Landtagswahl

Landtagskandidaten wollen mehr Lehrer in die Schulen bringen

Das Podium des WAZ-Stadtgesprächs: (v.li.) Marc Hoff (FDP), Norbert Axt (Grüne), Peter Szymaniak (WAZ), Wilhelm Hausmann (CDU), Sonja Bongers (SPD) und Martin Goeke (Linke).

Foto: Gerd Wallhorn

Das Podium des WAZ-Stadtgesprächs: (v.li.) Marc Hoff (FDP), Norbert Axt (Grüne), Peter Szymaniak (WAZ), Wilhelm Hausmann (CDU), Sonja Bongers (SPD) und Martin Goeke (Linke). Foto: Gerd Wallhorn

Oberhausen.  Beim WAZ-Stadtgespräch stellen sich Oberhausener Landtagswahlkandidaten den Fragen der Bürger. Sind sie für oder gegen das Turbo-Abi?

Fast alle Finger gehen hoch. WAZ-Redaktionsleiter Peter Szymaniak hat gerade gefragt, wer im Publikum zur NRW-Wahl am 14. Mai geht. Wenn also die über 100 Teilnehmer des WAZ-Stadtgesprächs im Brecht-Haus eine repräsentative Gruppe wären, läge die Wahlbeteiligung bei weit über 90 Prozent.

Die Positionen der Oberhausener Kandidaten lernten die Gäste bei der Veranstaltung von WAZ, Arbeit & Leben und der Volkshochschule kennen. Munter diskutierten die Oberhausener zahlreiche Themen mit den Politikern. Bei der Debatte kristallisierten sich die Felder Bildung und Schule sowie Verkehr und Naturschutz als zentral heraus.

Politiker wollen viel Geld ausgeben

Alle Politiker verteilten an diesem Abend viel Geld: für mehr Lehrer, für mehr Polizisten, für mehr Sozialarbeiter, für öffentlich bezahlte Jobs. Wie das finanziert werden soll, blieb meist unklar. Einzig Linken-Ratsherr Martin Goeke sprach von Steuererhöhungen: „Oberhausen lebt nicht über seine Verhältnisse, die Kommunen müssen mehr Geld von Land und Bund bekommen.“ Dafür sollten Reiche und finanzstarke Konzerne mehr in den Steuertopf einzahlen.

„Wie stehen die Kandidaten, die Parteien zu G8/G9?“, wollten Bürger wissen. Abitur nach acht oder neun Jahren am Gymnasium? Eine flexible Lösung stellt sich die SPD vor. „Jedes Kind bekommt die Zeit zum Lernen, die es braucht“, sagte Sonja Bongers (SPD). Beide Varianten sollen an einer Schule möglich sein.

Gegen das Turbo-Abi am Gymnasium stellte sich Goeke – und verwies darauf,, dass seine Partei ohnehin gegen die frühe Aufteilung der Kinder nach der vierten Klasse sei: „Eine Schule für alle“. Die Gesamtschule komme dem am nächsten, „wir müssen sie stärken oder neue gründen“.

Dass sah Marc Hoff völlig anders: Nach Ansicht des Liberalen würden derzeit die Gymnasien und Förderschulen geschwächt, um die „Inklusion auf Teufel komm’ raus durchzusetzen, ohne die baulichen und personellen Voraussetzungen zu schaffen“. Hoff will das mehrteilige Schulsystem beibehalten, aber „G8 ist nicht der Weisheit letzter Schluss, jedes Gymnasium sollte hier ein Mitspracherecht haben“.

Den Gymnasien eine Rückkehr zu G9 freizustellen, befürwortet Willi Hausmann (CDU): „Dann aber als gesamte Schule.“ Er plädierte dafür „Aufgaben angemessen zu bewerten“, um Lehrer effektiv einzusetzen. Mehr Bürohilfen in Schulen zur Entlastung von Lehrern könnten eine Lösung sein.

In der Bildungspolitik sind „jede Menge Fehler gemacht worden“, stellte Norbert Axt (Grüne) fest. Nicht mit Blick auf die aktuelle rot-grüne, sondern auf die von Rüttgers geführte schwarz-gelbe Landesregierung. Ein Fehler sei gewesen, das Einschulungsalter vorzuverlegen, auch „G8 ist überstürzt eingeführt worden“. Axt bedauerte aber, dass der 2010 geschlossene Schulfrieden aufgekündigt wurde, „man hätte die Schulen einfach mal zehn Jahre machen lassen sollen“, kritisierte Axt die wieder aufgeflammte Strukturdebatte.

Der Markt ist leergefegt

Der Grünen-Kandidat schlägt individuelle Lernzeiten für jeden Schüler und eine individuelle Förderung vor. An den Gymnasien sollte das Abitur nach acht oder neun Jahren möglich sein.

Einig war sich die Kandidatenrunde darin, dass Lehrer in den Schulen fehlen. Neue einzustellen, sei aber nicht einfach, der Markt leergefegt. Wer dafür verantwortlich ist, wurde naturgemäß unterschiedlich bewertet. „Die Leute, die heute fehlen, hätten unter Schwarz-Gelb anfangen müssen zu studieren“, sagte Norbert Axt.

Verkehr: Künftig mit dem Rad oder Auto zur Arbeit?

„Auf den ein oder anderen Baum können wir verzichten, wenn dadurch Arbeitsplätze entstehen“, erklärte Sonja Bongers (SPD) beim WAZ-Stadtgespräch. Deshalb seien auch Infrastrukturmaßnahmen wie Straßenbau notwendig, „aber alles im Rahmen, wir müssen auch vernünftig leben können“.

Gegen immer mehr Straßen und noch breitere Autobahnen wehrt sich dagegen Norbert Axt (Grüne): „Wir haben in Oberhausen ein Problem mit Lärm und Luftverschmutzung“. Er plädiert dafür, den Verkehr Richtung Schiene, Busse, Bahnen und Rad auszubauen. Ähnlich sieht es Martin Goeke (Linke). Eine Verkehrspolitik, die Autos in den Mittelpunkt rückt, „ist falsch“.

Mit dem Rad müssten ja bald alle fahren, wenn die Straßen weiter so schlecht ausgebaut würden, konterte Marcus Hoff (FDP). Der Landtagskandidat fordert eine bessere Infrastruktur. „Wenn im Stau die Motoren für nichts laufen, kann das auch nicht gut für die Natur sein“, sagte Hoff.

Bürokratische Hürden und zu hohe Umweltstandards abbauen will auch Wilhelm Hausmann: „Wir als CDU wollen eine knallharte Industriepolitik in NRW machen – für mehr Arbeitsplätze.“

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