Familie

Ungeplant schwanger: Volle Verantwortung mit 18 Jahren

Jessi Thomassen und ihr Sohn sind auf sich gestellt –

Foto: Jana Naima Fischer

Jessi Thomassen und ihr Sohn sind auf sich gestellt – Foto: Jana Naima Fischer

Warstein.   Jessi Thomassen ist alleinerziehend – legt aber aus besonderen Gründen Wert auf eine intakte Beziehung zum leiblichen Vater des Kindes.

Jessi Thomassen ist 18, als sie einen Teststab in der Hand hält. Zwei Streifen. Positiv. Sie ist schwanger.

Geplant war das so nicht. Aber für mich kam eine Abtreibung nicht infrage.


Sie verschweigt ihre Schwangerschaft. Einen Monat, zwei, drei. Sie geht zu den Ämtern, kümmert sich um die Unterstützung, die sie in den nächsten Monaten brauchen wird. Sucht eine Wohnung für sich und ihr Baby. Erst, als sie den Vertrag unterschrieben hat, traut sie sich, es ihren Eltern sagen.

Sie sitzen zusammen vor dem Fernseher. „Teenie-Mütter“ flimmert über den Schirm. „Wie bezeichnend das war“, erinnert sich Jessi Thomassen und muss sogar lachen. Eine Stunde lang schaut sie mit ihren Eltern fern. Unruhig, gespannt, aufgeregt. Dann platzt es aus ihr heraus. „Ich muss euch etwas sagen.“ Ihre Eltern reagierten fast gelassen.

Jessi Thomassen hockt bei ihrem Sohn auf dem Spielteppich. Sie kreist einen Fidget-Spinner in der Hand und spielt das Spiel mit, das jedes kleine Kind so gerne spielt: Wegwerfen-und-aufheben-lassen.

Ich bin sehr entspannt geworden und spontan. Das muss man sein als Alleinerziehende.
Simons Papa trennt sich nach zwei Monaten. Zu jung, zu früh. Er holt seinen Sohn alle zwei Wochen. Jessi Thomassen ist das sehr wichtig. „Simon soll wissen, dass seine Eltern sich gut verstehen, dass sie miteinander auskommen und dass wir alle seinen Geburtstag zusammen feiern können.“ Sie klingt reifer als andere 20-Jährige.

Ich hab von Anfang an alles allein gemanagt. Vielleicht, weil ich früh Verantwortung – auch für meine beiden Geschwister – übernommen habe.
Sie lernt nach und nach, wann sie ihren Sohn füttern muss, wie sie ihn anziehen muss, wann er schlafen muss. Nach einigen Monaten zieht sie in eine neue Wohnung. Das kann sie nur, wenn Simon schläft. Sie trägt ihn ins Auto, schleppt Sachen hinauf und hinunter. Beruhigt den Kleinen, wenn er schreit. „Er mochte die neue Wohnung einfach nicht.“ Jetzt ist das anders. Er tapst wackelig durch den Flur, hangelt sich von einem Haltepunkt zum nächsten. Immer gluckst er. „Er ist mein Sonnenschein“, sagt Jessi Thomassen.

Viele Freunde sind gegangen. Sie haben es nicht verstanden, dass ich nicht mehr spontan feiern gehen konnte.

Auch ihre beste Freundin ging. Kein „durch dick und dünn“ mehr.

Nach zwei Jahren Mutterschaftspause will sie eine Ausbildung anfangen. Ihr Chef sagte damals: „Nimm dir die Zeit, wir halten dir einen Platz frei.“ Sie ist dankbar dafür. Das Problem: Die langen Wartelisten in den Kindergärten. Nur wenige Wochen nach der Geburt meldete sie Simon an – zu spät. „Wenn ich keinen Platz finde, wird das mit der Ausbildung schwierig, dann muss ich eine Tagesmutter suchen – und jeden Tag nach Allagen fahren.“

Simon wirft den Baustein und Jessi Thomassen hebt ihn auf, streichelt ihrem Sohn über den Kopf. Sie wirkt reif – und glücklich.

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