Gastronomie

Haus Koopmann steht für Kneipen-Kultur in Osterfeld

Familienbande: In der Osterfelder Traditionsgaststätte Haus Koopmann steht das Wirtspaar mit den vier Kindern hinter der Theke.

Foto: Dirk Hein

Familienbande: In der Osterfelder Traditionsgaststätte Haus Koopmann steht das Wirtspaar mit den vier Kindern hinter der Theke. Foto: Dirk Hein

Oberhausen.   Seit 25 Jahren zapfen Bernd und Kerstin Greve im Haus Koopmann. In der Osterfelder Traditionsgaststätte treffen sie meist auf bekannte Gesichter.

An den Weihnachtstagen vor gut 25 Jahren tropfte an der Kniestraße in Osterfeld die Farbe von den Wänden. Für Bernd und Kerstin Greve waren es damals die ersten eigenen Pinselstriche nach der Übernahme der Traditionsgaststätte „Koopmann“. Die vorherigen Besitzer Horst und Iris Koopmann hatten sich nach Jahrzehnten aus der Eckkneipe im Anfang der 1900er-Jahre erbauten Doppelstockbau zurückgezogen. Kneipenwende.

„Die Räume waren groß und machten einen guten Eindruck“, beschreibt das Paar den pragmatischen Urknall am Osterfelder Zapfhahn. Nach einem Vierteljahrhundert ist viel zusammengewachsen — und manches auseinander gegangen. Denn die Welt verlagert sich Abend für Abend als kleiner Mikrokosmos an die hölzerne Theke. „Ein guter Wirt sollte wissen, was in der Nachbarschaft los ist und etwas erzählen können“, beschreibt Bernd Greve das kleine Einmaleins der Kneipologie. Zu lachen gibt es viel. Und ja, hinter dem Tresen könne er auch mal knurrig werden. Wenn das Theken-Thema von der großen Politik, über das Wetter hastig auf den Fußball flankt und es für Königsblau mal wieder rabenschwarz aussieht.

Galaktisch zusammengewürfelt

Im Hintergrund knallen Würfel auf die Theke. Oft holen sie die Miniatur-Statue des Knobel-Stammtisches hervor. Jedes Mitglied hat ein eigenes, liebevoll in Metall gegossenes Namensschild. Man ist bescheiden. Es knobelt niemand geringerer als „Die Galaktischen“.

Sänger proben, ölen hinterher die Stimme, Handballer treffen sich nach geschlagener Trainingsschlacht. In der Eckkneipe ist es manchmal trubelig. Das Wirtspaar sagt: „98 Prozent der Gäste sind Stammkunden!“ Weil sich die Vornamen der Bekannten doppeln, haben sie hier über Jahre Spitznamen gedichtet. Man kennt sich und erzählt sich so im Grenzland zwischen Eisenheim und Osterfeld-Heide die Geschichten vom „Hühner-Manni“. „Die Gaststätte ist wie unser zweites Wohnzimmer!“

Oben wird geschlafen, unten gezapft

Die Wege sind für die Wirte kurz. Das Haus befindet sich samt der im oberen Geschoss vorhandenen Wohnräume in Familienbesitz. Oben schlafen, unten zapfen. Für die vier Kinder sind Alltag und Gaststätte einerlei. Joelina (20), Laura (21), Marcel (27) und Janina (30) packen mit an. Schon in jungen Jahren erfolgten hier die ersten Greve-Handgriffe: „Beim Schinkenröllchen drehen in der Küche!“

Nicht alles ist romantisch gefärbt. Das Rauchverbot, so Bernd Greve, habe ein Stück Gemütlichkeit aus den Eckkneipen vertrieben. Die großen Feten, sie sind kleiner geworden. Zu Großvaters Zeiten wurden die Pferde auf dem Hof der Kneipe angebunden. Später wurde für die Jugend zum Tanztee aufgespielt. Weit vor dem Discozeitalter. Das ist Vergangenheit.

Stammtisch seit 50 Jahren

Doch es gibt sie weiter. Tage wie diese, wenn man im Veedel Nostalgie spürt. Wenn der Discjockey zum Neujahrsempfang auflegt. Oder beim Sängerfrühschoppen ein Teil der Straße für Bühne und Bierwagen abgesperrt wird. Oder wenn die Altherren-Fußballer der SG Osterfeld in ihrer Sitzecke zum wöchentlichen Stammtisch betriebsam tagen — seit 50 Jahren.

Kürzlich haben die Greves den Hauptraum der Gaststätte renoviert. Für den Winter gibt es Pläne für einen Indoor-Weihnachtsmarkt. Neues ist gefragt und Bewährtes beliebt: Der hausgemachte Filettopf trägt den Namen der Gaststätte. Die Frikadellen sind oft zügig vergriffen. Und manchmal fragen sie an der Theke sogar nach dem Kneipen-Klassiker „Käse am Stiel“ — obwohl dieser doch gar nicht auf der Speisekarte steht.

>> GEBÄUDE AUS DEN 1900er-JAHREN

Die Gaststätte trägt heute den Namen „Haus Koopmann“ und hieß vor den Wirtsleuten Greve nur „Koopmann“. Sie besaß schon vor den 25 Jahren der aktuellen Wirte eine jahrzehntelange Tradition.

Zwei Säle besitzt die Gaststätte. Hier treffen sich u.a. der MGV Eintracht Osterfeld und die Hobbysingers Osterfeld.

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