Dr. Sippel: Gesellschaft ist am Stress-Limit

Warstein.   Gegen die „Psychiatrisierung von Normalität“ hat sich der Ärztliche Direktor der LWL-Kliniken in Warstein und Lippstadt, Dr. Volkmar Sippel, gewandt. „Wir sind in unserer Gesellschaft einem Optimierungswahn verfallen“, sagte er am Rande des 20-jährigen Jubiläums des Klinik-Magazins in Warstein.

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Gegen die „Psychiatrisierung von Normalität“ hat sich der Ärztliche Direktor der LWL-Kliniken in Warstein und Lippstadt, Dr. Volkmar Sippel, gewandt. „Wir sind in unserer Gesellschaft einem Optimierungswahn verfallen“, sagte er am Rande des 20-jährigen Jubiläums des Klinik-Magazins in Warstein.

Immer neue Anforderungen

„Im Optimierungswahn erscheinen Menschen behandlungsbedürftig, die vor 20 Jahren nicht diagnostiziert worden wären.“ Der Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie kritisierte ständig neue Anforderungen an den berufstätigen Menschen, unter anderem an IT-Kenntnisse, an Mobilität und Flexibilität. „Das bringt unsere Gesellschaft an ein Stress-Limit, an dem die Normalität psychiatrisiert wird.“

Sippel plädierte dafür, das Wissen seines Fachgebietes anders einzusetzen: „Psychiatrie muss der Gesellschaft den Spiegel vorhalten, sie sollte sich mehr in Richtung Prävention entwickeln.“ Besonders relevant ist seiner Ansicht nach die Mutter-Kind-Behandlung: „Wir denken gerade Depressions-Stationen an, die verhindern, dass eine seelische Krise der Mutter auf das Kind induziert wird.“

Umweltfaktor

„Man kann mit der Arbeit mit Mutter und Kind verhindern, dass die Krankheit innerhalb der Familie weitergegeben wird“, zeigt sich der Mediziner von den LWL-Kliniken überzeugt. Der soziale und der Umweltfaktor hätten dabei neuen Studien zufolge größeren Einfluss als der genetische.

Sippel zufolge muss sich die Psychiatrie öffnen auch im Umgang mit Fremden, die nach Deutschland kommen. Psychiatrie für Migranten, transkulturelle Psychiatrie – da tue sich ein weites Feld auf. Der Stress der Migration lasse viele Menschen psychisch krank werden.

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