Games-Kritik

Verdammte Axt!

"For Honor" zettelt on- und offline einen Kampf der Krieger-Kulturen an.

"For Honor" zettelt on- und offline einen Kampf der Krieger-Kulturen an.

Axt gegen Schwert gegen Katana: Mit "For Honor" befördert Ubisoft das klassische Kampfspiel auf den nächsten Level. Mit mehr Feinden, größeren Schlachtfeldern, mehr Spektakel und einem neuartigen, ausgeklügelten Kampfsystem. Wir verraten, wie gut der Clash der Krieger-Kulturen tatsächlich funktioniert.

Wikinger gegen Ritter gegen Samurai: Mit seinem verschwitzten und blutgetränkten Gerangel "For Honor" inszeniert der französische Hersteller Ubisoft einen epischen Kampf der Krieger-Kulturen, der so zwar nie stattgefunden hat - dafür aber ungemein packend sein kann. Dem ausgefuchsten Kampfsystem sei Dank.

Ubisoft hat ein reizvolles Szenario parat, um sein ungewöhnliches Culture-Crossover zu erklären: Eine Katastrophe von apokalyptischen Dimensionen treibt die Landmassen und damit auch ihre wütenden Schwert-, Axt- und Morgenstern-Schwinger näher zusammen. Das Ergebnis ist ein Jahrhunderte dauernder Krieg um Menschen, Macht und Materialien.

Doch die Geschichte ist allenfalls Mittel zum Zweck. In "For Honor" dreht sich alles um das raffinierte Kampfsystem, das Jason Vandenberghe ("Red Steel") und sein Team ausgetüftelt haben: Während sie von ihren deutlich kleineren Mitkämpfern und Vasallen förmlich "umspült" werden, umkreisen die hünenhaften Spieler-Figuren einander wie hungrige Raubtiere und wechseln ihre Klingen von einer Hand in die andere, während sie auf eine Öffnung in der gegnerischen Deckung lauern. Macht man diese aus, gilt es, im richtigen Moment mit leichten Schlägen, schweren Hieben oder heftigen Rempeleien den Gegner zu attackieren. Grundsätzlich gilt: Einen Schlag blocken und kontern kann nur, wer seine eigene Waffe rechtzeitig korrekt ausrichtet - andernfalls steckt man mächtig ein.

Wie kaum ein anderes Spiel kommt "For Honor" dem Begriff "Schwertkampf-Simulator" nahe. Und obwohl man ohne Taktik und Geduld kaum Land sieht, kommt die Action nicht zu kurz. Besonders online profitieren Gamer von dieser reizvollen Mischung: Im direkten Duell Mann gegen Mann oder Gruppe gegen Gruppe (mit bis zu vier Kriegern auf jeder Seite) machen die Scharmützel am meisten Spaß.

Hier sind es gerade die Unterschiede zwischen den drei Fraktionen und ihren hervorragend ausbalancierten Charakter-Klassen, die immer wieder für Überraschungen sorgen - ebenso wie die Gegebenheiten des Duellortes, die zahlreichen Ausrüstungsgegenstände und Fertigkeiten, die der Spieler mit wachsendem Fortschritt auf seine Champions verteilen darf. Ein neuer Armschutz hier, ein neuer Helm da - und zum Abrunden noch eine nützliche Sofortheilung auf Knopfdruck: Auf diese Weise werden die zwölf nach und nach freigeschalteten Kriegertypen individualisiert, gestärkt und geschützt.

Besonders hervorzuheben ist der sich über mehrere Wochen erstreckende "Fraktionskrieg": In dieser Zeit tragen Triumphe und Niederlagen des eigenen Volkes dazu bei, dass sich die Grenzen auf der Landkarte immer wieder verschieben - so lange, bis endlich eine Partei nach zwei beziehungsweise zehn Wochen (Echtzeit!) den Sieg davonträgt.

Wer dagegen lieber alleine und im Kampf gegen computergesteuerte Kämpen die Klinge kreisen lässt, hat bei "For Honor" vergleichsweise wenig zu lachen: Die Kampagne mit ihren 18 Missionen, bildgewaltigen Zwischensequenzen und der Kriegstreiberin Apollyon als Widersacherin dient vor allem dem Zweck, Fraktionen, Spielmechanismen und die grundlegend unterschiedlichen Heldenklassen vorzustellen.

Dennoch: Für Multiplayer ist "For Honor" trotz weniger Macken beim Matchmaking ein Fest. Hier bietet Ubisoft genau die richtige Mixtur aus bombastischer Action, räudigem Gemetzel, und zwar griffigen, aber auch vielschichtigen Kampfspiel-Mechanismen, die man sich über Wochen hinweg erst einmal einhämmern muss.

Spielname For Honor
Hersteller Ubisoft Montreal
Vertrieb Ubisoft
Genre
Erhältlich ab 14.02.2017
Bewertung Gesamt gut
System PS4
System PC
System Xbox One
Provider teleschau