Geschichte

Der Bergmann vor der Himmelstür

Jürgen Hinninghofen und Bärbel Zobel.

Foto: Heiko Kempken

Jürgen Hinninghofen und Bärbel Zobel. Foto: Heiko Kempken

Dinslaken.   Im Ledigenheim wurden Erzählungen der Zechenarbeiter eindrücklich vorgestellt. Das Forum Geschichtskultur lädt zu neuem Wettbewerb ein.

„Der Bergmann vor der Himmelstür“ – die Geschichten der Bergleute, die die Zuschauer am Samstagabend im Ledigenheim hörten, waren sowohl eindrucksvoll als auch bedrückend. Stimmungsvoll interpretierten Jürgen Hinninghofen und Bärbel Zobel (Gitarre, Gesang) die Gedichte, Kurzgeschichten und Lieder rund um die Bergarbeiter.

Und so waren die Menschen im Publikum mucksmäuschenstill als Hinninghofen das Gedicht eines Arbeiters über die quälende Nachtschicht vorgetragen hat: „Der Alltag um uns herum ist laut, er rappelt […] kümmert sich nicht um uns Nachtschichtler“ und „[…] glaubst, einen Ballonkopf zu haben […] auch der stärkste Bohnenkaffee schafft keine Munterkeit“.

Geschichte eines unbekannten Autors

Untermalt wurden die Erzählungen von einfühlsamen Gitarrenklängen. So auch die Geschichte eines unbekannten Autors: „Als Knabe, da musst ich mit unter die Erd‘ […] Und eines Tages, da hat es gekracht, ich hörte ein Wimmern tief unten im Schacht. Mein Vater, mein Vater! Da brachten sie ihn […] Oh welch‘ ein Kummer, ein Bergmann zu sein!“

Auch ein Lied der bekannten Protestsängerin und Friedensaktivistin, Fasia Jansen, wurde von Hinninghofen und Zobel interpretiert. Hier kam der eintönige Alltag der Bergarbeiter besonders gut zum Ausdruck: „Immer derselbe Weg, immer dasselbe Ziel, meine Schritte zur Zeche gelenkt.“

Die Alltagssorgen der Menschen

Da fragt sich der Zuhörer, gibt es denn nur bedrückende Geschichten der Bergarbeiter? Hinninghofen erläutert, dass das meiste tatsächlich sehr ernst sei, weil sich alles um die Arbeit drehe und um die Alltagssorgen der Menschen. Viele Autoren gehörten der „Gruppe 61“ an. Darunter sind unter anderem Willy Bartock, Kurt Küther und Bruno Glochowski.

Hinninghofen erzählt, wie er sich selbstständig auf die Suche nach dieser Bergarbeiterliteratur gemacht habe. Besonders wichtig sei es ihm dabei, zu zeigen, dass die Bergleute Anteil am politischen Leben hatten und im dritten Reich mit Problemen zu kämpfen hatten. So werden zum Beispiel die Arbeitslosigkeit und Entlassungen in den Gedichten und Liedern ausgedrückt.

Unterstützt wurde die Lesung durch das Forum Geschichtskultur. Dieses lädt zum 7. Geschichtswettbewerb unter dem Motto „Hau rein! Bergbau im Ruhrgebiet. Alltag. Wissen. Wandel.“ ein. Jeder, der sich mit der Geschichte des Ruhrgebiets auseinandersetze, könne teilnehmen in Form von Text-, Ton- und Bildformaten.

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