Kinder-Konzert

Tini in der Arena Oberhausen - Spanisch für Kreisch-Anfänger

Tanzen, singen, die Haare im Schwall der Windmaschine wehen lassen: Martina Stoessel alias Tini lockte am Donnerstag 4000 Fans in die nur zu einem Drittel gefüllte König-Pilsener-Arena in Oberhausen.

Foto: Jörg Schimmel

Tanzen, singen, die Haare im Schwall der Windmaschine wehen lassen: Martina Stoessel alias Tini lockte am Donnerstag 4000 Fans in die nur zu einem Drittel gefüllte König-Pilsener-Arena in Oberhausen. Foto: Jörg Schimmel

oberhausen.   Martina Stoessel alias Tini begeisterte ihre Fans in der Arena Oberhausen. Mit zwei Konzerten verhob sich der 20-jährige Violetta-Star jedoch.

Die König-Pilsener-Arena hat in den vergangenen Wochen kräftig umgebaut: Wenn man den Auftritt der 20-jährigen Argentinierin Martina Stoessel am Donnerstagabend beobachtete, wurde offenbar in eine leistungsstarke Klimaanlage investiert. Die Haare der jungen Popsängerin wirbelten von einer Seite zu anderen — wie in einem Herbststurm.

Dass sich die Lockenmähne während des 90-minütigen Kreisch-Konzerts zwischen baustellenähnlichen Gittergerüsten und grell übereinander gestapelten Scheinwerferkegeln so stark bewegte, lag natürlich an der nimmermüde pustenden Windmaschine und war Teil einer auch sonst durchgestylten Show.

Die Schauspielerin und Sängerin kann bei ihrer „Get me started“- Tournee auf ihre jungen Fans zählen: Ihr Weltruhm begann mit einer Rolle in der Disney-Serie „Violetta“. Nun möchte sie erwachsen sein. Ihr Publikum musste allerdings vorher überwiegend die Eltern um Erlaubnis fragen. Los geht die Tini-Begeisterung im Grundschulalter und in der Mittelstufe ist sie längst schon abgeschlossen.

Manche Eltern feiern mutig mit

So gibt es mutig mitfeiernde Eltern, allerdings auch Mütter und Väter, die über den Kreisch-Kosmos um sich herum hoffnungslos rätseln. Kann es nicht ein bisschen mehr Stoff sein, wird mancher Erziehungsberechtigte beim doch sehr knapp geschnittenen beinfreien Glitzer-Body angesichts all der Zugluft gedacht haben. Aber da das Erwachsenwerden bei ehemaligen Disney-Stars bekanntlich schon ganz andere Auswüchse angenommen hat, wird geschwiegen. Hannah Montana alias Miley Cyrus und ihre eigentümlichen Eskapaden lassen schließlich warnend grüßen.

Das Tini-Konzert bleibt von solchem Skandal-Potenzial weit entfernt. Rund 15 Mal wechselt die zierliche junge Frau ihr Kostüm. Tanzt im weißen Ballkleid, im schicken roten Vamp-Dress. Ein bisschen Cher, ein bisschen Beyonce — die Vorbilder sind erkennbar. Videos zeigen Anleihen an die Popkultur aus der Videoclip-Ära. Aber es flimmern auch viele Erinnerungen an frühe Auftritte als Seifenopern-Star über die breiten Monitore. Ganz so einfach ist der Wandel zur Pop-Prinzessin eben nicht.

Neon-Schriftzug liebevoll in Miniatur nachgebaut

„Habt ihr Spaß und wollt mit mir eine Party feiern?“, fragt sie freundlich mit spanischem Akzent auf Deutsch. Sie lächelt dabei, ihre Blicke suchen die Kamera, die ihren Dank auf den Leinwänden multipliziert. Sie kennt die Posen aus dem Musik-Geschäft. Mit einem Doppelkonzert hat sie sich in Oberhausen allerdings übernommen: Am Donnerstag ist die Arena mit 4000 Anhänger nur zu gut einem Drittel belegt. Beim zweiten Konzert am Freitag sind es immerhin deutlich mehr.

Die Fans geben für ihr Idol trotzdem alles: Den mit kleinen Neon-Lämpchen umrahmten Schriftzug aus der Bühnenkulisse hat ein Grüppchen liebevoll in Miniatur nachgebaut. Während der gesamten Show hantieren sie beharrlich mit strahlenden T und I und N und I.

Herz und Schmerz

In ihren Songs geht es um Freundschaft, Herz und Schmerz — viele sind auf Englisch, überwiegend singt das junge Publikum wie bei „Confia en mi“ aber verblüffend sicher die spanischen Texte mit. Spanisch für Kreisch-Anfänger. Manche Eltern mögen murmeln: „Muchas gracias!“ Es erinnert an die deutschen Jungspunde von Tokio Hotel, die zwischenzeitlich im Ausland Teenager auf Trab brachten, in Deutsch-Kurse zu stürmen.

Vieles, was Tini besingt, haben ihre Konzertbesucher noch vor sich: Wenn Einspieler einen schüchternen Filmkuss zeigen, sorgt das in der Arena für Mittelohrprobleme. Irgendwie peinlich, irgendwie toll, irgendwie: Kreiiiisch!

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