Gezeichnete Geschichten

Dinslaken.  „Ich geh dann mal los! Bis später…“, sagt die Comicfigur. Sein Freund, nennen wir ihn einfach „Sam“, antwortet: „Okay! Bringst du Brötchen mit?“ So beginnt die Geschichte, die jeder der 13 Teilnehmer im Alter von zehn bis 14 Jahren gestaltet. Im Rahmen des Programms „Kulturrucksack NRW“ hatten sie sich für den Workshop mit Wittek in der Stadtbibliothek angemeldet. Wittek heißt eigentlich Thomas Wittke und ist Comiczeichner und Illustrator. Er schaut den jungen Leuten dabei über die Schulter, gibt Anregungen und Vorschläge aus seiner Erfahrung weiter.

Die Jugendlichen hätten sich erst einmal „warmgezeichnet“, erzählt er und zeigt ein Faltblatt in vier Teilen, bei dem jeder ein Körperteil zeichnen sollte. Heraus kam eine skurrile Fantasiefigur. Weiter ging es dann mit dem eigentlichen Comic. Die einen sind schnell und haben 1000 Ideen im Kopf, die anderen langsamer und bedacht auf jedes noch so kleine Detail.

Emma Luise (11) liest und malt gerne, und Alexa (10) hat schon eine Idee für einen eigenen Comic. Sie zeichnet vor, korrigiert, und ist mit ihrer Konzentration ganz bei der Sache. Für die Jungs in der Gruppe geht die Geschichte meist wild weiter. Bei Arne (10) begleiten Fledermäuse und Hilferufe den armen Sam, der doch nur Brötchen holen möchte, wohingegen er bei Felix (12) in eine Schrumpfmaschine gerät, um dann von einem Horror-Bäcker bedient zu werden. Ob er wohl je mit den Brötchen zurückkommen wird?

Verbindung zu Dinslaken

Es dürfen auch nicht die typischen Sprechblasen oder Ausrufe fehlen, die wir alle kennen und lieben. Darauf achtet Wittek auch. Er ist gebürtiger Dinslakener, lebt in Hamburg und arbeitet dort als Zeichner und Illustrator. Mit Dinslaken verbindet ihn nicht nur seine eigene Lebensgeschichte, sondern auch noch Familie, die hier lebt. „Ich mache immer wieder mal was hier in Dinslaken“, sagt er. Die Figuren in den Comics der Kinder, die gefallen ihm und er spart nicht mit Lob. „Figuren können sich verändern“, erklärt Wittek. „wenn sie aus der Western-, Fantasie-, oder Mangawelt kommen.“

Inzwischen kommt unser „Sam“ in einen Sturm, Blätter kleben an ihm, als er zurückkehrt. Aber nicht genug, bei Ben (11) klaut er die Brötchen, wird festgenommen und landet im Gefängnis.

Er versucht auszubrechen, aber sein Freund muss ihn im Knast besuchen. Etwas besser ergeht es „Sam“ bei Lisa (12). Er erschreckt sich, es wird eine unheimliche Geschichte. Aber anders als bei den anderen Kindern lässt Lisa die Geschichte auf sich zukommen. „Die Bilder sind schon alle in meinem Kopf“, sagt sie. „Aber die Story muss sich entwickeln. Das weiß man vorher nicht“. Bleibt also zu hoffen, dass „Sam“ irgendwann bei seinem Freund heil ankommt, und die Brötchen endlich gegessen werden dürfen...

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