Rechtsstreit

Essener Anwalt führt Bonusmeilen-Prozess gegen Lufthansa

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Essen.  Der Essener Anwalt Christian Stratmann führt den Prozess um abgewertete Lufthansa-Bonusmeilen. Sein Klient, der Hamburger Tobias Eggendorfer, beklagt, dass seine erflogenen Bonusmeilen spürbar an Wert verloren haben. Gewinnt er den Prozess am 2. März, könnten Millionen profitieren.

Der Name täuscht: „Für die Witze in meiner Familie bin ich nicht zuständig“, sagt Christian Stratmann augenzwinkernd, das besorgen schon seine beiden Onkel: Ludger Stratmann, der kabarettreife Arzt, und Christian Stratmann, der Prinzipal aus dem Mondpalast von Wanne-Eickel.

Neffe Christian hat sich dagegen der etwas drögeren juristischen Materie verschrieben: Mietrecht, Strafrecht, allgemeines Vertragsrecht – nicht gerade Schenkelklopfer-Themen, zugegeben, und wenn’s sein muss, „klag’ ich auch 500 Euro in einer Verkehrsunfall-Sache ein“, sagt der 36-Jährige.

David gegen Goliath

Ein Fall unter vielen aber ist dabei, der macht Stratmann dieser Tage großen Spaß, weil er den Kampf ums Recht(haben) auf eine grundsätzliche Ebene hievt: Es geht um den Ärger eines Einzelnen mit einer mächtigen Luftfahrt-Linie, es geht um den Einsatz einer dreiköpfigen Rüttenscheider Kanzlei gegen ein Bataillon von Juristen, es geht darum, dass theoretisch sechs Millionen Kunden von diesem Urteil profitieren könnten, es geht, kurzum, um David gegen Goliath.

Und manches spricht dafür, dass die Sache so ausgeht wie im Alten Testament.

Aber der Reihe nach: Stratmann vertritt einen persönlichen Bekannten, den Hamburger IT-Experten Tobias Eggendorfer, in einer Klage gegen die Lufthansa, weil der Vielflieger eines schönen Tages verärgert registrierte: Seine mit der Kranich-Linie erflogenen Bonusmeilen im „Miles & More“-Programm der Lufthansa hatten spürbar an Wert verloren. Grund: Die Meilen-Schwellen für die Flugprämien wurden so deutlich angehoben, dass Eggendorfers üppig gefülltes Meilenkonto plötzlich um rund 30 bis 40 Prozent weniger wert war.

Kampf um die alten Meilen

Er habe, beklagt der Hamburger, nur per Zufall auf der Internetseite davon erfahren und im „Vorwarn“-Zeitraum von vier Wochen gar keine Gelegenheit mehr gehabt, seine 900.000 (!) Bonusmeilen abzufliegen.

Eggendorfer suchte zunächst nicht den Streit, sondern den Kontakt, schrieb an die Lufthansa-Chefetage und bekam, wie sein Anwalt Stratmann sagt, einen netten Brief zurück. Was man so einen feuchten Händedruck nennt. Ein zweiter Brief brachte auch nicht mehr Erfolg, aber mehr noch als darüber, abgeblitzt zu sein, ärgerte sich Eggendorfer wohl über den Anflug von Arroganz, der in dem Vergleichsvorschlag der Lufthansa lag: 45.000 Bonusmeilen, das reicht für eine Krups Nespresso Pixie-Kaffeemaschine, aber schon für den Samsonite B-LITE-Rollkoffer aus dem Prämien-Programm müsste man noch 3000 Meilen zulegen.

Nicht mit Eggendorfer: Er will seine alten Bonusmeilen zurück, oder besser: den alten Wert derselben, weil man ja – so sieht das sein Rechtsanwalt, nicht durch eine bloße Korrektur der Allgemeinen Geschäftsbedingungen einen 100-Euro-Gutschein auf 70 Euro Einkaufswert zurückstutzen kann.

Meilensammler sammeln

Ob Stratmann bei den Kölner Richtern mit dieser Sichtweise Erfolg hat, wird sich am 2. März zeigen, der Appell, sich gütlich zu einigen, verhallte bislang noch im Off. Die Lufthansa mag bis zum Abschluss des Verfahrens keine Zwischenstände preisgeben.

Sollte Christian Stratmann Recht haben mit seinem Gefühl, den Prozess gewinnen zu können, dann droht der Lufthansa angesichts von rund sechs Millionen Meilensammlern eine Flut von Klagen gegen deren Abwertung. Die ersten Anwälte, die sich im Erfolgsfall an die Klage anhängen könnten, saßen am Freitag schon neugierig im Gerichtssaal, und täglich bekommt Anwalt Stratmann Anfragen, ob er seine Klageschrift rausrücken würde.

Nein, er ärgert sich nicht darüber, „so ist das Geschäft“, und er sammelt ja jetzt auch: nicht Meilen, sondern Meilensammler, auch wenn die Sache noch lange in der Schwebe sein könnte, wenn die Lufthansa das Verfahren bis vor den Bundesgerichtshof treibt. Stratmann soll’s Recht sein: „Unsere Forderung ist nicht unbedingt niedriger geworden.“ Das hätte Goliath billiger haben können, wenn auch nicht zum Schleuderpreis.

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