Stadtgeschichte

Mit den USA öffnet sich in den Fünfzigern der größte Markt

Am Ende des Bandkühlofens sortierten Frauen das so genannte Kelchglas.

Foto: Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv

Am Ende des Bandkühlofens sortierten Frauen das so genannte Kelchglas. Foto: Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv

oberhausen.   Die Oberhausener Glasfabrik profitierte auch vom so genannten „Korea-Boom“ in den 1950er Jahren. Das Unternehmen blühte im Wirtschaftswunder auf.

Bei Kriegsende im Mai 1945 liegt die deutsche Wirtschaft danieder. Oberhausen und das Ruhrgebiet sind stark betroffen: Etwa zwei Drittel aller Wohnungen sind ganz zerstört oder erheblich beschädigt. Die Verkehrswege sind aufgrund der Kampfhandlungen oft nicht nutzbar, was den Transport von Roh- und Brennstoffen wie von Fertigwaren und Menschen massiv einschränkt. Die Grenzen der vier Besatzungszonen behindern zudem den innerdeutschen Warenverkehr. Die Währung ist zerrüttet.

Auch die Fabriken im Ruhrgebiet sind stark beschädigt in Folge von Luftangriffen der Royal und der US Air Force, die seit 1943 etwa wöchentlich erfolgten und an Zerstörungskraft bis Kriegsende 1945 stetig zunahmen. Wegen der hohen Inflation vor der Währungsreform 1948 lassen sich Reparaturen an Gebäuden und Betriebseinrichtungen zuerst oft nur gegen Sachleistungen erreichen.

Die Oberhausener Glasfabrik bietet ein typisches Bild: Werkshallen sind zum Teil stark getroffen. Im Inneren sieht es hier wie andernorts nicht ganz so hoffnungslos aus, denn oft sind die Maschinen weniger stark zerstört und lassen sich wieder reparieren. So gelingt es der westdeutschen Industrie bis 1948, in etwa die Produktionskapazität der Vorkriegszeit zehn Jahre zuvor wieder aufzubauen.

Da die Menschen sich zunächst um das Nötigste kümmern müssen – ein Dach über dem Kopf, Essen und Trinken, Kleidung, Kohlen für das Heizen im Winter – ist von 1945 bis 1948 kaum Einkommen übrig, um Gebrauchsgegenstände wie Glas zu kaufen. Folglich richtet sich die Oberhausener Glasfabrik mit ihrer Produktion zunächst an den Bedarfen der zahlungskräftigen Kundschaft aus. Und das ist im Ruhrgebiet die Industrie, zu allererst der Bergbau. Auf Verordnung der britischen Besatzungsmacht stellt die Oberhausener Glasfabrik 1946 deshalb 50 000 von so genannten „Glocken“ als Glasschirme für Grubenlampen und weitere Wirtschaftslampen her.

Ende der 1940er Jahre werden wichtige Weichen für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg der drei westlichen Besatzungszonen gestellt: Die Wiederherstellung eines funktionstüchtigen Eisenbahnwesens für den Waren- und insbesondere den Kohlentransport 1947. Die Zusammenlegung der westlichen Besatzungszonen zur Trizone mit einheitlicher Verwaltung 1948, die Währungsreform im selben Jahr und die Gründung der Bundesrepublik 1949.

Serie „Amerika“ geht nach Übersee

Die 1950er Jahre sind in der jungen Bundesrepublik die Zeit des Wirtschaftswunders. Westdeutschland profitiert seit 1951 vom so genannten Korea-Boom. Durch das Anschwellen der Rüstung in den USA während des Koreakrieges sind amerikanische Produktionskapazitäten selbst für heimische Konsumgüter belegt. So öffnet sich der damals mit Abstand größte Binnenmarkt der Erde für deutsche Waren.

Auch Glas aus Oberhausen findet wie bereits in den 1930er Jahren den Weg zu den amerikanischen Kunden. Mit der Serie „Amerika“, die gestalterisch an den Geschmack der 1950er Jahre angepasst wird, gelingt der Oberhausener Glasfabrik der Verkauf hochwertiger und hochpreisiger Hohl- und Kristallglase in den Vereinigten Staaten. Doch auch in Europa wächst die Wirtschaft in den 1950er Jahren immer schneller. Damit erweisen sich auch die europäischen Nachbarn und die Bundesrepublik als sehr aufnahmefähige Märkte für Konsumgüter wie für Glas. So erlebt die Oberhausener Glasfabrik nach den 1930er Jahren die zweite Blüte in Friedenszeiten mit rund 600 Beschäftigten.

Die Modernisierung der voll- und halbautomatischen Produktion in den 1950er und 1960er Jahren erlaubt die Erzeugung steigender Stückzahlen. Trotz wachsender Konkurrenz mit Anbietern aus Übersee, aus West-, Süd- und Osteuropa ist die Oberhausener Glasfabrik am Markt erfolgreich.

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