Landtagswahl

AfD heizt eigener Basis für den Wahlkampf ein

Guido Reil (Mi.), langjähriger SPD-Politiker in Essen, rechnete am Mittwoch in Alstaden als AfD-Redner mit der Politik seiner früheren Partei ab. Neben ihm die beiden Oberhausener AfD-Landtagskandidaten Michael Huth (li., Wahlkreis Sterkrade/Dinslaken) und Wolfgang Kempkes (Alt-Oberhausen/Osterfeld).

Foto: Kerstin Bögeholz

Guido Reil (Mi.), langjähriger SPD-Politiker in Essen, rechnete am Mittwoch in Alstaden als AfD-Redner mit der Politik seiner früheren Partei ab. Neben ihm die beiden Oberhausener AfD-Landtagskandidaten Michael Huth (li., Wahlkreis Sterkrade/Dinslaken) und Wolfgang Kempkes (Alt-Oberhausen/Osterfeld). Foto: Kerstin Bögeholz

oberhausen.   Verstärkung aus Essen: Der TV-erprobte AfD-Redner Guido Reil stimmte die Oberhausener AfD-Sympathisanten auf die Landtagswahl am 14. Mai ein.

Der kleine Saal der Gaststätte „Zur Flotte“ in Alstaden ist voll. Rund 50 Personen sind am Mittwochabend zur Versammlung der Alternative für Deutschland (AfD) gekommen, darunter auch viele Nicht-Parteimitglieder.

„Wir haben uns heute Verstärkung aus Essen geholt“, sagt Wolfgang Kempkes, AfD-Landtagskandidat für Alt-Oberhausen, an die Adresse von Guido Reil. Der Bergmann und frühere Sozialdemokrat spricht danach eine Stunde lang in freier Rede, immer wieder von Applaus unterbrochen. Seine Hauptgegner dabei: die SPD im Land – und die CDU im Bund.

Reil ist nach dem Austritt aus der SPD fraktionsloser Essener Ratsherr. Der 47-Jährige spricht eine Sprache, die jeder versteht – und schon oft in TV-Talkshows zu hören war. „Wir sind hier nicht nur alte Männer. Wir sind Leute, die einfach die Schnauze voll haben“, sagt er. Und dann rechnet er mit der Politik der anderen Parteien ab.

Zunächst mit der Europapolitik: Von der Europäischen Union, die er nur als „Moloch“ bezeichnet, wolle man sich nichts mehr vorschreiben lassen. „Wir sind der größte Einzahler und die anderen halten nur die Hand auf. Will man aber etwas von ihnen, schlagen sie sich in die Büsche“, so malt er die Lage schwarz-weiß. „Die Südländer leiden am meisten darunter. Wir pumpen Milliarden nach Griechenland. Aber es kommt bei den Menschen nicht an.“ Der Euro nehme ihnen die Chance auf den Neuanfang.

Flüchtlinge und Straßenbau

Die ganze Politik sei ideologisch geprägt. Zum Beispiel die Flüchtlingspolitik: „60 Milliarden Euro verballern wir dafür, allein 600 Millionen für Sprachförderung.“ Alle Bürger in Deutschland hätten dabei das Nachsehen. Denn die Infrastruktur verkomme, diagnostiziert Guido Reil – und stellt hier einen Zusammenhang zwischen den Kosten für die vor allem seit 2015 nach Deutschland geflohenen Menschen und den seit Jahrzehnten im Westen vernachlässigten Straßenbau her. „So wie nach dem Fall der Mauer die Straßen in der DDR ausgesehen haben, sehen heute unsere Straßen aus.“

Diesen ganzen „Mist“ habe die SPD verzapft. Auch die von den Grünen vorangetriebene Energiewende sei reine Ideologie. Landschaften würden einfach mit Windrädern zugepflastert und zerstört.

Weil Windstrom aber vom Wetter abhängig sei, sei man darauf angewiesen, Atomstrom aus unsicheren ausländischen Kraftwerken dazu zu kaufen. Energieunternehmen wie RWE und Steag, einst die Stützen des Reviers, befänden sich im Niedergang. Immerhin hätten NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und die SPD für schöne Parks gesorgt und für riesige Logistikgebiete, in deren vollautomatisierten Hallen kaum jemand arbeite, sagt Reil sarkastisch.

Balsam für die Seelen der Zuhörer

Und voll in Wahlkampfstimmung gibt er den AfD-Anhängern noch weiter Zucker. „Egal welches Thema man nimmt, mit gesundem Menschenverstand hat das nichts mehr zu tun.“ Sozialpolitik habe nichts mehr mit sozialer Gerechtigkeit zu tun. „Die SPD hat die Zeitarbeit zugelassen, das ist moderne Sklaverei“, ruft Reil, der immerhin 26 Jahre dieser Partei angehörte. Und dass man als Arbeitsloser, der 30 Jahre lang malocht hat, nach kurzer Zeit genauso behandelt werde wie jemand, der nie gearbeitet habe, sei auch SPD-Werk.

All das scheint Balsam für die Seelen der Zuhörer zu sein. Wie die anschließenden Wortbeiträge zeigen, verdienen die meisten von ihnen ihren Lebensunterhalt mit ihrer Hände Arbeit. Oder sie haben ihn damit verdient, bis sie mit über 50 Jahren arbeitslos wurden und nicht mehr Tritt fassen konnten, dafür aber hohe Rentenabschläge hinnehmen müssen.

Reil wehrt sich dagegen, die AfD als Partei der Nationalisten und der Feinde von Frauen und Homosexuellen abzustempeln. Deren wahre Feinde habe Kanzlerin Merkel massenweise mit ihrer Flüchtlingspolitik ins Land gelassen. In der Folge eskaliere die Gewalt im Lande, behauptet Reil – trotz der zuletzt stark gesunkenen Kriminalitätszahlen in NRW.

„Dass das Ruhrgebiet früher so viele Zuwanderer gut integriert hat, lag nur daran, weil es Arbeit für diese Menschen gab“, erklärt der Essener. Das aber sei heute anders. Den meisten Flüchtlingen fehle die nötige Qualifikation und die lasse sich auch nicht mehr vermitteln.

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