Corona NRW

Corona NRW: 2150 neue Fälle, Oberhausen ist Risikogebiet

Virologe Dittmer hält nichts von Beherbergungsverbot

Hilft ein Beherbergungsverbot dabei, das Infektionsgeschehen zu kontrollieren? Virologe Ulf Dittmer beantwortet aktuelle Fragen zur Coronakrise.

Beschreibung anzeigen

Essen.  Oberhausen hat einen Inzidenzwert von 52,7 erreicht, Gelsenkirchen und Herne liegen über 100. Damit ist das ganze Ruhrgebiet nun Risikogebiet.

  • In Nordrhein-Westfalen gelten nach Auswertung des Robert-Koch-Instituts (RKI) fast 30 Städte und Kreise als Risikogebiet, das Ruhrgebiet ist auf der RKI-Karte flächendeckend rot gefärbt.
  • Immer mehr Städte führen einen Maskenpflicht in den Innenstädten und Fußgängerzonen ein.
  • Herne hat mit 115,7 Neuinfektionen je 100 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen die höchste Sieben-Tage-Inzidenz in NRW (Vortag: 111,2). Auch Gelsenkirchen hat mit 104,8 den Wert gerissen, ebenso wie Solingen mit 109,3 (Vortag 113,0) und die Städteregion Aachen 106,8. Wuppertal verlässt den tiefroten Bereich, die Sieben-Tage-Inzidenz liegt mit 86,2 aber immer noch sehr hoch (Vortag 103,1) .
  • 92.694 Corona-Fälle (Stand: Dienstag, 20. Oktober, 0 Uhr) hat das Robert Koch-Institut (RKI) seit Beginn der Pandemie für NRW registriert, im Vergleich zu Montag gab es 2150 neue gemeldete Infektionen in NRW, die Inzidenzquote stieg landesweit auf 62,18. Bundesweit wurden 6868 neue Fälle gezählt.
  • 247 Covid-19-Patienten in NRW werden (Stand: Dienstag, 20. Oktober, 6 Uhr) auf einer Intensivstation behandelt. Zum Vergleich: Vor zwei Wochen, am 4. Oktober waren es mit 115 nur halb so viele.
  • Unterstützt vom Branchenverband Dehoga will ein Düsseldorfer Gastronom die Sperrstunde in NRW mit einem Eilantrag vor dem Oberverwaltungsgericht kippen.

Das gesamte Ruhrgebiet als rotes Risikogebiet: Nachdem am Dienstag auch Oberhausen eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen überschritten hat, gelten nun im gesamten Revier verschärfte Maßnahmen zum Coronaschutz. Das Robert-Koch-Institut meldete 2150 neue Fälle für Nordrhein-Westfalen. Damit gibt es in NRW bundesweit die meisten Covid-19-Fälle, das RKI meldet 92.694 Fälle seit Beginn der Pandemie.

Corona in NRW: Mehr Covid-19-Patienten auf Intensivstation

Auch die Zahl der schweren Verläufe nimmt wieder zu: 247 Covid-19-Patienten in NRW werden am Dienstag nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) sowie des RKI auf einer Intensivstation behandelt. Diese Zahl hat sich seit dem 4. Oktober, also innerhalb von zwei Wochen, von 115 nahezu verdoppelt.

Von Juli bis September schwankte die Zahl meist zwischen 60 und 80. Der Höchststand an Intensiv-Patienten war am 10. April mit 657 gemeldet worden. Aktuell sind DIVI und RKI zufolge 70 Prozent der rund 7000 Intensivbetten in NRW belegt.

Corona in NRW: 70.000 Menschen in Quarantäne

Die Ausbreitung des Virus zeigt sich auch an der hohen Anzahl derer, die wegen Corona in häuslicher Quarantäne sind: Nach Angaben von NRW-Gesundheitsminister Laumann betrifft dies aktuell 70.000 Menschen in ganz NRW. Trotz Personallücken in den Gesundheitsämtern seien die nötigen Tests und Nachverfolgungen der Infektionsketten grundsätzlich aber gewährleistet, sagte er am Samstag im Deutschlandfunk.

Rund 350.000 Corona-Tests pro Woche in NRW

NRW teste rund 350.000 Menschen pro Woche auf eine Infizierung mit dem Coronavirus - möglich seien derzeit sogar 400.000 pro Woche. Das Gesundheitssystem habe noch „sehr viele Kapazitäten“ zur Versorgung Infizierter - auch in der Intensivmedizin.

Laumann bekräftigte, dass das Land finanzielle Mittel bereitstellen werde, um rund 1000 zusätzliche Leute für die Nachverfolgung von Infektionsketten zu mobilisieren. Am Freitag hatte er eingeräumt, dass es derzeit in NRW rund 2300 Beschäftigte dafür gebe, allerdings etwa 4500 Leute nötig wären.

Maskenpflicht in Innenstädten

In vielen Städten gilt ab Dienstag oder Mittwoch eine . Mit dieser Verfügung reagieren die Stadt auf die fortschreitend ansteigenden Corona-Zahlen. In besonders stark frequentierten und teils eng bebauten Bereiche soll so das Infektionsrisiko gemindert werden. Dazu zählen zum Beispiel , Mülheim, , , und Wuppertal.

Seit Samstag (17. Oktober) gelten in NRW einheitliche Regeln für Risikoregionen mit mehr als 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche:

  • Ab 23 Uhr bis 6 Uhr gilt in der Gastronomie eine Sperrstunde.
  • Auch der Verkauf von alkoholischen Getränken ist in dieser Zeit untersagt.
  • Feste aus herausragendem Anlass sind auf zehn Personen beschränkt.
  • Veranstaltungen sind - innen und außen - auf maximal 100 Personen beschränkt. Veranstaltungen sind allerdings bis zu maximal 250 Personen möglich, wenn die zuständige Gesundheitsbehörde ein vorgelegtes Hygienekonzept akzeptiert.
  • Zudem dürfen nur noch 5 Personen oder maximal zwei Hausstände in der Öffentlichkeit zusammenkommen.

