Ausstellung

Luther und seine Gefährten

Archivarin Bärbel Klenner hat für die Luther-Ausstellung in der Möllener Kirche auch alte Akten aus der NS-Zeit gesichtet.

Foto: Heiko Kempken

Archivarin Bärbel Klenner hat für die Luther-Ausstellung in der Möllener Kirche auch alte Akten aus der NS-Zeit gesichtet. Foto: Heiko Kempken

Voerde.   Bärbel Klenner ist Archivarin der Ev. Kirchengemeinde Götterswickerhamm. Sie zeigt ab Sonntag eine interessante Ausstellung über den Reformator.

„Ich könnte ja mal was zu Luther machen“, dachte sich vor zwei Jahren Bärbel Klenner, Archivleiterin der Ev. Kirchengemeinde Götterswickerhamm. Immerhin stand ja das Lutherjahr mit 500 Jahren Reformation an. Doch so nach und nach wurde ihr bewusst, auf was sie sich da eingelassen hatte. Aber Bärbel Klenner liebt Herausforderungen, packte kurzerhand die Koffer und ihren Ehemann ein und reiste mit ihm quer durchs Lutherland – nach Eisenach, zur Wartburg, nach Möhra, Wittenberg und in all seine anderen Wirkungsstätten. „Je mehr ich über Luther erfuhr, desto faszinierter war ich von diesem Mann“, erzählt Klenner.

Im Luther-Museum Eisenach fand sie schließlich auch „ihre“ Luther-Ausstellung, die sie ab 19. März in der Ev. Kirche Möllen zeigt. „Ich bin dort auf die Entstehung der Luther-Bibel gestoßen, auf weitere Schriften und dadurch auch auf seine Weggefährten“, erzählt die Archivarin. Von da an wollte sie wissen, wer denn die Menschen waren, mit denen sich Luther umgab. „Die Vielschichtigkeit Luthers und seiner Gefährten fand ich äußerst interessant.“

Wieder daheim, stürzte sie sich erneut in die Akten im Archiv und stieß auf einen tollen Fund – Akten zum 450. Geburtstag Martin Luthers vom November 1933, der Festfolge zum Luthertag am 19. November, der Broschüre „Luther und wir“ sowie dem Festspielplakat von Heinz Terbrüggen. „In der NS-Zeit war Luther ein angesagter Mann, vor allem seine späteren Ausführungen zu den Juden machten sich die Nazis zu Nutze“, berichtet Bärbel Klenner, ganz fasziniert von ihrem Fund. Dabei, so führt sie weiter aus, habe Luther durchaus hebräische Freunde gehabt. Wie es mit den Türken stand, die im Mittelalter ebenfalls deutsche Gegenden besiedelten, das hat Bärbel Klenner noch nicht herausgefunden. „Das muss ich noch nachforschen.“ Und wer die rührige Archivarin kennt, weiß, dass sie Wort hält.

Umfangreiche und lockere Ausstellung

Schon jetzt wird ihre Ausstellung umfangreicher als gedacht. Nun, sie ist der Vergangenheit Voerdes ja auch verpflichtet. Ein Blick über all die Schätze des Archives zeigt deutlich, es gab mehr Lutheraner auf Voerder Gebiet als Reformierte. Immerhin liegen 165 Archivkartons der Lutheraner im Regal und nur 40 Kartons zeugen von Reformierten. Und der Name verpflichtet, darum wird sich auch alles in ihrer Ausstellung um Luther und seine Weggefährten drehen.

Ausgestellt wird neben den alten Akten von 1933 auch ein Brief Martin Luthers an den Kurfürsten Johann vom 16. Juni 1527, das Fotobuch ihrer „Luther-Reise“ darf natürlich auch nicht fehlen. Die Gefährten Luthers wie Justus Jonas, Philipp Melanchthon, sein Sekretär Georg Rörer und viele andere werden beschrieben, Plakate gibt es zu sehen, Mappen sind vorbereitet, ein Blatt zum Festgottesdienst in der Kirche Götterswickerhamm für den 400. Geburtstag Luthers von 1883 wird ebenfalls zu sehen sein. „Wir versuchen, die Ausstellung so locker und leicht wie möglich zu halten, damit auch junge Leute Gefallen daran finden können“, erklärt Bärbel Klenner.

Zu allen Plakaten und Bildern gibt es kurze Texte – wer sich ausführlicher informieren möchte, kann dies bequem mit weiterführendem Material. Ach ja, und eine Linsensuppe à la Martin Luther wird es auch noch geben.

Die Luther-Ausstellung am 19. März in der Ev. Kirche Möllen, Auf dem Bünder 17, beginnt um 10 Uhr mit einem Eröffnungsgottesdienst. Sie dauert bis zum 6. Juni und ist dienstags sowie an Sonn- und Feiertagen von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Gruppenführungen auf Anfrage unter der Rufnummer: 02855/9619901.

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