Kirchenmusik

Eines der besten Oratorienkonzerte in Herz-Jesu Sterkrade

Ein großer Fusions-Chor plus Solisten und Orchester fand unter dem Dirigat von Veit J. Zimmermann Platz zwischen den mächtigen Säulen der Herz-Jesu-Kirche.

Foto: Tom Thöne

Ein großer Fusions-Chor plus Solisten und Orchester fand unter dem Dirigat von Veit J. Zimmermann Platz zwischen den mächtigen Säulen der Herz-Jesu-Kirche. Foto: Tom Thöne

OBERHAUSEN.   Dem Fusions-Chor aus Oberhausenern und Mülheimern gelang eine großartige Johannes-Passion. Dirigent Veit J. Zimmermann gründete ganz auf Bach.

Bei einem „normalen“ Sakralkonzert kommen, wenn der Besuch gut ausfällt, etwa hundert Gäste. Bei der restlos ausverkauften Aufführung von Johann Sebastian Bachs „Johannes-Passion“, die in ihrer Beliebtheit gegenüber der Matthäus-Passion heute gleichgezogen hat, gab es vor dem Eingang der Herz-Jesu-Kirche in Sterkrade eine Schlange von 30 Metern vor der Kasse.

Es hatte sich herumgesprochen, dass man wohl gerade von dieser Begegnung mit einem der wichtigsten und ergreifendsten Musik-„Protokolle“ vom Sterben Jesu eine besondere Tiefe und Innerlichkeit erwartete. Und Dirigent Veit J. Zimmermann, die Niederrheinische Kantorei zusammen mit dem Oratorienchor St. Clemens, fünf namhafte Solisten und das Sinfonieorchester Ruhr enttäuschten diesen hohen Anspruch nicht. Die Zwei-Stunden-Passion nach dem Evangelisten Johannes am Karfreitag dürfte in die Chronik von Herz Jesu eingehen: Es war eines der besten und zugleich in der Wirkung erschütterndsten Oratorienkonzerte in den vergangenen fünf Jahren in der gesamten Region.

Die letzten Stationen Jesu

Das lag zum einen daran, dass Zimmermann auf jede subjektive Abweichung oder eigenwillige Deutung verzichtete. Er gründete auf Bach und dessen grandiose Vorleistung: Die Johannes-Passion, deren vier Fassungen von 1724 bis 1749 entstanden, erzählt in meist dunklen, dramatischen Farben die letzten Stationen des Gottessohnes, wie die Bibel sie mythisch und mystisch mit starker Emotionalität dokumentiert.

Zum anderen band Zimmermann den imponierend singenden Fusions-Chor, das mustergültig agierende Instrumentalensemble (mit Christoph Nierhaus am Cembalo) und die Solisten (Evelyn Ziegler, Sopran, Franziska Orendi, Alt, Joachim Duske, Tenor, Alexander Schmidt, Bass, Christian Dahm, Bariton) zusammen zu einer bezwingenden Einheit. Was man von einer Bach-Passion aus der Barock-Epoche erwartet, wurde auf „Best of“-Niveau erwidert: lyrische Wärme in den Chorälen, zuweilen sogar hitzige Erzählkunst beim Evangelisten, trauerndes Mitgefühl in den „Es ist vollbracht“-Szenen, die Christus-Worte mit andächtiger Anteilnahme, das bizarre Gezerre um die Verurteilung von Jesus durch den Römer Pilatus, die pittoreske Darstellung des Gesamtverlaufs durch den hoch motivierten, bis zum Ende ohne Substanzverlust singenden Chor, die „wiegende“ Kommentierung der Frauenfiguren bei Sopran und Alt: All das fügte sich in schöner Glaubensmagie ohne weinerliche Haltung zur modellhaften Karfreitags-Parabel zusammen.

Großer und dankbarer Jubel

Alle Mitwirkenden wurden, nach einer kurzen „stillen“ Pause am Ende, mit großem und dankbarem Jubel entlassen.

Am Rande: Just zur Sterbeszene der Passion erlitt eine ältere Dame im Publikum einen Zusammenbruch. Arzt und Helfer waren schnell zur Stelle. Es gab deshalb keine Unterbrechung. Darf man nur wünschen, dass es der Besucherin zu Ostern schon wieder besser ging.

Beim Nachhauseweg hallte vermutlich bei allen, die diese Bach-Würdigung erleben durften, die bildhafte Musikinszenierung der Johannes-Passion unter dem Golgatha-Kreuz in Herz Jesu noch lange nach.

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