Kirchenfenster

Auferstehung Jesu steht in Ev. Stadtkirche im Mittelpunkt

Das Opfer Isaaks, die Kreuzigung Jesu und dessen Auferstehung bilden das zentrale Triptychon der Fenster in der Evangelischen Stadtkirche.

Foto: Heiko Kempken

Das Opfer Isaaks, die Kreuzigung Jesu und dessen Auferstehung bilden das zentrale Triptychon der Fenster in der Evangelischen Stadtkirche. Foto: Heiko Kempken

Dinslaken.   Zum Bildprogramm der Kirchenfenster in der Ev. Stadtkirche gehört die Auferstehung wie das Leid am Kreuz. Themenzyklus besteht aus 15 Fenstern.

Die Auferstehung Christi ist ein zentrales Thema der Urchristenheit, doch für Martin Luther steht das Kreuz im Mittelpunkt. Und so ist auch dieses auf dem großen Mittelfenster über der Kanzel in den Fokus der Ev. Stadtkirche in Dinslaken gerückt. Ein Fenster, das sowohl die Auferstehung Christi wie die Auferweckung des Lazarus darstellt, befindet sich gleich rechts daneben. Zusammen mit der Darstellung der Opferung Isaaks bilde es eine Einheit innerhalb des Themenzyklus’ der 15 Fenster (13 mit Bildmotiven, zwei mit den Buchstaben Alpha und Omega für Anfang und Ende), erklärt Pfarrer Armin von Eynern.

Die alttestamentarische Geschichte von Abraham, den Gott auf die Probe stellt, indem er die Opferung seines einzigen Sohnes verlangt, thematisiert die Fragen und Zweifel im Glauben, zeigt aber durch den Engel, der Abraham im letzten Moment von seinem Tun abhält, Erlösung.

Der Gekreuzigte lenkt den Blick auf sich

Der Gekreuzigte im mittleren Fenster lenkt schon beim Betreten der Kirche den Blick auf sich. Christus hat die Hände ausgestreckt, das Blut ergießt sich aus seinen Händen und seinen Wunden auf die Menschen zu seinen Füßen. Zwei Dinge fallen auf: Es braucht keine tatsächlichen Kreuzbalken für den Leidenden, Jesus scheint zu schweben. Und es ist nicht das Jerusalem vor annähernd 2000 Jahren, vor dem sich die Menschen um Christus scharen, sondern eine moderne Stadt- und Industriekulisse mit dampfenden Kühltürmen.

„Wer ist Gott für uns?“ – Diese Frage stellen die Fenster, laden zum Meditieren über die Antwort ein. Geschaffen wurden sie 1978 von Werner Persy. Die ursprünglichen Fenster der Stadtkirche waren nach reformatorischer Weise schlicht weiß gehalten, um 1900 jedoch wurden sie von farbigen Motivfenstern ersetzt. Diese wurden im Krieg zerstört, nur ein paar Fragmente konnten erhalten und als Bruchstücke in das Mittelfenster eingesetzt werden. 1976 regte Ronny Schneider die Neuausstattung mit bildhaften Fenstern an, es war ein glücklicher Zufall, dass der Trierer Glaskünstler Werner Persy (*1924) zu der Zeit in der Galerie Jakobs ausstellte.

Jedes seitliche Motivfenster folgt einem Bibelspruch

Jedes der seitlichen Motivfenster folgt einem Bibelspruch. „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Joh. 11,25) ist das Leitwort für das erste Fenster auf der rechten Seite. Es zeigt in der oberen Hälfte die Erweckung des Lazarus, in der unteren den Auferstandenen, erneut vor den Hochhäusern einer modernen Stadt und mit Menschen unserer Zeit. „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“ hieße es im Alten Testament, erklärt von Eynern, Martin Luther kehrte dieses Bibelwort zu „Mitten im Tod sind wir vom Leben umfangen“.

Damit habe er sich keineswegs den Auferstehungstheologen angenähert, deren „Es wird schon alles gut“ Luther ablehnend gegenüber stand, so von Eynern. Aber Gott schenke mitten im Tod Leben. Und dies werde besonders im „vorgezogenen Ostergeschehen“, der Erweckung des Lazarus deutlich. „Denn Lazarus ist ein Mensch. Wie du und ich.“

Osterbotschaft: „Im Tod sind wir vom Leben umfangen“

„Im Tod sind wir vom Leben umfangen“: Dies sei Luthers Osterbotschaft, in diesem Vertrauen habe er im Frieden sterben können, sagt Pfarrer Armin von Eynern in Anlehnung an seine Predigt, die er in der Passionszeit im ökumenischen Gottesdienst in der katholischen St. Vincentius-Kirche hielt. Dies gelte aber auch für das Leben diesseits des Todes bis in die Sterbestunde.

Von Eynern führt Dr. Andreas Kruse, einen führenden Gerontologen Deutschlands mit Lehrstuhl in Heidelberg an: „Bis zuletzt entwickelt das menschliche Hirn neue neuronale Verknüpfungen. Das heißt nichts anderes als: Leben ist Entfaltung. Bis zum letzten Atemzug.“

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