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Arkadij Khaets Film berührt – ohne erhobenen Zeigefinger

Ein junger Deutscher in Israel: Für „Durch den Vorhang“ erhielt der Filmemacher Arkadij Khaet (25) kürzlich den Menschenrechtsfilmpreis. 

Foto: Freigeistfilm

Ein junger Deutscher in Israel: Für „Durch den Vorhang“ erhielt der Filmemacher Arkadij Khaet (25) kürzlich den Menschenrechtsfilmpreis.  Foto: Freigeistfilm

Oberhausen.   Arkadij Khaet gewinnt mit „Durch den Vorhang“ den Menschenrechtsfilmpreis. Früher drehte er für die liberale jüdische Gemeinde Perusch.

Sein Israel liegt in Bonn. Und es ist dort bitterkalt. So sehr, dass beim Sprechen manchmal sogar der Atem sichtbar wird. Wenn der junge Filmemacher Arkadij Khaet von den Dreharbeiten seines hochgelobten Kurzfilms „Durch den Vorhang“ erzählt, schmunzelt er selbst etwas. Der 25 Jahre alte Absolvent der Macromedia Hochschule in Köln musste für seine Abschlussarbeit improvisieren.

Das Mitglied der Liberalen Jüdischen Gemeinde Perusch am Friedensplatz verlagerte den spartanisch eingerichteten Flur eines israelischen Krankenhauses kurzerhand nach Deutschland. Und filmte hier im Winter. Denn: „Mit der kompletten Crew in Israel zu drehen, wäre etwas teuer geworden.“

Doch die Illusion funktioniert problemlos. Arkadij Khaet greift mit den Folgen des Nationalsozialismus ein schweres Thema auf, inszeniert es aber aus einer jungen Sichtweise. Er findet: „Das Thema ist verkrampft, umso interessanter ist es, eine andere Erzählweise zu wählen.“ Dafür erhielt er im vergangenen Jahr den Deutschen Menschenrechtsfilmpreis in der Kategorie Bildung. Arkadij Khaet kam als kleines Kind aus Moldawien nach Deutschland, wohnte lange Jahre in Oberhausen, absolvierte am Elsa-Brändström-Gymnasium sein Abitur.

Zugang zum jungen Publikum

Worum geht es? Die Geschichte handelt von Tom, der mit seiner deutschen Schulklasse nach Israel fährt und dort in einer Gastfamilie lebt. Nach einem Unfall landet er im Krankenhaus. Alleine, unsicher, wütend. Er fühlt sich unwohl in dieser Umgebung. Bis er im Krankenzimmer durch den Vorhang etwas hört. Er lauscht der schwachen Stimme einer alten Frau.

Sie spricht erst auf Hebräisch, dann Englisch, schließlich Deutsch . . . Es ist die Stimme einer Überlebenden der Kindertransporte aus der Zeit Ende der 1930er Jahre. Kurz vor Kriegsausbruch gelangten so 10 000 jüdische Kinder aus dem Deutschen Reich ohne ihre Eltern ins Exil nach Großbritannien. Kurz vor ihrem Tod verfällt die alte Frau zurück in ihre Muttersprache. Eine Sprache, die sie nach dem Holocaust ein Leben lang abgelehnt hatte.

Arkadij Khaets Film berührt in diesen Momenten. Doch den Zeigefinger sieht man nicht, wenn der 27-Minüter am Denkmal der Kindertransporte an der Berliner Friedrichstraße endet. Der Film beinhaltet auch Szenen, bei denen manche Zuschauer sogar schmunzeln, andere dagegen verkrampfen. Khaet hat beide Reaktionen gesehen: „Es hat viel damit zu tun, wie man den Film anmoderiert.“

Es steckt viel Eigenes in der Produktion, die bei 30 Festivals lief: Arkadij Khaet kam als 14-Jähriger mit einer jüdischen Jugendorganisation nach Israel. Lag durch eine Katzenhaarallergie plötzlich selbst in einem Krankenhaus und hörte die Stimme einer alten Frau.

Mittlerweile studiert er Regie an der Filmakademie Baden-Württemberg; nur wenige Bewerber werden in Ludwigsburg genommen. Er ist viel unterwegs. Kürzlich kehrte er zurück nach Oberhausen, zeigte seinen Film bei der jüdischen Gemeinde am Friedensplatz. Früher drehte er hier seine ersten Aufnahmen.

Oberhausener Gemeinde ist stolz

Man ist stolz auf ihn. In seinem Film ist der israelische Sohn der Gasteltern den Deutschen feindlich gesinnt. Er provoziert in seinem Kinderzimmer seinen deutschen Gastbruder: „Das ist mein Reich!“

Oftmals irritiert diese Szene. Arkadij Khaet ist das bewusst: „Die Figur ist der Gegenspieler. Seine Ablehnung ist nur ein Vorwand. Er hat einfach keine Lust, sein Zimmer zu teilen.“ Die Diskussion darüber begrüßt er. Deutschland werde in Israel bei vielen jungen Menschen tatsächlich sehr aufgeschlossen und positiv wahrgenommen.

„Durch den Vorhang“ ist ein starker junger Kurzfilm — wie gemacht für erhellenden Schulunterricht.

Weitere Aufführungen für preisgekrönten Kurzfilm

Die erste Aufführung von „Durch den Vorhang“ bei der Liberalen Jüdischen Gemeinde Perusch fand in Zusammenarbeit mit dem Büro für Interkultur der Stadt Oberhausen statt.

Der Film soll künftig auch in Schulen gezeigt werden. Weitere Aufführungen sind möglich. Die Jüdische Gemeinde bietet dies Interessenten an. Kontakt über Lev Schwarzmann: 0208-937 52 29.

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