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Kirche verbietet BVB-Grabstein für verstorbenen Jens Pascal

Trainer Jürgen Klopp traf Jens im Dezember 2011 bei einem Besuch der BVB-Mannschaft in der Kinderklinik.

Foto: dapd

Trainer Jürgen Klopp traf Jens im Dezember 2011 bei einem Besuch der BVB-Mannschaft in der Kinderklinik. Foto: dapd

Dortmund.   Die Eltern eines verstorbenen Neunjährigen dürfen für ihr Kind keinen Grabstein mit BVB-Logo aufstellen. Dies war der Wunsch des Jungen, der im Mai an einem Hirntumor gestorben ist. Die Kirche fand die Gestaltung des Grabsteins jedoch "unchristlich".

Das tragische Schicksal des kleinen Jens Pascal aus Dortmund, der mit neun Jahren im Mai an einem Hirntumor gestorben ist, bewegt zigtausende Menschen in ganz Deutschland. Denn: Die Dortmunder Kirchengemeinde, in der Jens Pascal lebte und wo er beerdigt wurde, verweigert den Eltern, ihrem Sohn den letzten Wunsch zu erfüllen: einen Grabstein mit BVB-Logo darauf.

„Mami, wenn ich gestorben bin, dann will ich einen Grabstein mit BVB-Logo haben“ – diese Worte flüsterte Jens Pascal seinen Eltern Andreas und Nicole ins Ohr. Die Worte rührten sie zu Tränen, aber sie versprachen ihrem todkranken Kind, diesen Wunsch zu erfüllen. Denn sie wussten, wie ihr kleiner Junge für den BVB glühte, wie er ein riesiger Fan der Fußballer um Trainer Jürgen Klopp war. Dass aber ausgerechnet die Dortmunder Bodelschwingh-Kirchengemeinde für ein unwürdiges Drama nach dem Tod ihres Kindes sorgen könnten, hätten sich die Eltern damals niemals vorgestellt.

Diagnose: Hirntumor

„Jens Pascal war immer so ein fröhliches Kind“, schildert eine Bekannte der Familie. Bis zu jenem Tag im Oktober. „Ich hatte ihn vom Fußball abgeholt“, erzählt sein Vater Andreas Flamme (44). „Plötzlich hatte er so einen Linksdrall, kam immer vom Weg ab.“ Am nächsten Tag fuhr er mit Jens Pascal zum Kinderarzt, dann ins Krankenhaus, und dort gab es die niederschmetternde Diagnose: Ein bösartiger Hirntumor. „Bei mir ist alles zusammengebrochen“, schildert sein Vater.

Mit Chemotherapie und Bestrahlungen versuchten die Ärzte in der Dortmunder Kinderklinik, den Tumor zu bekämpfen. Zwischenzeitlich ging es mit dem kleinen Patienten wieder bergauf. Dazu hatte auch zu Weihnachten der Besuch der BVB-Mannschaft auf der Kinderstation beigetragen. Jürgen Klopp und seine Fußballer ließen sich mit Jens Pascal fotografieren – „das hat ihn unheimlich stolz gemacht“, erinnert sich sein Vater. „Und als Roman Weidenfeller ihm versprach, bei der Beschaffung weiterer Autogramme für sein Trikot zu helfen, war er unheimlich glücklich.“

Doch dann, an den Osterfeiertagen, wurde es wieder schlimmer . „Man konnte sehen, wie es ihm von Tag zu Tag schlechter ging“, sagt sein Vater. Erst konnte Jens Pascal nicht mehr laufen. Dann fiel ihm das Sprechen schwer, dann konnte er kaum noch atmen. Am 15. Mai, zwei Wochen vor seinem zehnten Geburtstag, verlor Jens Pascal seinen Kampf gegen den Krebstod.

Vermittlungstreffen zwischen Eltern und Kirche 

Wohl jeder wird die tiefe Trauer von Eltern, die ihr kleines Kind verlieren, nachvollziehen können. Und jeder wird versuchen, zu trösten und zu helfen. Doch als einige Zeit nach Jens Pascals Tod sein Vater den Pfarrer der Gemeinde, Karl Kudla, auf den Wunsch seines Sohnes ansprach, fand er kein Gehör. „Wir hatten eine schwarze Säule mit einem Ball darauf, dem BVB-Logo und dem Schriftzug ,Echte Liebe’ ausgesucht – das war das, was sich unser Sohn gewünscht hatte“, sagt Andreas Flamme. Doch der katholische Pfarrer habe das abgelehnt – „es sei unchristlich, sagte er mir.“ Einem Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung störte der Schriftzug „Echte Liebe“. Es fehlte ein christliches Symbol wie „Kreuz, betende Hände oder Marienfigur“.

Die verantwortlichen Pfarrer und Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung waren am Montagabend allesamt untergetaucht – niemand war für eine Stellungnahme zu erreichen. Inzwischen ist aber auf Vermittlung der Westfälischen Rundschau ein Treffen zwischen Eltern und Kirchengemeinde anberaumt.

Die Eltern sind verbittert – aber hoffen immer noch, eine Lösung für das kleine Kindergrab zu finden, auf dem bisher nur ein Holzschild an den kleinen Jens Pascal erinnert. „Dass wir unserem Sohn seinen letzten Wunsch nicht erfüllen können“, sagt sein Vater, „das macht uns unendlich traurig.“

Tausende in der Facebook-Gruppe

In der Facebook-Gruppe „Jens Pascal“ waren Montagabend fast 90.000 Mitglieder, die sich dort innerhalb weniger Stunden angemeldet hatten. Sie schlossen sich dem Protest gegen die Entscheidung an. Viele äußerten großes Unverständnis und riefen zu Demonstrationen und Unterschriftenaktionen auf.

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