Kirchenkritik

Über Gott und die Welt

Auch der Düsseldorfer Karnevalswagen-Bauer Jacques Tilly

Foto: WAZ

Auch der Düsseldorfer Karnevalswagen-Bauer Jacques Tilly Foto: WAZ

Düsseldorf.  Wie fromm ist eigentlich das Rathaus? Dieser Frage geht Wolfgang Klosterhalfen nach und zieht vor den Beschwerdeausschuss, weil es seiner Ansicht nach zu wenig religionskritische Bücher in den Düsseldorfer Stadtbibliotheken gibt.

„In Düsseldorf gehörten 2010 schon 48 Prozent der Menschen keiner der zwei großen Kirchen mehr an, Tendenz steigend“, sagt Klosterhalfen. Der medizinische Psychologe wünscht sich daher, dass sich die Literatur in den Büchereien entsprechend wandelt. Der 68-Jährige reichte eine Liste mit zwölf religionskritischen Werken bei der Stadtbücherei-Chefetage ein, mit der Bitte, diese in den Bestand aufzunehmen.

Darunter sind „Heilige Scheiße“ von Stefan Bonner und Anne Weiß, „Wer zur Hölle will schon in den Himmel?“ von Edgar Dahl sowie „Anleitung zum Seligsein“ von Michael Schmidt-Salomon und Jacques Tilly. „Dieses Buch wurde weder für ein Fachpublikum noch für wissenschaftliche Bibliotheken geschrieben. Vor allem für Lokalpatrioten ist es interessant wegen der Illustrationen von Wagenbauer Jacques Tilly“, so Klosterhalfen, der Mitglied im kirchenkritischen „Düsseldorfer Aufklärungsdienst“ ist. Dieser fragt: Verhindert klerikaler Einfluss und Klüngel im Stadtrat, dass für die größer werdende Gruppe der Religionslosen Politik gemacht wird?

Teilweise gefolgt

Denn zunächst bekam Klosterhalfen eine Abfuhr, die Bücher seien „zu speziell“. Doch jetzt heißt es in einer Mitteilung von Bibliotheken-Boss Norbert Kamp: „Das vom Antragsteller vorgeschlagene Buch ,Gott hat hohe Nebenkosten’ von Eva Müller ist bereits im Bestand der Stadtbibliotheken vorhanden.“ Drei weitere Werke, die Klosterhalfen vorgeschlagen hat, sollen angeschafft werden. Damit wäre man der Anregung zumindest teilweise gefolgt.

Kamp stellte klar: Im Bestand der Stadtbüchereien befinden sich sowohl Bücher für Christen, Juden, Muslime, Buddhisten und andere religiöse Menschen wie auch für Aufklärer und Religionskritiker. Wie in allen anderen Bereichen könnten aufgrund der beschränkten Ressourcen nicht alle publizierten Werke in den Bestand aufgenommen werden. „Die Stadtbibliotheken können aber selbstverständlich jedes vom Kunden angefragte Buch binnen weniger Tage per Fernleihe besorgen“, erläuterte Kamp.

Seinen Standpunkt will Wolfgang Klosterhalfen am Mittwoch noch einmal vor dem Beschwerdeausschuss darlegen. Dieser tagt in öffentlicher Sitzung um 15 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses am Marktplatz 1.

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