Musikfestival

Besucherrekord für Open Source Musik-Festival in Düsseldorf

6500 Besucher und Sonne pur – das Open Source war in diesem jahr ein voller Erfolg.

Foto: Ingo Lammert

6500 Besucher und Sonne pur – das Open Source war in diesem jahr ein voller Erfolg. Foto: Ingo Lammert

Düsseldorf.   6500 Besucher kamen zum schönen Open Source Festival auf der Galopprennbahn. Das Musikevent profitierte von tollem Wetter und vielseitigen Bands.

Vielleicht merkte Philipp Maiburg schon zwei Stunden nach Öffnen der Tageskassen, dass Großes auf ihn und seinem Team zukommt. Der Veranstalter des Open Source Festival (OSF) schaute in den Himmel, breitete die Hände aus, wie jemand, der gleich ein Gebet spricht und sagte dann: „Toll, oder?“ Maiburg meinte das perfekte Sommerwetter. Das und vieles andere trug dazu bei, dass das Musik- und Kunstfest auf der Galopprennbahn das bisher schönste seiner Art war. Das Open Source (zu deutsch: offene Quelle) wird von Jahr zu Jahr besser. Am Samstag kamen 6500 Besucher – Rekord.

Musik: Auch wenn das OSF dankenswerterweise Nischenmusik besetzt, gehört zu einem Live-Auftritt (und beim Open Air sowieso) wenigstens ein Hauch von Rock-Attitüde. Das haben die beiden Mädels von Schnipo Schranke mit Pennäler-Lyrik und 80er Jahre-Orgelgejolle nicht verstanden. Get Well Soon aus Mannheim auch nicht, die sich selbst viel zu wichtig fanden, um ernst genommen zu werden. Das waren aber auch die einzigen Durchhänger auf den insgesamt drei Bühnen. Toll die liebenswerten Asi-Knirpse der „Balkonien-Gang“ aus Flingern („In der Hood rennen die Perlen bauchfrei herum“) mit fettem Hiphop auf der Young-Talent-Stage oder auf der größeren Carhartt-Bühne „Oddisee & Good Company“ unter der Regie von Amir Mohamed: geniales Crossover aus technisch großem Rap und modernem Jazz. Unten auf der Hauptbühne auf der Rennbahn schossen die Österreicher von „Bilderbuch“ den Vogel ab. Großes Rock- und Poptheater aus Wien: Die Aura von Sänger und Gitarrist Maurice Ernst – mit falcoesken Angeber-Bewegungen – reichte am Abend vom Grafenberg runter bis Gerresheim, viele Songs (Plansch/Spliff) der coolen Ösis haben schon jetzt Kultstatus. Und an den lokalen Punkhelden von Oiro („Wir fahren mit dem Mofa nach Italien“) kommt eh niemand vorbei. Auch nicht die anderen Düsseldorfer, Stabil Elite, mit Pop zum Cappuccino trinken.

Menschen: Das Line-Up ist beim OSF zweitrangig, heißt es. Das Drumherum, die Kulisse, die Menschen, machen das Festival zu dem, was es ist. Es trifft sich die Düsseldorfer Bohème, die Off-Szene, und der Holger trifft die Nicole auch nach langer Zeit mal wieder. Gewolltes Understatement heißt manchmal die Moderichtung: Zur High Waist Boy Friend Jeans trägt Frau Ich-bin-nicht-schön-aber-intellektuell-Brille und Birkenstock an perfekt lackierten Fußnägeln. Schön, dass auch viele Anzugträger aus Rat und Verwaltung mal mit den Klamotten rumrennen dürfen, auf die sie Lust haben. Unter den „Promis“ waren Diakoniepfarrer Thorsten Nolting, Ratsherr Philipp Tacer oder Mischa Kuball.

Speis und Trank: Vegan? Ja, bitte. Fleisch? Ja, bitte auch. Das Angebot an Speisen und Getränken war groß. Lange Schlange bei allem, was gerade hip ist. Ob fleischlose Burger oder gefrorener Joghurt mit dies und jenem getoppt. Was an der Lorettostraße in Unterbilk zieht, zieht beim Open Source erst recht. Am günstigsten gab es Pommes – übrigens sind die, psst: nicht verraten, auch vegan. 3,50 Euro für 0,3 Liter Bier und 3 Euro für einen halben Liter Wasser waren okay. Aber wo waren eigentlich die Düsseldorfer Brauererein? Und warum hat dem netten Jungen, der am späten Abend 40 Einwegbecher abgeben und dafür Pfand haben wollte, nicht gesagt, dass die Mehrwegbecher irgendwann nicht mehr zum Einsatz kamen?

Rahmenprogramm: Bemerkenswert ist die Zusammenarbeit mit weiteren Festival-Veranstaltern. Unter anderem präsentierte das New Fall Festival sein kommendes Programm und auch das Forum Freies Theater (FFT) lockte mit seinem Infostand Neugierige an. Das FFT lud zum digitalen Monstermeucheln ein. Wer es bis zum dritten Level schaffte, erhielt einen Vodka-Shot – sofern die Spieler im angemessenen Alter waren.

Busse: Die meisten der Besucher sind mit Shuttle-Bussen, die zum Staufenplatz fuhren, wieder abgereist. Die meisten von ihnen stehend – aber immer gut gelaunt und total entspannt. Viel Platz im Bus hatten wohl nur die Musiker, die mit einem großen, schwarzen Tourbus angereist kamen. Der stand etwas verschämt in der dunkelsten Ecke auf dem Parkplatz. Das Kennzeichen aus Österreich lässt nur vermuten, dass es sich hier um das Gefährt der Band „Bilderbuch“ handelte.

Drei-Generationen-Fest: Muss man kleine Kinder mit zum Open-Air nehmen? Darüber kann man sich streiten. Beim OSF werden jedenfalls immer mehr Kinder gesichtet. Im Zweifel sogar mit Oppa und Omma im Schlepptau. Beim Oiro-Auftritt tanzte der Nachwuchs sogar mit auf der Bühne. Oder saß schmollend in der Ecke, weil Papa wieder viel zu laut ins Mikro brüllte. Das ist Punkrock. Kind!

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