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Tiefe Einblicke in die Oberhausener Stadtkanzlei

Demonstranten fordern „Kies muss weg“ – denn die neue Oberbürgermeisterin denkt gar nicht daran, ihre Wahlversprechen einzuhalten.

Foto: Theaterstudio

Demonstranten fordern „Kies muss weg“ – denn die neue Oberbürgermeisterin denkt gar nicht daran, ihre Wahlversprechen einzuhalten. Foto: Theaterstudio

Oberhausen.   Gekonnt spielt das Theaterstudio die Komödie „Ohne Kies ist’s mies“: Eine Newcomerin durchkreuzt die „geregelte“ Nachfolge im Amt der Oberbürgermeisterin.

Als Außenstehender kann man ja nur mutmaßen, wie es im Rathaus so zugeht. Die beiden Theater-Autoren Brigitte Wiese und Patrick Siebler scheinen’s zu wissen. Das Theaterstudio des Katholischen Bildungswerks setzte ihre Komödie „Ohne Kies ist’s mies“ jetzt in die Tat um. Der Ort: die Oberhausener Stadtkanzlei, das Büro des Oberbürgermeisters. Im Katholischen Stadthaus war die Premiere.

Die Namen der Akteure waren natürlich frei erfunden, jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen nicht beabsichtigt. Aber Mandy Schick (Alexandra Ridder), Vera Knauser (Gabi Richter) und Gerda Müller-Vorfelder (Silke Slavik) haben die Arbeit nicht erfunden. Mandy ist die Sekretärin der Oberbürgermeisterin (Marianne Real), einer würdigen Dame, die bald in Pension geht.

Gerda hat noch Ambitionen

Und wie Mandys Name erahnen lässt, ist sie vor allem auf ihr Äußeres bedacht. Wann immer sie die Gelegenheit hat, holt sie ihren Schminkkoffer hervor. Vera ist die Stadtkämmerin, immerhin auf Sparsamkeit bedacht. Und Gerda, die Hauptamtsleiterin, hat noch Ambitionen. Es sieht so aus, als könnte sie die Nachfolge der Oberbürgermeisterin antreten. Das Trio meint bei ergiebigen „Dienstbesprechungen“ (Kaffeepausen) die Stadt im Griff zu haben.

Wenn da nicht noch die OB-Wahl durch die Bürger wäre und plötzlich eine Gegenkandidatin von auswärts auf den Plan treten würde: Susi Kies (Kirsten Hörold-Menke), eine selbstbewusste Mitvierzigerin: „Ich bin studierte Economy Development Managerin!“ Sie stürzt das Stadtkanzlei-Trio in helle Aufregung. Denn Susi Kies (Wahlspruch: „Ohne Kies ist’s mies!“) kündigt an, im Rathaus gründlich aufzuräumen, den Laden flotter zu machen. Vor allem verspricht sie das Blaue vom Himmel: Rosa Flodder (Beate von Schwedler-Görtz), der Sozialhilfeempfängerin, soll es nach ihrer Wahl besser ergehen und Joschka Tritthin (Udo Binert), der Umwelt-Aktivist, soll alle Un­ter­stützung bekommen, um seinen vom Aussterben bedrohten Lätta-Bomber-Nagerkäfer zu retten.

Mit ihrer spröden Ansprache fällt Gerda bei der Wahl glatt durch. Susi Knies zieht alle Register der Demagogie: „Als ich kürzlich über die Marktstraße spazierte, dachte ich, welch ein Glück muss es sein, hier wohnen zu dürfen!“ Aber nach ihrer Wahl ist sie nicht mehr wiederzuerkennen. Sie genehmigt sich einen Ferrari als Dienstwagen, baut damit prompt einen Unfall und fällt monatelang aus. Das lästige Trio hat sie vorher aber noch zum Bauhof versetzt.

Die Rollen sind gekonnt gestaltet

Weil in der Stadtkanzlei Blutspuren gefunden werden, geht man von einem Anschlag auf Kies aus. Eine Kriminalbeamtin (Sigrid Woynack) ermittelt. Die Kommunalaufsicht wird wegen der Dienstwagen-Affäre eingeschaltet. Kies lässt sich durch eine Anwältin (Anita Nerrlich) vertreten. Und mit ihrer Suspendierung zieht das Trio wieder in die Stadtkanzlei ein.

Anna Polke, Schauspielerin am Theater Oberhausen, führt Regie. Gekonnt sind die Rollen gestaltet. Auch die Ausstattung sitzt – von den Gummilatschen der Sozialhilfeempfängerin bis zur feuerroten Lederjacke der Ferrari-Fahrerin. Und weil es im Katholischen Stadthaus keine räumliche Trennung zwischen Bühne und Publikum gibt, können die Zuschauer/Bürger mal hautnah am Geschehen in der Stadtkanzlei teilhaben.

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