Interview mit Rocklegende

Iron Maiden bietet Weiterbildung mit Heavy Metal

Die Dienstältesten bei Iron Maiden: Nur Gitarrist Dave Murray (li.) und Bassist Steve Harris, der Band-Gründer,  spielen auf sämtlichen 16 Studio- und elf Live-Alben der „Eisernen Jungfrau“ – hier beim dänischen Roskilde-Festival.

Foto: Imago

Die Dienstältesten bei Iron Maiden: Nur Gitarrist Dave Murray (li.) und Bassist Steve Harris, der Band-Gründer, spielen auf sämtlichen 16 Studio- und elf Live-Alben der „Eisernen Jungfrau“ – hier beim dänischen Roskilde-Festival. Foto: Imago

Oberhausen.   Aus Geschichte, Mythologie und Science-Fiction entstehen Iron Maidens epische Songs. „Lehrreich“, meint Gitarrist Dave Murray im Interview.

Eine der bedeutendsten Heavy Metal-Bands der letzen 40 Jahre, „Iron Maiden“, kommt am 24. und 25. April zu zwei Konzerten in die König- Pilsener-Arena, um ihre epochale Platte „The Book of Souls“ vorzustellen. Diese beiden, teils epischen Scheiben erreichten in den letzten eineinhalb Jahren in 40 Ländern die Nr. 1-Position. André de Vos unterhielt sich mit Gitarrist Dave Murray über das Zustandekommen dieses phänomenalen Spätwerkes.

„The Book of Souls“ ist die erste Doppel-CD in Iron Maidens langer Karriere seit 1975. Habt ihr dieses Format im Voraus geplant?

Dave Murray: Es war einfach so, dass jeder eine Masse an guten Ideen hatte und die Kreativität nur so floss. Wir hatten schon nach kürzester Zeit 50 Minuten an Musik aufgenommen und noch etliche andere Songs in der Hinterhand. Da war „Empire of the Clouds“, ein 18-minütiges Meisterstück von unserem Sänger Bruce Dickinson, noch nicht einmal mitgerechnet. Nachdem wir dann 90 Minuten Musik zusammen hatten, haben wir uns gesagt, wir stoppen hier einmal, denn es hätte auch eine Dreifach- oder Vierfach-CD werden können.

Hattet ihr denn unbeschränkt Zeit und Geld, um beliebig lange im Studio zu schreiben?

Bei uns ist es so, dass wir den Spruch „Weniger ist mehr“ hochhalten. Wir haben nie mehr als maximal vier Monate im Studio verbracht. So waren es jetzt nur acht Wochen in einem umgebauten Theater in Paris. Es war total erfrischend, unser neues Material am Morgen einzuüben und am Nachmittag aufzunehmen. So hatten wir schon am Abend die Basis-Struktur für ein Lied. Später haben wir es uns dann vorgespielt und noch Overdubs, zusätzliche Gitarren und Gesang eingefügt.

Was hast du für ein Gefühl, wenn man mittlerweile sein 16. Studioalbum veröffentlicht? Ist das noch spannend oder bloß Routine?

Nein, überhaupt keine Routine. Normalerweise gehen wir in ein Studio, nachdem wir vielleicht drei oder vier Lieder geschrieben haben, und fangen mit dem Aufnehmen an. Dieses Mal hatte jeder von uns nur einige Ideen, und wir gingen ins Studio, wo nur die Instrumente aufgebaut waren. Wenn wir also einen Song einprobten, haben wir ihn gleich schon einmal aufgenommen und konnten so alles spontan einfangen. Das war mal eine tolle Erfahrung, auf diese Weise so mit den Jungs ins Studio zu gehen.

Wer hatte die Idee zu dem kryptischen Titel „Buch der Seelen“, und was soll er aussagen?

Ich glaube, das ist Bruce’s Thema gewesen, das aus seinen imaginären Vorstellungen eines „Seelenbuchs“ erwuchs. Es soll auf Überbleibseln und Mythologien einer verlorenen Kultur, einer untergegangenen Zivilisation basieren, die in Regenwäldern gelebt haben könnte.

Einige Lieder wie „If Eternity Should Fall”, „Speed of Light” und „The Great Unknown” haben eine futuristische Herangehensweise, andere Songs wie „The Red and the Black“ bleiben eher abstrakt. Macht ihr euch Gedanken, in welche Richtung eine Platte laufen soll?

Wenn man Iron Maiden historisch betrachtet, hatten die Scheiben immer verschiedene Themenschwerpunkte, sei es Science-Fiction, Politik, Filme, Bücher oder einfach so erfundene Geschichten (lacht). Es war nie immer bloß die eine Sache. Das ist auch das Besondere bei den Texten von Bruce und Bassist Steve Harris: Sie drücken sich über diese Vorlagen mit ihren eigenen Worten aus, und das ergibt auch noch Sinn!

Kannst du dafür ein Beispiel geben?

Vor Jahren haben wir „Alexander the Great“ aufgenommen, ein Song, den Steve geschrieben hat. Das Lied bringt dich in diese Zeit vor über 2000 Jahren zurück. Es ist wie eine Mini-Geschichtsstunde. Die Variationsbreite an Themen, also auch auf diesem Album, ist eine der Stärken der Band, die sich wie ein roter Faden durch die „Maiden“-Alben zieht. Kids, die mit unserer Musik aufwachsen und vielleicht nicht so viel zur Schule gegangen sind, andere, die auf die Uni gehen, lesen die Texte, und die Musik trägt sie in irgendwelche Epochen. So gesehen ist es sogar ein Erziehungsprozess (lacht).

>>> EIN MEISTER DES KRAFTVOLLEN LEGATO-SPIELS

Der 60-jährige Dave Murray erzählte in früheren Interviews gern sein „Erweckungs“-Erlebnis: Als 15-jähriger Schulabbrecher hörte der junge Londoner Jimi Hendrix’ „Voodoo Chile“ – und war fest entschlossen, selbst Rock-Gitarrist zu werden.

Neben Steve Harris, Bassist und „Iron Maiden“-Gründer, ist Murray der einzige der sechs Musiker, dessen Spiel auf sämtlichen Studio- und Live-Alben verewigt ist. In der Besten-Liste des Gitarrenbauers Gibson hält er Platz 9 der Top Ten „der Metal-Gitarristen aller Zeiten“.

Murrays Lieblings-Instrument ist die (auch von Jimi Hendrix gespielte) Fender Stratocaster. Der heute auf Hawaii heimische Londoner gilt als Meister des kraftvollen Legato-Spiels – und als passionierter Golf-Spieler mit höchst passa­blem Handicap.

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