Osterfeld

Briefmarken sind nichts für Grobmotoriker

Mit ruhiger Hand und Pinzette nehmen Sammler die Briefmarken unter die Lupe. Heute sind die kleinen Kunstwerke eher Liebhaberei als Geldanlage

Foto: Fabian Strauch

Mit ruhiger Hand und Pinzette nehmen Sammler die Briefmarken unter die Lupe. Heute sind die kleinen Kunstwerke eher Liebhaberei als Geldanlage Foto: Fabian Strauch

Oberhausen.   Zum 290. Mal veranstalteten die Briefmarken- und Münzfreunde Bottrop-Fuhlenbrock/ Oberhausen-Vonderort ihren Tauschtag im Revierpark Vonderort.

Vonderort ist und bleibt das Mekka für Philatelisten und Numismatiker. Der Verein Briefmarken- und Münzfreunde Bottrop-Fuhlenbrock / Oberhausen-Vonderort veranstaltete den mittlerweile 290. Großtauschtag. Händler und Sammler kommen hierfür von weit her – aus Osnabrück, Freiburg im Breisgau oder den Niederlanden.

Es geht ruhig zu im Freizeithaus. Vor allem ältere Herrschaften entpuppen sich als Händler und Sammler, haben ihre Briefmarken in kleinen Koffern, Kartons, Kisten und Alben mitgebracht. Die Münzsammler sind in der Minderheit.

„In den 60er-Jahren erlebten die Briefmarken einen Aufschwung“, sagt Michael Walke vom Vorstand der Briefmarken- und Münzfreunde Bottrop/Oberhausen. „Damals galt sie als Aktie des kleinen Mannes.“ Heute tauge sie nur noch selten als Wertanlage. Es sei eher eine Liebhaberei – bis auf wenige Ausnahmen.

Interesse der Chinesen wächst

„Die Chinesen interessieren sich immer mehr für Briefmarken“, sagt Walke. Bei einem der letzten Großtauschtage habe ein Händler seine alten chinesischen Marken aus dem 19. Jahrhundert an einen Sammler für einen hohen fünfstelligen Betrag verkauft. „Das war ein sehr gutes Geschäft für beide“, erinnert sich Michael Walke.

Aber Geschäfte in dieser Größenordnung seien die Seltenheit geworden. Und er weiß, wovon er spricht, sammelt und tauscht er doch seit mehr als 30 Jahren. Auf die Frage, was er an Briefmarken faszinierend findet, beginnen seine Augen hinter der Brille zu leuchten: „Sie sind einfach schön.“ Manchmal benötigt es nur vier Worte, um die Leidenschaft aller Briefmarkenliebhaber beim Großtauschtag zusammenzufassen.

Die Abläufe sind seit jeher klar geregelt. Hinter dem Tisch sitzt der Händler. Davor sitzt der Sammler, der in den Alben und offenen Pappkartons stöbert. Mit einer Lupe und mit Argusaugen werden die Marken in Form, Zähnung und Gestaltung gemustert – Briefmarken sind nichts für Grobmotoriker.

„Michel“ ist das Nachschlagewerk

Die Sammler begutachten das Angebot sorgfältig und vorsichtig mit einer Pinzette. Es wird nicht gefeilscht. Der „Michel“ ist das Nachschlagewerk, um den Preis festzulegen. Das mehrbändige Handbuch beinhaltet Postwertzeichen aus aller Welt und wird jedes Jahr neu aufgelegt. Man kennt sich und man schätzt sich im Freizeithaus. Aber der Kreis der Händler und Sammler wird merklich kleiner.

„Es fehlt leider der Nachwuchs“, sagt Claudia Obermark aus Oberhausen. Sie hat soeben ihre Briefmarkensammlung mit Ausgaben aus Österreich erweitert. „Es sollten viel mehr von ihnen in Vereine eintreten“, meint Ralf Stelzen vom Oberhausener Philatelisten-Verein: „Bei Briefmarken verhält es sich wie auf jedem anderen Markt. Es geht um Angebot und Nachfrage.“

>> DIE ERSTE BRIEFMARKE DER WELT

Bevor die erste offizielle Briefmarke der Welt ausgegeben wurde, gab es zahlreiche Vorläufer. Die erste aufklebbare Briefmarke wurde ab Mai 1840 im Vereinigten Königreich herausgegeben.


Der Wert zu einem Penny wird in Sammlerkreisen als One Penny Black bezeichnet. Sie gilt als die erste Briefmarke der Welt.

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