Ausstellung

Florale Fantasien verbinden Europa und Afghanistan

Bei der Vernissage überraschte Nazanin Ghazizade (m.) gestern Eyüp Yildiz und die Organisatorinnen der Ausstellung mit ihrem gestickten Geschenk.

Foto: Heiko Kempken

Bei der Vernissage überraschte Nazanin Ghazizade (m.) gestern Eyüp Yildiz und die Organisatorinnen der Ausstellung mit ihrem gestickten Geschenk. Foto: Heiko Kempken

Dinslaken.   Die Ausstellung „Gardens Around the World“ im Voswinckelshof zeigt gestickte Gemeinschaftswerke. Textilkünstlerinnen kamen zur Eröffnung.

Jedes Stück der Ausstellung ist eine Gemeinschaftsarbeit. Die eine Textilkünstlerin gibt mit den ersten Nadelstichen das Thema vor, die zweite stickt weiter und erfüllt es so mit Farbe und Leben, die erste wiederum vervollständigt die Arbeit zu einem in sich geschlossenen, harmonischen Werk. Das besondere an den Stücken, die seit gestern im Dachgeschoss des Museums Voswinckelshof gezeigt werden, ist allerdings nicht nur ihre florale Fantasie, sondern die Tatsache, dass sich die beteiligten Frauen untereinander nicht kannten, nicht einmal auf demselben Erdteil leben.

Interkulturelles Austauschprojekt

„Gardens Around the World“ ist ein interkulturelles Austauschprojekt, das 2015 von Pascale Goldenberg im Rahmen der Vereinsarbeit der Deutsch-Afghanischen Initiative initiiert wurde. Die Arbeiten deutscher und französischer Patchworkerinnen gemeinsam mit Stickerinnen aus Afghanistan wurden zunächst 2016 in Sainte-Marie-aux-Mines in Frankreich gezeigt und in Kooperation mit Textile-Résonance als Wanderausstellung aufbereitet. Bis zum 12. Mai sind die gestickten Bilder im Voswinckelshof zu sehen, von dort aus geht es nach Paris.

„Wie immer bei Kunst und Musik werden zunächst die Sinne angesprochen“, so Dinslakens stellvertretender Bürgermeister Eyüp Yildiz gestern bei der Vernissage, die Samirah Al-Amrie mit eigenen Liedern und einem arabischen Stück begleitete. „Aber die Freude am Betrachten weckt auch das Interesse an der Geschichte dahinter.“

Kleinere Stickereien gibt es im Museumsshop

Es ist die Geschichte von Frauen in einem kriegsgeschundenen Land, die mit Sticken ihre Familien ernähren – auch Geschichte europäischer Mitverantwortung. „Sticken ist in Afghanistan ein wichtiger Schritt in ein selbstbestimmtes Leben. Wichtig ist deshalb ebenfalls, dass diese Stick-Arbeit auch fair als Kunsthandwerk in Europa gehandelt wird.“

Kleine Stickereien werden während der Ausstellung, für die in Dinslaken Sigrun Kampen von der Kita Villa Kunterbunt, Lucie-Maria Rodemann vom Agenda Büro Dinslaken und Cordula Hamelmann vom Voswinckelshof verantwortlich zeichnen, im Museumsshop angeboten. Schon in der nächsten Woche starten Workshops zum Thema, eine Voranmeldung ist erforderlich.

Eine besondere Überraschung bereitete Nazanin Ghazizade. Die Krankenschwester aus Afghanistan, die derzeit in der Fliehburg lebt, schenkte der Stadt eine wunderbare Perlenstickerei.

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