Verfolgungsfahrt

Essener Polizei stoppt eine Zeitbombe auf vier Rädern

Der Fahrer des schwarzen Micra missachtete alle Anhaltesignale der Polizei, bevor er auf der Frintroper Straße mit dem Ford eines 77-Jährigen kollidierte. Der 25-Jährige erlitt schwere Verletzungen, der Rentner leichte Blessuren. Foto: KDF

Der Fahrer des schwarzen Micra missachtete alle Anhaltesignale der Polizei, bevor er auf der Frintroper Straße mit dem Ford eines 77-Jährigen kollidierte. Der 25-Jährige erlitt schwere Verletzungen, der Rentner leichte Blessuren. Foto: KDF

Essen.   Trotz Unfalls mit unbeteiligtem Auto eines 77-Jährigen in Frintrop – ein Abbruch der Verfolgungsfahrt hätte Gefahr nicht gebannt, so die Polizei.

Das jähe Ende einer Flucht vor der Polizei mit zwei Verletzten am Sonntag in Frintrop wirft eine zentrale Frage auf: Hätten die Beamten den Einsatz wie bei über 80 Prozent aller Verfolgungsfahrten abbrechen sollen, um den Zusammenstoß des Kleinwagens eines flüchtenden 25-Jährigen mit dem Ford eines 77 Jahre alten Autofahrers auf der Frintroper Straße zu vermeiden? In diesem Einzelfall nicht, ist die Behörde am Tag nach dem Crash überzeugt. „Das hätte die Gefahr nicht gebannt“, sagt Polizeisprecher Ulrich Faßbender.

Hätte man die Verfolgung beendet, wäre der junge Mann sicherlich weitergefahren – und das hätte unkalkulierbare Risiken für weitere unbeteiligte Verkehrsteilnehmer provoziert. Denn die Gefahr war real, hat sich inzwischen herausgestellt. Der Flüchtende war eine Zeitbombe auf vier Rädern.

In Schlangenlinien in den Gegenverkehr gefahren

Der Fahrer stand vermutlich unter dem Einfluss von Drogen. „Ob er fahrtüchtig war, muss die Analyse der Blutprobe im Labor zeigen“, sagt Faßbender. Sicher ist aber, dass der junge Mann für seine Verfolger erkennbar Schlangenlinien selbst im Gegenverkehr fuhr und rote Ampeln missachtete. Spätere Überprüfungen ergaben zudem, dass er keinen Führschein besaß und der schwarze Nissan Micra mit Oberhausener Kennzeichen für den Straßenverkehr nicht zugelassen war.

Die Besatzung mehrerer Streifenwagen, die am Sonntagmittag im Einsatz waren, um den 25-Jährigen zu stoppen, habe bei der etwa zehnminütigen Flucht durch drei Städte im ständigen Kontakt mit einem neutralen Beobachter auf der Polizeileitstelle gestanden.

Streifenwagenbesatzung entscheidet nie alleine

„Über die Fortsetzung oder den Abbruch eines solchen Einsatzes entscheidet eine Streifenwagenbesatzung nie alleine, sondern in Absprache mit dem jeweiligen Dienstgruppenleiter“, betont Ulrich Faßbender – auch um den Beamten im Einsatz „einen möglichen Jagdin-stinkt abzunehmen“.

Wie viele Verfolgungsfahrten, die immer auch ein hohes Risiko für die Gesundheit der Polizisten bergen, die Essener Behörde im vergangenen Jahr bewältigen musste, kann der Polizeisprecher nicht sagen. Wohl aber, dass sich die Taktik im Laufe der Jahre grundlegend verändert habe: Galt früher bei rund 80 Prozent dieser Einsätze eine Dranbleiben-Parole bis zum bitteren Ende, geht Faßbender heute davon aus, dass „weniger als 20 Prozent der Verfolgungsfahrten fortgesetzt werden.“

Zwischen Strafverfolgung und Gefährdung abwägen

Etwa dann, wenn ein Verkehrsteilnehmer den Eindruck erweckt, eigentlich Herr seiner Sinne zu sein und sein Auto im Griff zu haben, selbst wenn er mit über hundert Sachen durch die Innenstadt rast. Aller Erfahrung nach wird ein solcher Zeitgenosse sich wieder auf Normalmaß herunterbremsen, wenn die Polizei von ihm ablässt, um seiner später über Ermittlungen habhaft zu werden.

Die Herausforderung sei immer, zwischen der notwendigen Strafverfolgung und möglichen Gefährdungen abzuwägen – und das trotz einer Stress-Situation.

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik