Gentrifizierung

Verlierer treffen auf Gewinner

Alt und neu, arm und reich beieinander. Am See entstanden Villen. Die Gebäude dahinter wirken wie vor 30 Jahren.

Foto: WAZ Fotopool

Alt und neu, arm und reich beieinander. Am See entstanden Villen. Die Gebäude dahinter wirken wie vor 30 Jahren. Foto: WAZ Fotopool

Hörde.   Wie wirkt sich der Quartiersumbruch am Phoenix-See auf sozial Schwächere aus? Eine Podiumsdiskussion suchte Antworten.

„Die Diskussion kommt vier Jahre zu spät. Am Phoenix-See wollte nur der Kapitalismus Rendite machen“, meinte ein frustrierter Besucher der Veranstaltung „Schattenseiten einer Stadtteilaufwertung - Gentrifizierung am Phoenix-See“. Sie fand nicht im Löwenhof, dem Sitz der VHS in der City statt, sondern „in der Höhle des Löwen“, wie schmunzelnd VHS-Direktor Heinz Bünger als Gesprächsleiter im voll besetzten Hörder Stiftsforum meinte.

Prominent besetzte Runde

Die Runde war mit Prof. Dr. Dr. Martina Oldengott (Emschergenossenschaft), Prof. Dr. Christoph Zöpel (u.a. ehemaliger NRW-Minister für Stadtentwicklung), Prof. Dr. Susanne Frank (TU Dortmund), Johann Dieckmann (ehemaliger Stadtbaurat in Hagen), Rainer Stücker (Geschäftsführer Mieterverein), Prof. Wolfgang Richter (ehemaliges Dortmunder Ratsmitglied) und Ulrich Spangenberg (Leiter Bezirksverwaltung Hörde) prominent besetzt. Anlass waren die fotografischen Impulse, die der Fotograf und Stadtplaner Jürgen Evert dazu gegeben hat. Der Lüner hat die Entwicklung des Phoenix-Sees in Bildern festgehalten und sich bei seinen Rundgängen zwischen Schürufer-, Weingarten-, Hermann- und Fassstraße gefragt: Wo sind diejenigen geblieben, deren Namen einst auf den Klingelschildern standen?

Harsche Kritik am Phoenix-See und seinem Umfeld gab es in der Diskussion indes nicht. Ein Besucher wollte wissen, wie viele Bewohner im Umfeld des Sees verdrängt worden sein sollen erkundigte sich, ob es Studien darüber gebe. Johann Dieckmann sieht künftig „neue Menschen mit anderen sozialen Schichten“ nach Hörde kommen und riet dazu, „diese Chance zu nutzen“. Für Christoph Zöpel bietet das Ruhrgebiet nach Wegfall der Montanindustrie „viel Platz zum schönen Wohnen“.

Bei der künftigen Stadtplanung, so empfahl Rainer Stücker, solle der soziale Schutz für Mieter berücksichtigt werden. In Hörde habe es schon eine „kalte Verdrängung der Mieter“ gegeben, aber in einem sehr langsamen Tempo. Jürgen Evert sieht den See positiv und Hörde als einen „ausgesprochen attraktiven Stadtteil“, rechnet aber nach und nach mit einer weiteren Verdrängung der Mieter. Für Susanne Frank sind durch das Projekt Gewinner und Verlierer des Strukturwandels aufeinander getroffen - mit einem „direkten Nebeneinander von Privilegierten und Armen“.

„Städte wurden zerstört“

„Der Wegfall der großflächige Montanindustrie hat die Städte im Ruhrgebiet zerstört“, davon ist Christoph Zöpel überzeugt. Ulrich Spangenberg findet, es müssten Mittel und Wege gesucht werden, damit sozial Schwache nicht abwandern. Denn eine „Durchmischung in Hörde“ könne auf Sicht zu einem „positiven Miteinander“ im Stadtteil führen.

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