Barmingholten

Gefällte Linde erhitzt die Gemüter

Baurechtler Mehmet Beytekin (li., mit Landschaftsarchitekt Michael Brady) zeigt den Ort, an dem die Linde stand.

Foto: Tom Thöne

Baurechtler Mehmet Beytekin (li., mit Landschaftsarchitekt Michael Brady) zeigt den Ort, an dem die Linde stand. Foto: Tom Thöne

oberhausen.   100 Jahre alter Baum stand im Neubaugebiet Holtstegstraße/Scheiferskamp. Gutachter bescheinigt Gefahrenstelle. Nachbarschaft hegt Zweifel daran.

Die umstrittene Fällung einer rund 100 Jahre alten Linde im Neubaugebiet Holtstegstraße / Scheiferskamp (wir berichteten) hatte jetzt ein Nachspiel in der Bezirksvertretung Sterkrade. SPD und Grüne hatten den Punkt auf die Tagesordnung setzen lassen. Sie wollten Klarheit für jene Bürger, die die Eintönigkeit der dortigen Bebauung kritisieren und Zweifel daran haben, dass die Linde wegen ihres schlechten Zustands und nicht wegen des Baus des dortigen Spielplatzes weichen musste. Parallel zur Emmericher Straße hat die Deutsche Reihenhaus-AG aus Köln anno 2015 / 16 eine lange Zeile von Reihenhäusern erstellt.

Nahe der Einmündung der Holt-stegstraße in die Emmericher Straße wurde sie durch einen privaten Spielplatz abgerundet. Andrea Baudek vom Bereich Stadtplanung legte den Bezirksvertretern dar, dass dieser Reihenhaus-Riegel seit vielen Jahren zum Konzept des Neubaugebiets gehört. Die Häuserzeile diene der Abschirmung des Gebiets vom Verkehrslärm der Emmericher Straße. Zu ihrem eigenen Lärmschutz ist der Zeile eine private Grünfläche vorgelagert. Und darauf hat der Investor einen kleinen Spielplatz angelegt.

Eine Verpflichtung, diesen Spielplatz zu bauen, habe es nicht gegeben, stellten der Vertreter der Deutschen Reihenhaus AG und Baudek klar. Ursprünglich sei auch nicht beabsichtigt gewesen, die alte Linde dort zu fällen. Während der Bauarbeiten seien Zweifel an ihrer Standfestigkeit aufgekommen. Ein Baumgutachter habe einen problematischen Zwieselwuchs festgestellt, eine V-förmige Verzweigung von Hauptast und Stamm. Solche Verzweigungen können zum Bruch führen. Der Gutachter riet zur Fällung.

Druck-Zwiesel ist problematisch

In der Nachbarschaft stießen allerdings zwei Dinge übel auf: Bei dem Gutachter handele es sich nicht um einen staatlich anerkannten Sachverständigen, sondern um einen staatlich geprüften Agrarwirt für Baumpflege. Außerdem sei er der Bruder jenes Bauunternehmers, der mit dem Bau des Spielplatzes beauftragt war.

Beigeordnete Sabine Lauxen brach in der Sitzung eine Lanze für diesen Gutachter: „Die Prüfung eines solchen Baumes muss nicht durch einen anerkannten Sachverständigen durchgeführt werden“, erklärte sie. Es müsse sich nur um einen Fachmann handeln. Das sei der Fall gewesen. Auch sei sein Gutachten für plausibel gehalten worden. Lauxen: „Der Baum hätte den Spielplatz nicht gestört.“ Auch Stadtförster Jürgen Halm stellte das Gutachten nicht in Frage, zumal er den gefällten Baum nicht kannte: „Ein Druck-Zwiesel ist problematisch.“ Das „V“ zwischen den Stämmen sei ein Fäulnisherd.

Die Urteile der Bezirksvertreter gingen am Ende auseinander. „Wenn Baufirmen Gutachten in Auftrag geben, ist das immer problematisch“, befand Carola Cremer (CDU). Werner Nowak (BOB) äußerte Verständnis: „Diese Bäume sprengen sich selbst auseinander.“ „Sobald solche Zweifel aufkommen, muss gefällt werden“, sagte Norbert Axt (Grüne). „Niemand kann die Verantwortung übernehmen, wenn etwas passiert.“

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