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Oberhausener Rentner fährt Kitebuggy an Frankreichs Stränden

Marke Eigenbau: Marcel Arnold hat seinen Strandbuggy selbst gebaut – inklusive Absturz-Sicherung.

Foto: Gerd Wallhorn

Marke Eigenbau: Marcel Arnold hat seinen Strandbuggy selbst gebaut – inklusive Absturz-Sicherung. Foto: Gerd Wallhorn

Oberhausen.   Marcel Arnold ist 78, dennoch aktiv wie ein junger Mann. Er fährt Kitebuggy an Stränden in Frankreich: Das ist schnell, aber auch gefährlich.

Ostern, diese Zeit nutzen viele Oberhausener um ausgiebig Urlaub zu machen. Auch der 78-jährige Marcel Arnold fährt los, nach Frankreich, ans Meer. Baden will er dort nicht. Ihm ist wichtig, wie der Mond steht. Die Mondzeiten hat er sich im Kalender markiert. Marcel Arnold muss sich darauf verlassen können, dass auch wirklich Ebbe ist, denn nur dann kann er einsteigen und lossausen. Der Rentner und frühere Bergmann fährt Kitebuggy.

Der 78-Jährige nutzt die trockenen Strände an der französischen Küste für lange Ausfahrten auf Kanalsand. „Ich mache seit 30 Jahren in der Region Urlaub“, erzählt er. Der Weg ist einfach, Autobahn, Tempomat. In vier Stunden sei er da. Die Strecke ist komplett mautfrei und führt durch die Niederlande, Belgien und bis kurz vor den Küstenort Calais. „Das hört sich immer so fern an – Frankreich. Dabei ist es für mich gleich um die Ecke.“

Strand, wohin das Auge reicht

„Ums Eck“ fährt Marcel Arnold von April bis September, Jahr für Jahr. Alle paar Wochen geht es in die Nähe des Eurotunnel, der europäisches Festland und Großbritannien verbindet „Bei Ebbe ist der Strand anderthalb Kilometer breit und zwölf Kilometer lang. Das sind perfekte Bedingungen zum Buggykiting.“

Wenn Arnold dann in Oberhausen ins Auto steigt, hat er sein selbstgebautes Strandgefährt auf dem Anhänger dabei. Außerdem noch ein Zelt, Gaskocher, Klamotten. „Das war’s. Mehr brauche ich nicht.“ Im Kofferraum liegen natürlich ein paar Powerkites. „Das sind die Segel, die habe ich in Taschentuch- oder Leinwandgröße – alle günstig gebraucht gekauft.“

Diese Powerkites ziehen ihn und seinen Buggy mit der Kraft des Seewindes auf drei Rädern über den feinen Sand. Auf bis zu 100 Kilometer pro Stunde kann sein Geschoss beschleunigen. „Das kann sich wie ein wildgewordenes Zebra anfühlen, wenn der Widerstand wächst.“ Buggykiting ist nicht ungefährlich, Verletzungen kommen vor. Bremsen gibt es nicht. Helme sind Pflicht.

Die Gefahr besteht nicht unbedingt in Zusammenstößen mit anderen Menschen oder Strandfahrzeugen – sondern darin, mitsamt Kite aus dem Wagen gehoben zu werden. Für diesen Fall hat Arnold sich eine Self-Made-Sicherung gebaut. Ein Patent dafür will er aber nicht anmelden. Er sei zu alt, das Verfahren zu aufwendig.

Sicherung schützt vor schweren Stürzen

Die Sicherung sorgt dafür, dass, bevor der Wind ihn aus dem Buggy hebt, sich die Seilverbindung zwischen Fahrer und Gleitschirm in der Luft trennt. So stürzt er nicht aus drei oder mehr Metern zu Boden. Mehr als Schürfwunden seien somit ausgeschlossen. „Ohne fahre ich nicht mehr los“, betont der sportliche Rentner.

Sein Schwiegersohn habe ihm vor einigen Jahren den Strandsport gezeigt. Früher war Marcel Arnold auch Drachenflieger. Nach einem Unfall gab er diesen Sport auf. Die Kosten für seine Kurztrips sind überschaubar, „weil die Strecke relativ kurz ist“, sagt Arnold. Vergleichbare einwöchige Pauschalreisen kämen deutlich teurer.

Seine Frau ist bei diesen Ausflügen nicht mehr dabei. Arnold kann sie mit der französischen Küste nicht mehr begeistern. Sie macht oft Städtereisen mit ihren Freundinnen, wenn er ans Meer saust. „Und das ist das Schönste für mich: Dass sie mir auch meine Freiheiten lässt.“

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