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Die Wahl ist vorbei, aber viele Fragen bleiben offen – Der Wahl-Newsletter der WAZ

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Hier entstehen Teile des WAZ-Wahl-Newsletters. Überschrift = Betreff, Fließtext = Editorial.

wer am Wahlsonntag der Bundestagswahl 2021 einen spannenden, ja dramatischen Tag erwartet hatte, wurde nicht enttäuscht. Bis in den späten Abend hinein blieb unklar, welche Partei letztlich als Wahlgewinnerin dastehen würde: Am Ende war es die SPD, die sich knapp vor der Union durchsetzte. Die Sozialdemokraten feierten zwar ihren Spitzenkandidaten Olaf Scholz, wussten aber nicht, ob sie später auch die Regierung anführen bzw. den Bundeskanzler stellen werden. Letztlich wissen sie es bis heute nicht… weil es niemand weiß. Der Nebel hat sich etwas verzogen, aber Koalitionsgespräche haben noch lange nicht begonnen.

Dafür müsste man auch erst einmal wissen, wer die Gespräche für die jeweilige Partei überhaupt führt. Klar ist es mit Scholz bei der SPD, eindeutig ist es ebenfalls bei der FDP, in der Christian Lindner einen Ein-Mann-Wahlkampf führte und mit seinen Liberalen sehr, sehr wahrscheinlich eine wichtige Rolle in der künftigen Bundesregierung spielen wird. Nebulöser ist die Rollenverteilung bei den Grünen. Hier spricht einiges dafür, dass Robert Habeck in die erste Reihe vortritt, während sich Annalena Baerbock nach einem durchwachsenen Wahlkampf mit einem ebenso durchwachsenen Ergebnis wohl etwas zurückziehen wird.

Das größte Fragezeichen steht hinter der Union. Mit Armin Laschet an der Spitze haben CDU und CSU das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte eingefahren. Dies hatte verschiedene Gründe; ein wesentlicher war, und da sind sich mittlerweile alle Beobachter einig, die insgesamt schwache Rolle Laschets. Der kämpft derzeit um sein politisches Überleben. Allerdings halten sich hartnäckig die Gerüchte und Hinweise, dass Laschet seine Macht verlieren wird. Ob dann wirklich CSU-Chef Markus Söder bereitsteht, um mögliche Jamaika-Gespräche zu moderieren und am Ende gar als Kanzler in Frage zu kommen, werden vielleicht die nächsten Stunden, sicher aber die nächsten Tage zeigen.

Wäre es so, dann würden Söder, Lindner und Habeck über eine mögliche Regierungskoalition verhandeln. Eine Konstellation, die angesichts der ursprünglichen Kandidaten Laschet, Scholz und Baerbock nun wahrlich nicht absehbar war. Und wie würde die Grünen-Basis auf diese Planspiele reagieren, so sie denn konkretere Formen annehmen? Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt als erste Frau im Bundespräsidialamt? Wäre das der Preis, würde das schon reichen?

Kurz nach der Wahl überwiegen die Fragen, Antworten gibt es nur beschränkt. Offen ist natürlich auch, ob vielleicht doch eine Ampelkoalition mit dem Kanzler Olaf Scholz zustande kommt. Welchen Preis würde die FDP dann aufrufen?

Die Politik in Berlin ist derzeit nur bedingt durchschaubar, selbst viele politisch Handelnde selbst dürften im Augenblick noch nicht entschieden haben, wie sie sich in Kürze zu Personalien und Themen positionieren werden. Es bleiben spannende Zeiten, auch wenn die Bundestagswahl seit Sonntag offiziell beendet ist.

Ich darf mich an dieser Stelle als Autor unseres Wahlnewsletters verabschieden und den Ball nach Berlin weiterspielen. Künftig begrüßt sie an dieser Stelle der Chefredakteur unserer Berliner Zentralredaktion, Jörg Quoos. Unter dem Titel „Inside Berlin“ bietet er Ihnen wöchentlich aktuelle Nachrichten und Einschätzungen aus der Bundeshauptstadt.

Ich bedanke mich herzlich für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche ihnen alles Gute! Bleiben Sie der WAZ gewogen!

Ihr Andreas Tyrock
WAZ-Chefredakteur

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