Energiewende

Geplanter Netzausbau alarmiert die Bürger

Die Einspruchsfrist zum Netzausbau läuft am 10. Juli ab.

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Die Einspruchsfrist zum Netzausbau läuft am 10. Juli ab. Foto: dapd

Düsseldorf.  Nur noch bis 10. Juli können Bürger gegen die neuen Stromautobahnen Einspruch einlegen. Bislang sind nicht einmal 200 Stellungnahmen eingegangen. Bürgerinitiativen sind besorgt wegen des Elektrosmogs, der entstehen könnte. Zwei neue Stromautobahnen sind geplant.

Plötzlich wird die Energiewende vor der eigenen Haustür konkret. Vier große Trassen sind nötig, um nach dem Atomausstieg im Jahr 2022 ausreichend Ökostrom von den Windparks im Norden zu den Verbrauchern in der ganzen Republik zu leiten. Zwei dieser neuen „Volt-Autobahnen“ und zahlreiche Ertüchtigungen sieht der „Netzentwicklungsplan 2012“, den die vier deutschen Netzbetreiber aufgestellt haben, auch für NRW vor. Bürgerinitiativen, Kommunalpolitiker und Umweltschützer sind alarmiert, denn bereits 10. Juli endet die Frist für Einwände.

Bislang sind nach Informationen der WAZ Mediengruppe bundesweit auf der eigens geschalteten Internet-Plattform www.netzentwicklungsplan.de nicht einmal 200 Stellungnahmen eingegangen. Das Thema Netzausbau ist kompliziert und bei vielen noch nicht angekommen. Klar ist nur, dass der Strom schon in zehn Jahren einen weiteren Weg nehmen muss als heute und stärkere Leitungen braucht.

Zwei Stromautobahnen durch Deutschland

Techniker haben errechnet, dass eine neue Stromautobahn von Emden nach Meerbusch-Osterath und von dort nach Philippsburg in Baden-Württemberg verlaufen soll. Eine zweite würde sich von Wehrendorf in Niedersachsen durch Westfalen nach Urberach in Hessen ziehen. Eine genaue Trassenplanung „mit mastscharfen Standorten“ könne erst beginnen, wenn die Bundesregierung zum Netzentwicklungsplan ein entsprechendes Gesetz verabschiedet habe, erklärt Christoph Dörnemann, „Leiter Asset Planung“ beim für NRW zuständigen Höchstspannungsnetz-Betreiber Amprion (früher RWE) mit Sitz in Dortmund. Er warnt: „Wir müssen 2022 zu jeder Stunde fähig sein, die im Norden von Windkraftanlagen produzierte Strommenge abzutransportieren, sonst droht ein Netzkollaps.“

Die zahlreichen Bürgerinitiativen, die sich zuletzt bei einer Informationsveranstaltung der NRW-Energieagentur in Düsseldorf versammelten, treibt jedoch eine ganz andere Sorge um. Die neuen großen Nord-Süd-Trassen können zwar mit einer modernen Gleichstrom-Technik ausgerüstet werden, die wesentlich leistungsfähiger und für den Menschen weniger schädlich ist. Gleichstrom braucht jedoch bis 300 Millionen Euro teure Umrichter und kommt deshalb nur bei langen Punkt-zu-Runkt-Verbindungen zum Einsatz. Was aber geschieht mit den rund 400 Kilometern des bestehenden NRW-Netzes, die von bisher üblichen 220.000-Volt-Überlandleitungen auf 380.000 Volt hochgerüstet werden sollen?

60 Meter hohe Masten gegen Elektrosmog

95 Prozent dieser zu ertüchtigenden Leitungen sollen auf herkömmlichen Trassen verlaufen. „Jede Trassenänderung schafft neue Betroffenheit“, erklärt Amprion-Sprecher Andreas Preuß. Das Problem: Um die bislang geltenden Elektrosmog-Grenzwerte am Boden bei stärkeren Leitungen einhalten zu können, planen die Betreiber mit bis zu 60 Meter hohen Riesenmasten.

Meerbusch, große Teile des Niederrheins um Wesel, der Bonner Raum, im nördlichen Ruhrgebiet – an vielen bisherigen Knotenpunkten unseres heutigen Stromnetzes wächst die Sorge, dass im Eifer der Energiewende die Furcht vor krebserregendem Elektrosmog und einer Verschandelung der Landschaft nicht ernst genommen wird. „Wie sollen wir als einfache Bürger uns denn gegen hochtechnischen Berechnungen zur künftigen Netzstabilität wehren“, wird geklagt. Die vielfach diskutierte Erdverlegung der Stromkabel gilt als zu teuer und stößt bei Landwirten auf Widerstände, die eine Erwärmung ihrer Felder fürchten. Die Forderung nach einer kleineren, dezentralen Energiegewinnung ohne neue Stromautobahnen läuft bislang bei Experten ins Leere.

Für das grüne NRW-Umweltministerium ist der heraufziehende Streit um den Netzausbau ungemütlich. Einerseits sind die Grünen glühende Befürworter eines raschen Atomausstiegs, andererseits verstehen sie die Nöte der Naturschützer mit dem Netzausbau. NRW-Umweltstaatssekretär Udo Paschedag versichert, dass man keine Abstriche beim Umweltschutz dulden werde und in der künftige Landesplanung die Bürgerbelange sogar stärken wolle: „Wir lassen uns die Akzeptanz für den Netzausbau nicht kaputt machen, indem wir mit der Betonwalze durch die Natur fahren.“

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