckenbach bei der letzten offiziellen Zählung im Jahr 2006 nur drei Einwohner. An Charakterköpfen aber mangelt es auch hier nicht. Zwar schien 1971 das Ende besiegelt - das Postamt wurde geschlossen, der Ort verschwand aus dem Postleitzahlenbuch. Doch kurz darauf begannen Musiker, in der örtlichen "Dancehall" ihre Songs aufzunehmen. 1973 machten die Country-Ikonen Willie Nelson und Waylon Jennings den unscheinbaren Flecken mit dem Song "Luckenbach, Texas (Back To The Basics Of Love)" unsterblich.

Seitdem übt der Ort eine besondere Anziehungskraft aus. Neben dem General Store, einem typischen Gemischtwarenladen mit angeschlossener Bar, finden sich Rancher, Biker und Abenteurer ein, die eines teilen: Sie sind hauptberuflich Texaner. Unter alten Eichen sitzen sie in Cowboy-Kluft und spielen Gitarre oder Mundharmonika. Dabei genießen sie jenen Geist, der an der Wand des General Store augenzwinkernd, aber dennoch trefflich beschrieben ist: "Everybody is somebody in Luckenbach".

15 Meilen nordwestlich von hier ist Texas plötzlich anders: Fredericksburg ist zumindest inoffiziell eine Hauptstadt - und zwar die der deutschen Einwanderer. "Auslander Biergarten", "Rathskeller" und "Vereinskirche" zeugen bis heute von jener Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts, als Friedrichsburg gegründet wurde. Heute ist das Städtchen eine Attraktion: An der bunten Main Street reihen sich restaurierte Backsteinbauten aneinander. Die Mikro-Brauerei schenkt "Hauptstraße Helles" aus. Hier ist es sogar gestattet, ein Bier auf dem Bordstein zu trinken - was sonst eher unüblich ist in den USA.

Wo die Winzer wie Cowboys aussehen 

Und: Fredericksburg ist das Zentrum des texanischen Weinbaus. Das zeigt sich an den vielen Probierstuben. In den rundum gelegenen Hügeln gibt es inzwischen rund ein Dutzend Güter. Damit lässt sich heute mehr Geld verdienen als mit der Rinderzucht. Weil die Arbeit hart und das Klima heiß ist, sehen auch die Winzer wie Cowboys aus.

Nur eine knappe Autostunde östlich von Fredericksburg liegt Austin, die Landeshauptstadt von Texas - und die strotzt vor Superlativen: Sie gilt als eine der jüngsten, liberalsten und am schnellsten wachsenden Städte der USA. Eine der Attraktionen sind die Food Carts, mobile Restaurants, die sich in ausgemusterten Schulbussen oder verchromten Wohnwagen eingerichtet haben. Zu Hunderten machen sie den Fast-Food-Ketten Konkurrenz. Auf einem Parkplatz an der hippen South Congress Ave gibt es etwa frittierte Avocado mit Sesam oder Klapperschlangen-Wurst (dapd).

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