Chemieunfall

Säurewolke: Arbeiter kippten Salzsäure in Schwefelsäure-Tank

Bei einem Unfall in einem Chemiebetrieb ist in Oberhausen eine Säurewolke entstanden. Foto: dpa

Bei einem Unfall in einem Chemiebetrieb ist in Oberhausen eine Säurewolke entstanden. Foto: dpa

Oberhausen.  Bei einem Unfall in Oberhausen ist eine Rauchwolke entstanden. Das Unternehmen spricht von menschlichem Versagen als Ursache des Unglücks.

Der Zwischenfall mit einer großen Säurewolke in Oberhausen ist nach Angaben des betroffenen Chemiebetriebs durch einen Fehler beim Entladen eines Schiffes ausgelöst worden. Es sei Salzsäure in einen Tank mit Schwefelsäure eingeleitet worden, sagte Hamm-Chemie-Betriebsleiter Axel Knauber am Donnerstag. Über Stunden war die Säurewolke über Teile der Stadt gezogen.

Beim Unfall selbst sind nach Feuerwehrangaben keine Menschen verletzt worden. Zwei Mitarbeiter eines angrenzenden Betriebs wurden im Krankenhaus untersucht. Schulen und Kindergärten habe man unterrichtet, dass die Kinder in den Gebäuden bleiben sollen. Um 13.30 Uhr gab es dort bereits teilweise Entwarnung: Die Kinder konnten den Heimweg antreten. Etwa eine Stunde später wurde auch Warnung an die Anwohner, Türen und Fenster geschlossen zu halten, aufgehoben. Das bestätigte die Feuerwehr. Das Abpumpen des Beckens war zu diesem Zeitpunkt noch nicht beendet. In den Abendstunden solle es so weit sein, so ein Feuerwehrsprecher.

Die Feuerwehr war mit Messfahrzeugen unterwegs, um Schadstoffwerte in der Luft zu erfassen. Ergebnis: Es habe zu keinem Zeitpunkt Gefahr für die Bevölkerung bestanden - an keinem der Messpunkte, weder in der näheren noch in der weiteren Umgebung.

Hamm-Chemie-Betriebsleiter Knauber sprach von "menschlichem Versagen" und bat die Menschen in Oberhausen um Entschuldigung. Die Kriminalpolizei kläre derzeit die Details und spreche mit den erfahrenen Mitarbeitern, die alle seit mindestens zehn Jahren im Unternehmen arbeiteten. Knauber schätzte den materiellen Schaden am Tank auf rund 1,5 Millionen Euro. Der rund 3000 Tonnen fassende Tank sei zurzeit des Unfalls mit ungefähr 300 bis 400 Tonnen gefüllt gewesen.

Giftgas entweicht in Oberhausen

Ein Leck in einem Schwefelsäure-Tank eines Chemie-Werks an der Buschhausener Straße verursachte eine Giftwolke über Oberhausen.

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Die Stadt Oberhausen richtete einen Krisenstab ein, sagte der Beigeordnete für öffentliche Ordnung. Trinkwasser sei durch den Säureaustritt nicht gefährdet. Es werde auch Wasser in Kläranlagen gespült. Krankenhäuser seien informiert worden.

Die sichtbare Säurewolke hatte sich am Vormittag über mehrere Hundert Metern ausgedehnt und war in Richtung Nordost gezogen. Die Einsatzkräfte setzten Wasserwerfer ein, um sie zu bekämpfen. Die Stadt Oberhausen richtete ein Bürgertelefon ein, an das sich Anwohner mit Fragen zu der Schadstoffwolke wenden können: 0208/825-3168.

Erhebliche Verkehrsbehinderungen

Die Behörden sicherten den Bereich weiträumig ab. Dadurch kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. "Mehrere Hauptverkehrsadern sind gesperrt", sagte ein Polizeisprecher am Mittag. Auch der Verkehr auf der Autobahn 42 war stark beeinträchtigt. Die Autobahn war bis in die Mittagstunden gesperrt. Auch die Bahnstrecke zwischen Wesel und Düsseldorf war betroffen: Hier fuhren keine Züge. Um 13.41 Uhr meldete die Stadt Oberhausen auf ihrer Seite, dass der Verkehr wieder freigegeben ist.

Entgegen anders lautenden Informationen der Polizei Oberhausen blieb das Einkaufszentrum Centro laut Marketing-Manager Philip Marz geöffnet. Alle Zufahrten seien frei. Der Aquapark hingegen bleibt am Donnerstag geschlossen, auch die Tiere im Kaisergarten bleiben in den Ställen. Das Training der ersten Mannschaft und aller Jugendteams von Rot-Weiß Oberhausen wurde abgesagt. Auch der Fanshop bleibe geschlossen, teilte der Verein mit. (red/dpa)

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