Vor dem Car Symposium in Bochum

Autmobilmanager Forster: „Elektroauto-Quote ist keine Lösung für Europa“

Geely-Aufsichtsrat Carl-Peter Forster vor der neuen Elektro-Version des klassischen London-Taxis, die von dem chinesischen Hersteller gebaut wird.

Foto: Vanouch Balian

Geely-Aufsichtsrat Carl-Peter Forster vor der neuen Elektro-Version des klassischen London-Taxis, die von dem chinesischen Hersteller gebaut wird.

Der bekannte Automobilmanager Carl-Peter Forster und heutige Geely-Aufsichtsrat hält nichts von einer Quote für Elektromobilität.

Carl-Peter Forster zählt zu den international renommiertesten Managern in der Automobilbranche. Vor seinem Vortrag beim bereits 18. Car Symposium von Professor Ferdinand Dudenhöffer am Donnerstag in Bochum spricht der Vorstand des chinesischen Autobauers Geely im Interview mit Gerd Heidecke über Elektromobilität.

Zu Geely gehören Volvo und der Hersteller des bekannten London Taxi, das jetzt neu in einer elektrifizierten Version auf den Markt kommt. Wie groß ist der Anteil von Elektroautos im Geely-Konzern, und in welche Richtung entwickelt er sich?

Carl-Peter Forster: Im Moment ist der Anteil von Elektrofahrzeugen aus dem Hause Geely noch gering – aber das Unternehmen wird gewaltig aufholen. So kommen allein in diesem Jahr fünf neue Fahrzeuge zum Serienanlauf.

In Europa haben wir mit LEVC das erste Elektrotaxi – einen Siebensitzer, der das klassische London Taxi ersetzt – gelauncht. Es kommt auch nach Deutschland. Und die Marke Polestar wird Elektromobilität im neuen Stil erfahrbar machen.

Wann will Geely als eigene Marke auf dem europäischen Markt erscheinen?

Carl-Peter Forster: Geely ist als eigene Marke in China und anderen asiatischen Märkten sehr erfolgreich und produziert und verkauft im Moment rund 1,5 Millionen Fahrzeuge pro Jahr. In einigen anderen Exportmärkten wie zum Beispiel Russland ist Geely ebenfalls vertreten. An eine Präsenz von Geely auf dem deutschen Markt ist im Moment nicht gedacht.

„Politik muss Rahmenbedingungen schaffen“

China schreibt den Autoherstellern ab 2019 eine Quote für Elektroautos vor. Sie müssen etwa zwei bis fünf Prozent ihrer Neuwagenverkäufe mit reinem Batterieantrieb oder als Plug-in-Hybrid mit zusätzlichem an der Steckdose aufladbarem Elektromotor verkaufen. Ist eine Quote auch für Europa und speziell Deutschland der richtige Weg für die schnellere Verbreitung von Elektroautos?

Carl-Peter Forster: Ich glaube nicht, dass Quotenregelungen für den deutschen beziehungsweise europäischen Markt die richtige Lösung sind. Politik und Gesellschaft müssen die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, um die Verbreitung der Elektromobilität zu fördern und so die Verbraucher zu begeistern. Länder wie beispielsweise Norwegen machen anderen Staaten da im Moment vor , wie es geht: Vor allem im Bereich Infrastruktur! Sogar am Polarkreis konnten wir unser Elektrotaxi von LEVC bei Testfahrten unter eisigen Bedingungen problemlos laden.

Was ist der Hauptgrund für die Zurückhaltung gerade der Privatkäufer gegenüber dem Elektroauto? Ist es eher der hohe Preis, die zu geringe Reichweite oder die unzureichende Lade-Infrastruktur mit zu wenigen Stromtankstellen?

Carl-Peter Forster: Der Hauptgrund für die Zurückhaltung ist sicherlich das mangelnde Vertrauen in die Reichweite und in die Technik insgesamt. Hier muss viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Ein Beispiel? Wir erleben ja selbst im Moment, wie zurückhaltend die Käuferinnen und Käufer sind: In London, wo die ersten unserer Elektrotaxis erfolgreich unterwegs sind, stellen interessierte Taxifahrer die Frage, ob die Batterien beispielsweise auch durchhalten, wenn es regnet oder dunkel ist – also viele elektrische Verbraucher versorgt werden müssen. Dazu kommt die Unsicherheit der Entwicklung der Lade-Infrastruktur und damit die Frage nach der Reichweite. Auf dem Taximarkt bieten wir deshalb unser Fahrzeug mit einer Batteriereichweite von 90 Meilen an – und haben einen kleinen Volvo Dreizylinder als Reichweitenverlängerer mit an Bord – für den Fall der Fälle.

Fast 26 Millionen neue Fahrzeuge werden 2018 in China auf die Straße gebracht. Wie schafft China die Lade-Infrastruktur für zukünftig Hunderttausende neue Elektroautos pro Jahr?

Carl-Peter Forster: Gehen Sie einfach mal davon aus, dass China das schaffen wird.

In Ihre Zeit als Vorstandsvorsitzender von Opel und General Motors Europe bis 2009 fiel mit dem Opel Ampera die Entwicklung eines der ersten in Serie gebauten Elektroautos. Nach seiner Einstellung gab es noch keinen Nachfolger. Warum tun sich die meisten europäischen Massenhersteller so schwer damit, Serien-Elektroautos anzubieten?

Carl-Peter Forster: Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren haben in Europa eine Tradition von mehr als 100 Jahren. Dies muss in kürzester Zeit im Bereich der Elektrotechnologie aufgeholt werden: Zuverlässigkeit, Sicherheit aber auch ein vernünftiger Preis spielen hier für die Kunden eine große Rolle. Die Elektromobilität holt auf, aber man muss auch bitte respektieren, dass Entwicklungsschritte und Zyklen auch in der Fertigung berücksichtigt werden müssen.

Der globale Neuwagenmarkt wird für 2018 auf gut 87 Millionen Pkw geschätzt, davon nur wenige Prozent mit einem alternativen Antrieb und nicht mir einem klassischen Verbrennungsmotor ausgerüstet. In welchem Tempo wird sich der E-Antrieb ändern: evolutionär im Laufe einer Generation oder revolutionär ab dem Erreichen einer bestimmten Schwelle?

Carl-Peter Forster: Wir sind in mitten einer sehr progressiv verlaufenden Evolutionskurve. Ich glaube, dass diese ganze Industrie sehr schnell Fahrt aufnehmen wird und dass wir in den nächsten 15 Jahren in der Tat bedeutende Schritte in der Weiterentwicklung unserer Fahrzeuge sehen werden. Dabei wird diese Entwicklung parallel verlaufen – ich glaube nicht an den einen Big Bang sondern verschiedene gleichzeitig verlaufende Entwicklungsstufen, von denen sich vielleicht eine als das Maß der Dinge, als die beste Lösung herausstellen wird .

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