FERNSEHEN

DVB-T II beschert Oberhausener Händlern Hochkonjunktur

Hans-Dieter Weppelmann erklärt in seinem Geschäft an der Marktstraße den Anschluss an einen Flachbildschirm.

Foto: Tom Thöne

Hans-Dieter Weppelmann erklärt in seinem Geschäft an der Marktstraße den Anschluss an einen Flachbildschirm. Foto: Tom Thöne

oberhausen.   Viele Haushalte waren von der Umstellung beim klassischen Antennenfernsehen überrascht. Für die Händler kamen organisatorische Hindernisse hinzu.

Oberhausens Radio- und Fernsehhändler haben Hochkonjunktur, je­denfalls seit Ende März. Da wurde auch hier der Antennen-Empfang von DVB-T I eingestellt. Seitdem wird DVB-T II ausgestrahlt. Die neue Technik ermöglicht eine bessere Bildqualität. Viele Haushalte waren aber trotz breiter Information über die Umstellung davon überrascht. Und das beschert der Branche einen Hochbetrieb, wie sie ihn lange nicht mehr erlebt hat.

DVB-T II kann nämlich nur empfangen, wer einen ganz neuen Flachbildschirm mit eingebautem Empfangsteil hat oder ein separates Empfangsgerät, das die An­ten­nen­signale um­wandelt. „Wir haben seit der Umstellung täglich 30 bis 40 Außendienst-Termine, sind jeden Tag bis zu 13 Stunden unterwegs“, beschreibt Reimo Radtke, Seniorchef von Radio Radtke im Knappenviertel, die Lage der letzten Tage.

„Viele Kunden haben gedacht, der Empfang würde doch irgendwie klappen“, vermutet Reimo Radtke. Dem sei aber nicht so. „Wir haben allein mehrere hundert Beratungsgespräche am Telefon gehabt“, sagt der Händler aus dem Oberhausener Osten.

Mit dem Fahrrad zu den Kunden

Die Umstellung sei alles andere als reibungslos gelaufen. Radtke: „Je nach Hersteller des Fernsehers waren einzelne Programme nicht zu empfangen. Da war dann auch noch ein Software-Update erforderlich.“ Vorsorglich habe man die nötigen Dateien auf Sticks, kleinen Datenträgern, parat gehabt, sonst hätte sich die fehlerfreie Umstellung in Altenheimen mit 150 Bewohnern kaum zügig bewältigen lassen.

Bei Hans-Dieter Weppelmann von Audioland an der Marktstraße war Freitag, 7. April, der schlimmste Tag. „Wir haben von 9 bis 23 Uhr durchgearbeitet“, erinnert er sich. Sogar per Fahrrad sei man zu den Kunden gefahren, um alle Anfragen abarbeiten zu können.

„Wir haben Hunderte von neuen Receivern verkauft“, sagt Weppelmann, der seit fast 50 Jahren selbstständig ist. „Wir Fachhändler haben ja die Kunden, die so zwischen 50 und 100 Jahre alt sind.“ Und in dieser Altersspanne falle es vielen schwer, sich die Fernseher selbst neu einzustellen.

Denn als gäbe es durch die Umstellung nicht schon genug Probleme, habe sich dann auch noch überraschend herausgestellt, dass selbst Besitzer ganz neuer Flachbildschirme DVB-T II nicht empfangen konnten. Hans-Dieter Weppelmann: „Ganz plötzlich ist auch noch die deutsche Norm für die Erkennung der Signale geändert worden.“ Selbst mit einem Flachbildschirm des Baujahres 2016 könne man seitdem nur in Österreich das neue Antennenfernsehen empfangen. Bei uns sei ein Zusatzgerät erforderlich.

„Wir haben bei Kunden, die erst Ende vergangenen Jahres einen neuen Flachbildschirm im Vertrauen darauf gekauft haben, damit problemlos DVB-T II empfangen zu können, die Geräte kulanterweise kostenlos umgetauscht“, berichtet der Händler von der Marktstraße. Diese Geräte würden jetzt preisgünstig an Kunden abgegeben, die ihr Fernsehen sowieso nur über Kabel oder Satellit empfangen. Denn dafür seien sie absolut tauglich.

Reimo Radtke hätte sich gewünscht, DVB-T II wäre schrittweise eingeführt worden. Dann wäre die Lage entspannter gewesen. Denn mit der Umstellung stehen schon wieder neue Probleme ins Haus: Auf Dauer kann man bei DVB-T II nur noch die öffentlich-rechtlichen Sender kostenfrei empfangen. Die Privatsender verlangen für die höhere Bildqualität künftig Geld. Ein Zusatz-Modul ist für ihren Empfang nötig. Auch das muss wieder angeschlossen und – nach Bezahlung – freigeschaltet werden.

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