Olympia 2012

Helena Fromm kann nach Bronze im Taekwondo wieder lachen

Helena Fromm aus Arnsberg feierte am Ende eines nervenaufreibenden Tages die Bronzemedaille bei Olympia 2012 in London.

Foto: dapd

Helena Fromm aus Arnsberg feierte am Ende eines nervenaufreibenden Tages die Bronzemedaille bei Olympia 2012 in London. Foto: dapd

London/Arnsberg.  Nach ihrer Viertelfinal-Niederlage war Taekwondo-Kämpferin Helena Fromm zunächst restlos bedient. Doch der Wettkampfmodus ermöglichte ihr schließlich doch noch die Chance auf eine Medaille - die sich die Sauerländerin aus Arnsberg nicht mehr nehmen ließ.

Sie schreit ihren Frust heraus, sie streckt die Fäuste in die Höhe. Dort auf der grell erleuchteten Matte inmitten der sonst abgedunkelten Halle. Helena Fromm wirft ihren blauen Helm beiseite – an diesem Abend hat die Taekwondo-Kämpferin nicht mehr Gold oder Silber verloren, sondern Bronze gewonnen. Die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in London. Die erste Medaille einer deutschen Dame in ihrer Sportart. Lachen, lachen kann sie auch wieder.

„Wahnsinn“, sagt die 25-Jährige, als sie mit der Deutschland-Fahne über den Schultern die ersten Interviews gibt. „Nach der Enttäuschung im Viertelfinale hier noch eine Medaille zu holen, ist einfach der Wahnsinn.“ Und als ihre Teamkollegin Sümeyye Manz auf sie zustürmt, sie umarmt und abknuddelt, steigen dieser auf der Matte so coolen Kämpferin die Glückstränen in die Augen.

Das charmante Gesicht ist sauer

Helena Fromm ist das „charmante Gesicht des Sauerlandes“ oder "Deutschlands schönste Taekwondo-Kämpferin“. Doch nachmittags ist sie vor allem sauer, sauer auf sich selbst. „Jetzt nicht“, blockt sie in bester Fußballer-Manier ab. Das sonst stets freundliche Lächeln - es will ihr nicht über die Lippen kommen.

Wie auch? In diesem Moment tiefer Enttäuschung. Von einer Gold- oder einer Silbermedaille in der Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm träumte sie vor den Olympischen Spielen von London. Ihr Traum ist geplatzt - das steht nach der 4:8-Niederlage im Viertelfinale gegen die Koreanerin Kyung Seon Hwang fest.

Selbstentworfene Fan-T-Shirts

Während die 25-Jährige aus Arnsberg-Oeventrop schweigt, spricht ihr Vater Uwe. Gut 30 Köpfe umfasst die Fan-Gruppe, die sich extra für Fromms zweite Olympia-Teilnahme – 2008 belegte sie in Peking Rang neun - auf den Weg in die englische Hauptstadt machte. „Ready to fight“ steht auf ihren T-Shirts, auf den T-Shirts, die Helena selbst für ihre Anhänger entwarf.

„Kampfbereit“ – doch so präsentiert sich seine Tochter gegen die Olympiasiegerin von 2008 im Viertelfinale nicht. „Sie hat nicht attackiert, sie war zu verhalten“, erklärt Uwe Fromm. Ein Bekannter ergänzt: „Dieses blöde Korea-Fieber.“

Jubel mit Deutschland-Fahne nach langer Zitterpartie 

Und dieses Auslosungspech für die Sauerländerin, bereits in ihrem zweiten Kampf auf die Titelverteidigerin und mehrfache Weltmeisterin aus dem Mutterland der Sportart zu treffen. Ihrem 13:1-Auftaktsieg gegen die Chinesin Hoang Chu misst die Sportsoldatin daher selbst kaum Bedeutung zu. „Die Kracher kommen noch“, sagt Fromm vorausschauend.

Dass ihre Stimmung nach der Niederlage im Viertelfinale gegen Null tendiert, liegt zudem am Wettkampfmodus. Denn Fromm ist keinesfalls ausgeschieden. Zieht die Koreanerin in das Finale ein, kann sich die Oeventroperin sogar über die Trostrunde zur Bronzemedaille kämpfen. Eine Zitterpartie beginnt – und endet erst gut zwei Stunden später.

Der neue Traum ist ein bronzener

Hwang siegt, Fromms neuer Traum ist ein bronzener. Mit 4:3 entscheidet die Blondine mit dem langen Pferdeschwanz unter dem Helm das Duell gegen die 18-jährige Ruth Gbagbi von der Elfenbeinküste für sich.

Im Kampf um die Medaille gegen die Australierin Carmen Marton gibt sie alles. Sie beißt sich durch, siegt nach dramatischen Minuten 8:2 und bejubelt die gemeinsame Bronzemedaille mit Paige McPherson aus den USA. „Jetzt fällt alles ab“, sagt Fromm mit der Medaille um den Hals, die glänzt wie ihr Lächeln. „Und ärgern, ärgern werde ich mich heute Abend garantiert nicht mehr.“

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