Sportwagen

Eine Probefahrt im Mercedes-Benz SLS AMG

Le Castellet.   Erst 33 Exemplare des Mercedes-Benz SLS AMG wurden bisher verkauft. Der Flügeltürer ist auf der Straße eine Seltenheit, im Rennsport jedoch häufiger im Einsatz. Peter Hartmann fuhr in einem Mercedes SLS Safty Car der F1 über den Paul Ricard Circuit.

Ein Selbstversuch kann manchmal aufschlussreich sein. Jedenfalls dann, wenn man sich mit echten Rennfahrern unterhalten möchte. Allerdings liegen zwischen dem eigentlichen Können und dem fachmännischen Verstehen Welten. Eine Ausfahrt mit dem Mercedes-Benz SLS AMG in der GT3 Rennversion hat so manche Unklarheiten beseitigt.

Auf dem hochmodernen Paul Ricard Circuit in Südfrankreich fand eine Begegnung statt, die einen tiefen fahrerischen Eindruck hinterließ. Der SLS AMG, bekannt als Multitalent für die Straße, bei der Formel 1 als Safety Car und im motorsportlichen Wettbewerb als GT3, zeigt verschiedene Gesichter – die alle eins gemeinsam haben, die legendären Flügeltüren.

„Die Idee für eine GT3-Version wurde mit dem Debüt des SLS als Straßenauto geboren. Das Projekt ging dann schließlich vom früheren Mercedes-AMG-Chef Volker Mornhinweg aus. Wir haben damals gesagt, dass ein Kundensportprogramm eine lukrative Herausforderung wäre“, erläutert Tourenwagen-Champion Bernd Schneider, der die gesamten Entwicklungsarbeiten begleitete. Die neue SLS Rennversion wird von AMG in enger Zusammenarbeit mit der HWA AG entwickelt und produziert. HWA ist im Auftrag und in Abstimmung mit Mercedes-Benz Motorsport für Entwicklung und Einsatz der DTM-Teams verantwortlich.

Rennwagen-Atmosphäre

Rennteams können diesen SLS in allen Rennserien nach dem FIA GT3-Reglement einsetzen, beispielsweise in der FIA GT3-Europameisterschaft, den ADAC GT-Masters und der Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring. Mercedes-Benz Motorsportchef Norbert Haug: „Mit dem SLS AMG GT3 beginnt eine neue Ära im Mercedes-Benz Kundenmotorsport.“ Bis heute wurden bereits 33 Autos zum Stückpreis von rund 400.000 Euro verkauft.

„Der SLS GT3 ist ein spezielles Auto mit einer ausgeklügelten Gewichtsverteilung, die perfekt für ein GT3-Fahrzeug ist. Der Gewichtsschwerpunkt ist ziemlich tief und insgesamt ähnelt seine Verteilung der eines DTM-Autos“, erklärt Rennprofi Schneider, der meinen GT3-Einsatz geduldig mit Rat und Tat begleitete. Im Gegensatz zur Rennversion ist das SLS Safety Car der Formel 1 ein nahezu serienmäßiger Flügeltürer. So dominiert im Interieur des GT3 funktionelle Rennwagen-Atmosphäre: Der Überrollkäfig aus Stahl bietet nicht nur Sicherheit für den Fahrer, sondern versteift zusätzlich den Aluminium-Spaceframe. Ähnlich wie in den DTM-Fahrzeugen von Mercedes-Benz befindet sich die Sitzschale in einer Sicherheitszelle aus hochfestem Carbon – hier fühlt man sich sicher aufgehoben.

An einem SLS AMG kommt auch Sebastian Vettel nicht vorbei, dem Official F1 Safety Car. Es startet nicht im Rampenlicht, steht aber vor jedem Grand Prix in der ersten Startreihe und sorgt stets für Sicherheit auf der Rennstrecke.

Nicht immer kommt das Safety Car zum Einsatz, so weist Sepang (Malaysia) eine der niedrigsten Safety Car Wahrscheinlichkeiten auf. Dort wurde es in den vergangenen zehn Rennen nur zwei Mal eingesetzt. Dagegen steht Montreal (Kanada) ganz oben auf der Einsatzliste: Bei sechs der letzten neun Rennen war das Safety Car im Einsatz – mit 67 Prozent eine der höchsten Quoten. Und in diesem Jahr war es bei strömenden Regen ein echtes „Safety Car Rennen“.

Mit integrierter Kamera

Vom Serien-SLS unterscheidet sich das Official F1 Safety Car optisch nur durch die F1-Logos, Carbon-Außenspiegel und den charakteristischen Leuchtbalken mit integrierter TV-Kamera. Im aerodynamisch besonders günstig gestylten Leuchtbalken übernehmen erstmals LEDs sämtliche Lichtfunktionen. Ihre Vorteile gegenüber den früher eingesetzten Glühbirnen liegen in der besonders schnellen Ansprechzeit und dem geringen Stromverbrauch.

Rund 2500 Kilometer fährt das SLS AMG Safety Car im Jahr und reist mit dem Formel 1-Tross rund um den Globus – seit acht Jahren ist der Ex-DTM-Pilot Bernd Mayländer als Fahrer im Einsatz. AMG, als Sportabzeichen von Mercedes-Benz, stellt schon seit 15 Jahren permanent das Safety Car der FIA zur Verfügung – ein werbewirksamer Platz.

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