Lehrermangel

Oberhausen ruft pensionierte Lehrer zurück in die Schulen

Fühlt sich auch mit 68 Jahren wohl in seiner Rolle als Sportlehrer: Peter Huntenburg in der Sporthalle der Friedrich-Ebert-Realschule in Oberhausen-Sterkrade.

Foto: Simon Gerich

Fühlt sich auch mit 68 Jahren wohl in seiner Rolle als Sportlehrer: Peter Huntenburg in der Sporthalle der Friedrich-Ebert-Realschule in Oberhausen-Sterkrade. Foto: Simon Gerich

Oberhausen.   NRW hofft auf die Lehrer in Rente: Peter Huntenburg ist 68 und Sportlehrer in Oberhausen. Warum er nicht in den Ruhestand geht und damit hilft.

Graue Haare hat er, aber aufs Pauschenpferd kommt er immer noch allein: Peter Huntenburg ist ein Rückkehrer – obwohl er nie wirklich weg war. 37 Jahre hat er an verschiedenen Schulen in Duisburg als Sportlehrer unterrichtet. Eigentlich könnte er heute seinen Ruhestand genießen, wie es immer so schön heißt. Aber Huntenburg macht einfach weiter. Seit zweieinhalb Jahren ist er Vertretungslehrer an der Friedrich-Ebert-Realschule in Sterkrade. Dort ist er einer von drei Lehrern, die aus dem Ruhestand zurück sind.

Und das ist so gewollt: Die Pensionäre zurück ins Klassenzimmer zu holen, ist das Ziel der Landesregierung. Sie lockt die Lehrer ab sofort mit neuen Anreizen, demnächst fällt die Hinzuverdienstgrenze. Pensionierte Lehrer dürfen dann landesweit so viel arbeiten, wie sie wollen. Am Ende haben sie auch mehr Geld auf dem Konto.

Hintergrund ist der Lehrermangel in NRW.

Zu wenig Lehrer bedeutet vor allem eins: ersatzlos gestrichener Unterricht. Der Ausfall ist auch ein dringendes Thema in Oberhausen. Schulleiterin Erika Ilgen: „Jede Stunde Unterricht, die ausfällt, gefährdet das Bildungsziel der Schüler.“

Peter Huntenburg musste niemand zurückholen. Die Stelle suchte sich der Rentner damals selbst über „Verena“, das Internetportal für Vertretungsstunden des Landesschulministeriums. „Als ich die Zusage bekommen habe, hab’ ich erstmal gejubelt. Lehrer ist mein Traumberuf“, versichert der mittlerweile 68-Jährige. Bisher verdiente er damit nicht mehr, als wenn er zu Hause bleiben würde.

„Ich habe einfach Lust weiterzumachen.“ Wenn es geht, möchte er noch arbeiten bis er 75 ist, bekräftigt der Sportlehrer.

Mehr Flüchtlinge, mehr Schüler

Darauf hofft auch die Schulleiterin. „Es sind einfach mehr Schüler durch die Flüchtlingskrise da, als gedacht, dafür kann niemand was“, betont sie. An der Friedrich-Ebert-Realschule sind das etwa 100 Schüler. 20 Schüler mehr heißt für Ilgen: Die Schule braucht einen Lehrer zusätzlich. Fünf Lehrer „backen“, das funktioniere nicht. Das Modell der Reaktivierung von altbewährten und noch motivierten Lehrern findet sie daher gut, bezeichnet es als „kreativ“.

„Die Regelung ist ein guter Baustein zur Überbrückung. Aber langfristig brauchen wir natürlich neue, junge Lehrer, um das Recht auf Bildung, nicht die Pflicht, zu sichern“, betont sie. Ab Mai bekommt Oberhausen wieder ein paar neue Lehrer. „Alle, die ihr Examen bestehen, werden einen Job finden“, ist sich die Schulleiterin sicher. Die Mischung zwischen erfahrenen und neuen Lehrern ist für sie der Schlüssel zu einer guten Bildung. Deshalb sei sie froh, dass sie Kollegen wie Peter Huntenburg habe. „So fit zu sein, und das in seinem Alter, das ist schon ungewöhnlich.“ Doch wie nehmen die Schüler einen Lehrer wahr, der locker ihr Großvater sein könnte?

Äußerst beliebt

„Ich habe das Gefühl, das Alter spielt für meine Schüler überhaupt keine Rolle“, sagt er selbst. „Ob ich 38 bin oder 68 – das sind für Jugendliche beides unvorstellbare Zahlen.“ Im Sekretariat der Schule der gleiche Tenor: Huntenburg sei äußerst beliebt bei seinen Schülern. Für Schulleiterin Ilgen keine Überraschung. „Die älteren Lehrer sind oft etwas entspannter.“ Die neue Verdienstregelung sieht sie positiv. „Das sind alles nur Vorteile. Im Mittelpunkt steht die Ausbildung der Kinder – nichts anderes.“

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