Pflege Daheim

Nachbarschaftshilfe berät pflegende Angehörige in Hünxe

Martina Renz (2.v. l.) berät Marianne Harder (l.) und Else Vier, die ihre Männer jeweils zu Hause pflegen, vor Ort zu zusätzlichen Leistungen in der häuslichen Pflege. Auch Arthur Harder (re.) ist dabei.

Foto: Lars Fröhlich

Martina Renz (2.v. l.) berät Marianne Harder (l.) und Else Vier, die ihre Männer jeweils zu Hause pflegen, vor Ort zu zusätzlichen Leistungen in der häuslichen Pflege. Auch Arthur Harder (re.) ist dabei. Foto: Lars Fröhlich

Hünxe.   Martina Renz besucht Familien und steht bei Fragen zur Seite. Ein Gespräch mit Marianne Harder und Else Vier, die ihre Männer zu Hause pflegen.

In den vergangenen Jahren wurde der Anspruch auf Pflegeberatung durch den Gesetzgeber weiter ausgebaut. Mit den Pflegestärkungsgesetzen I (seit Januar 2015) und II (seit Januar 2017) soll erreicht werden, dass die Pflegeversicherung noch besser auf die Bedürfnisse und Wünsche der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen ausgerichtet ist.

An diesem Morgen haben Marianne (82) und Arthur Harder (93) aus Hünxe in ihrer Parterre-Mietwohnung am Scholtenhof zusammen mit Nachbarin Else Vier (77) einen Termin mit Martina Renz von der Nachbarschaftsberatung der Gemeinde.

Angebot: Sprechstunden im Rathaus und Hausbesuche

Die gelernte Fachkrankenschwester für Psychiatrie bietet neben ihren Sprechstunden im Rathaus auch Hausbesuche an und berät die Menschen in Sachen Pflege.

Die Harders – Arthur ist seit längerem pflegebedürftig – und Else Vier, die ihren Mann Georg (86) pflegt, haben Fragen zu zusätzlichen Leistungen in der häuslichen Pflege, denn grundsätzlich gilt die „Pflegesachleistung“: Wird ein Pflegebedürftiger zu Hause von Pflegekräften eines zugelassenen Pflegedienstes gepflegt, übernimmt die Pflegekasse die Kosten für die Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung. Die monatlichen Pflegesätze orientieren sich dabei an den neuen Pflegegraden von 1 bis 5.

„Entlastungsbetrag“ ist keine große Entlastung

Martina Renz nennt den „Entlastungsbetrag“ von 125 Euro, den Pflegebedürftige in häuslicher Umgebung monatlich in Anspruch nehmen können. „Das ist keine riesengroße Entlastung, bei drei bis vier Stunden Putzen wird das schon knapp“, meint Marianne Harder, „da schafft man kaum alle Fenster. Putzen ist teuer geworden.“

Auch zur „Verhinderungspflege“ gibt es Fragen der Seniorinnen: „Wann kann man das Geld nutzen?“ – Wenn die Pflegeperson Urlaub mache, krank sei oder aus anderen Gründen die Pflege für kurze Zeit nicht weiterführen könne, trage die Pflegekasse die nachgewiesenen Kosten für eine notwendige Ersatzpflegekraft, weiß die Pflegeberaterin. Dies gelte für längstens sechs Wochen, unabhängig vom Pflegegrad. Renz: „Bis zu 1612 Euro im Jahr stehen Ihnen zu.“ Die Preisgestaltung von Pflegediensten sei hier sehr unterschiedlich.

Vertrauensverhältnis ist schwer aufzubauen

Für Betreuungs- und Entlastungsleistungen haben die Harders und Viers schon verschiedene Pflegedienste in Anspruch genommen – zu unterschiedlichen Konditionen. „Wir wollen keine Schwarzarbeit fördern, aber das Pflegegeld reicht kaum aus“, erklären sie.

Marianne Harder lobt dabei ausdrücklich „alle Dienste, die hier waren“. Leider müsse man sich immer wieder an neue Gesichter gewöhnen, „man kann kein Vertrauensverhältnis aufbauen“. Das sei mit „Frau Renz ganz anders“.

Betroffene kritisieren „ungeheure Bürokratie“

Die so Gelobte weist auch auf die Möglichkeit einer „Kombinationsleistung“ aus einer privaten Pflegeperson (Angehöriger) und einer Pflegefachkraft eines ambulanten Pflegedienstes hin. Hier übernehme die Kasse für die Dauer von sechs Monaten 40 Prozent für Sachleistungen und 60 Prozent für Pflegeleistungen.

In diesem Zusammenhang kritisieren die Hünxer die „ungeheure Bürokratie“ bei bis zu vierseitigen Antragsformularen und oft auch „die fehlende Kompetenz bei Ansprechpartnern am Telefon“.

Nachbarschaftsberaterin will wiederkommen

„Ich werde Ihre Krankenkassen kontaktieren und schaue, was ich erreiche“, verspricht die Nachbarschaftsberaterin der Runde. „Wir treffen uns in zwei Wochen an gleicher Stelle wieder.“

Auch Arthur Harder, der seinen Notrufknopf immer am Körper trägt und selbst noch Rollator und Elektromobil benutzt, freut sich über die Pflegetipps und schmunzelt: „Frau Renz, für meinen 100. Geburtstag haben wir schon das Zelt für draußen bestellt.“

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