Serie „Pflege daheim“

In diesem Kreis finden pflegende Angehörige ein offenes Ohr

Einmal im Monat kommen sie zusammen, um sich auszutauschen (v.l.): Wilhelm Becker, Gabi Volpp, Martina Grothe, Betty Meister, Angelika Krietemeyer, Karin Dzykowski, Ursula Ludwig und Hans Beckmann.

Foto: Michael Dahlke

Einmal im Monat kommen sie zusammen, um sich auszutauschen (v.l.): Wilhelm Becker, Gabi Volpp, Martina Grothe, Betty Meister, Angelika Krietemeyer, Karin Dzykowski, Ursula Ludwig und Hans Beckmann. Foto: Michael Dahlke

Oberhausen.   Der Gesprächskreis für pflegende Angehörige in Oberhausen trifft sich monatlich zum Austausch. Eine Möglichkeit, Kraft für den Alltag zu tanken.

Wenn Ehefrau, Ehemann, Mutter oder Vater pflegebedürftig werden, stellt sich oft die Frage: Muss ich sie wirklich in ein Pflegeheim geben oder schaffe ich das nicht auch zu Hause? Viele entscheiden sich in dieser Situation für die Pflege im eigenen Haus, die oft eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung beinhaltet – und verzweifeln häufig.

Denn die Pflege kann schwierig werden und Abwechslung ist aufgrund der fehlenden Zeit kaum mehr gegeben. Angelika Krietemeyer weiß um diese Probleme. Seit 1992 leitet sie ehrenamtlich eine Selbsthilfegruppe, die den Austausch von Betroffenen möglich macht: den Gesprächskreis Pflegende Angehörige.

In den Räumen des Caritashauses an der Mülheimer Straße 202 trifft sich die Gruppe jeden zweiten Dienstag im Monat zwischen 19.30 und 22 Uhr. „In der Runde hier wird viel gelacht“, erzählt Krietemeyer. „Am Anfang, wenn neue Teilnehmer dabei sind, wird aufgrund der neuen Geschichten aber auch oft geweint.“

In dieser Runde hört jeder zu

Betty Meister fügt hinzu: „Hier darf jeder sagen, was er oder sie will. Das hilft ungemein bei der Bewältigung von Problemen, die mit den Angehörigen entstehen.“ Daher sind die Pflegebedürftigen in der Runde auch nicht dabei. „Alles, was hier gesagt wird, bleibt im Kreis“, betont Ursula Ludwig. Hans Benkmann meint: „Die Tipps hier sind Gold wert“.

Wilhelm Becker erzählt von seiner schwer dementen Frau, die im Altersheim ist, aber dennoch von ihm zwei Mal am Tag gepflegt wird: „Ich war fast am Ende, als ich hier hin kam, ich brauchte unbedingt Abwechslung“, sagt der Rentner. „Nach dem Besuch des Kreises hab ich mich viel wohler gefühlt.“ In der Familie würde man mit den immer gleichen Gesprächen nur nerven, hier in der Runde höre dagegen jeder zu, sagt er. „Dadurch hat auch die eigene Zufriedenheit zugenommen.“

Für Angelika Krietemeyer ist die Situation von Wilhelm Becker nicht überraschend: „Männer pflegen extrem, sie wollen immer 100 Prozent“, sagt die examinierte Altenpflegerin. „Es ist aber wichtig, dass man hier auch mal schimpfen kann“.

Wie im Gefängnis

Zu Spitzenzeiten hatte der Kreis 28 Teilnehmer. Aktuell sind es meistens sechs bis sieben, die sich monatlich zusammenfinden. „Viele Ärzte wissen gar nichts von dieser Möglichkeit, Leute an den Gesprächskreis zu verweisen“, erklärt Krietemeyer. „Hierhin zu gehen, das ist das Beste, was mir passieren konnte“, erzählt Martina Grothe. Karin Dzykowski fühlte sich zu Hause „wie im Gefängnis. Ich kann meinen Mann einfach nicht ins Heim geben“, sagt sie. „Der Kreis ist optimal für Leute, die sich Tipps holen wollen. Gegen Hautrötungen und Wundliegen habe ich zum Beispiel hier von Palliativ-Creme gehört. Das hat sehr geholfen.“ Gabi Volpp lobt das Fachwissen der Runde: „Hier lernt man vieles Nützliche für den alltäglichen Gebrauch“.

Betty Meister erzählt von einer Frau, die nach eigener Aussage ihre pflegebedürftige Mutter „irgendwann gehasst“ habe. Durch die Selbsthilfegruppe hat sich diese Ansicht komplett gewandelt.

„Viele Leute pflegen sich kaputt“, meint Angelika Krietemeyer. „Nach der Pflege müsste jedem eine 14-tägige Kur zustehen, um wieder fit zu werden.“

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