Dehoga und Gastronom wollen NRW-weite Sperrstunde kippen

Die von der Corona-Pandemie besonders hart getroffenen Gastwirte und Hoteliers in Nordrhein-Westfalen haben mit erheblichen Umsatzrückgängen zu kämpfen. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Landesamts. Bereinigt um Preiseffekte sank der Umsatz der Branche im vergangenen August um 26,3 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresmonat, wie Statistiker am Montag in Düsseldorf mitteilten. Sehr deutlich war das Minus mit 39 Prozent etwa im Hotelgewerbe.

Ein Düsseldorfer Gastronom will mit Hilfe des Branchenverbands Dehoga vor dem Oberverwaltungsgericht Münster die NRW-weite Sperrstunde in besonders von Corona betroffenen Regionen kippen.

Das Oberverwaltungsgericht Münster bestätigte am Dienstag den Eingang von zwei Eilanträgen gegen die Sperrstunde: Demnach stammt ein Eilantrag von einem Gastwirt aus Bochum. Hinter dem zweiten Eilantrag steckt demnach ein Zusammenschluss von 18 Wirten aus Köln, Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis.

Der Bar-Besitzer Walid El Sheikh hatte vergangene Woche bereits einen Eilantrag gegen die Düsseldorfer Sperrstunde vor dem dortigen Verwaltungsgericht eingereicht. Dort werde man „99,9 Prozent“ gar nicht mehr über diesen Antrag entscheiden, so ein Gerichtssprecher am Montag. Schließlich gebe es jetzt die NRW-weite Regelung, die die Düsseldorfer Sperrstunde - die noch bei 1 Uhr lag - obsolet gemacht habe. Statt der städtischen Verfügung nimmt El Sheikh jetzt die Coronaschutz-Verordnung des Landes ins Visier.

Für den Gastronomen ist die Sperrstunde unverhältnismäßig. Ob sich Menschen wirklich in Bars anstecken könnnten, die unter Coronaschutz-Bedingungen betrieben werden, ist für den Gastronomen wie auch die Dehoga fraglich. Gleichzeitig macht El Sheikh nach eignen Angaben einen guten Teil seines Umsatzes nach 23 Uhr.

Hohe Fallzahl in Solingen "wegen vieler kleiner Treffen"

Der starke Anstieg der Corona-Zahlen in Solingen ist nach Angaben des Oberbürgermeisters nicht auf ein einziges zentrales Ereignis zurückzuführen. „Richtig passiert ist - ja fast leider - nichts“, sagt Tim Kurzbach (SPD) am Montag dem Radiosender WDR2. Es wäre viel leichter, wenn man sagen könne, es handle sich um eine betroffene Firma oder eine einzelne Begebenheit. In Solingen seien es aber „viele kleine Zusammenkünfte“ gewesen - etwa ein paar Jungs, die zusammen in einer Halle Fußball gespielt hätten. „Die sind jetzt alle infiziert.“

Kurzbach sagte, Solingen müsse nun den Überblick über die Infektionen behalten. Bislang seien im Gesundheitsamt mehr als 50 Mitarbeiter gewesen, am Montag sollten 30 weitere dazukommen. Mit Blick auf den nahenden Schulstart nach den Ferien erwarte er sich auch eine Antwort der Landesregierung, wie es weitergehe. Auf die Frage, ob Schule überhaupt stattfinden könne, sagte der OB: „Ich glaube, die Frage stellen sich gerade ziemlich viele. Nicht nur Oberbürgermeister.“

Nur noch elf Regionen in NRW unter der Vorwarnstufe

Es gibt nur noch zehn Regionen im Land, die noch unter der Vorwarnstufe von 35 liegen: Dazu gehören der Kreis Höxter (25,0), der Kreis Paderborn (20,8), der Hochsauerlandkreis (22,7), der Kreis Soest (28,17), Münster (30,13), der Kreis Steinfurt (27,44), der Kreis Coesfeld (33,55), der Kreis Herford (32,33), der Kreis Minden-Lübbecke (23,84) der Kreis Viersen (26,77) und der Kreis Kleve (26,77) .

+++ Aktuelle Fallzahlen aus Ihrer Stadt, neue Verordnungen, neue Erkenntnisse der Impfstoff-Forschung: Das Corona-Update hält Sie auf dem Laufenden. Hier kostenlos für den Newsletter anmelden! +++

Auf Twitter sagte Ministerpräsident Armin Laschet am Donnerstagmorgen zu, die Gesundheitsämter zu stärken, um die Infektionsketten besser nachzuverfolgen - und appellierte erneut, die Kontakte deutlich zu reduzieren:

Bereits zu Beginn der Woche hatte die Bundesregierung zugesichert, dass die Bundeswehr und das Robert-Koch-Institut ab einem Inzidenzwert von 35 ihre Experten in Corona-Hotspots schicken.

Hier gibt es die Corona-Regeln für NRW in der Übersicht.

NRW lehnt Grenzschließungen ab

Nordrhein-Westfalen will seine Grenzen zu den Nachbarländern trotz der Corona-Pandemie weiterhin offen halten. Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wirbt stattdessen für gemeinsamen Gesundheitsschutz.

Lesen Sie dazu: Zeeland ist Risikogebiet: Was heißt das für Urlauber vor Ort?

Sie sehen keine Tabelle? Dann klicken Sie hier.

Leserkommentare (92) Kommentar schreiben